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Maler

Erich Heckel und Bernhard Kretzschmar

Mehr als 450 Gäste haben bis Ende November die Bernhard-Kretzschmar-Ausstellung „Stadtkanal und Pferdebahn“ in der Kleinen Galerie im Döbelner Rathaus angeschaut, die am 12. September 2014 eröffnet wurde. 87 Jahre nach der letzten großen Personalausstellung des Künstlers in seiner Heimatstadt Döbeln gedachte die Stadt mit einer sehr aufwendigen Schau dem Künstler. Der bekannte Sohn Döbelns wäre in diesem Jahr 125 Jahre alt geworden, was die Stadt zum Anlass nahm, seine Werke zu zeigen. Die anspruchsvolle Ausstellung sollte das Frühwerk des Künstlers dokumentieren. Im Mittelpunkt standen dabei unter anderem Graphiken, Zeugnissen seiner Süden-Reise im Jahr 1913 sowie zahlreiche Werke der Neuen Sachlichkeit. Das Ziel der Ausstellungsmacher bestand vor allem darin, Bernhard Kretzschmar erneut ins Bewusstsein zu rufen und sich dabei auf den ersten Teil seines Lebenswerks zu beschränken.

Bernhard-Kretzschmar-Ausstellung „Stadtkanal und Pferdebahn“ in der Kleinen Galerie im Döbelner Rathaus - Impressionen vom Abend der Eröffnung. Fotos: Stadtmuseum Döbeln

Kretzschmar ist in Döbeln geboren, er ist hier zur Schule gegangen und hat seine Lehre als Dekorationsmaler absolviert. Zum Studium ging er dann nach Dresden. Die große Verbundenheit zu seiner Heimatstadt ist immer bestehen geblieben. Besonders in seiner frühen Zeit hat er viele Werke mit Döbelner Bezug geschaffen. Mit der Ausstellung, die vom 12. September bis zum 30. November 2014 zu sehen war, wollte die Stadt Döbeln Bernhard Kretzschmars künstlerisches Werk würdigen. Nach der Erich-Heckel-Ausstellung 2013 konnte damit eine weitere sehr anspruchsvolle Ausstellung in Döbeln präsentiert werden. Besonders erfreulich war dabei, dass die Stadt mit Kuratorin Dr. Anke Fröhlich- Schauseil eine kompetente Partnerin gewinnen konnte, um die Ausstellung fachkundig zu präsentieren. „Es wird einfach Zeit, diesen international bedeutenden Künstler wieder ins Blickfeld zu rücken. Besonders gilt es, Kretzschmar als Vertreter der neuen Sachlichkeit neu zu entdecken. Viele Museen haben sich diese lange überfällige Aufgabe vorgenommen. Döbeln packt es an", sagte die Dresdner Kunsthistorikerin bei der Vorbereitung der sehr aufwendigen Ausstellung.

Die letzte große Personalausstellung des Döbelner Malers Bernhard Kretzschmar war 1927 zu sehen. Die Eröffnungsrede der damaligen Döbelner Kretschmar-Ausstellung hielt der Architekturprofessor und Kunsthistoriker Cornelius Gurlitt, Großvater des gleichnamigen Kunstsammlers, der im vergangenen Jahr durch den Münchner Beutekunst-Fund in die Schlagzeilen geraten war. Vor fünf Jahren hatte sich das Stadtmuseum zwischenzeitlich schon einmal in einer kleineren Schau dem 120. Geburtstag des Künstlers gewidmet.

Kathrin Fuchs, Leiterin der des Stadtmuseums und der Kleine Galerie, bei einem Stadtrundgang auf den Spuren Bernhard Kretzschmars. Foto: Stadtmuseum Döbeln

Die Hälfte der Ausstellungsbesucher in diesem Jahr kam aus Döbeln selbst, die andere Hälfte reiste überwiegend aus Dresden an, wo Kretzschmar wirkte. Kathrin Fuchs, Leiterin der Kleinen Galerie und des Stadtmuseums, äußerte sich über den Zuspruch zur Ausstellung sehr zufrieden. „Wir freuen uns sehr, dass die Döbelner die Gelegenheit genutzt haben, Bernhard Kretzschmar und seine Biografie kennenzulernen“, sagt sie. Viele der einheimischen Ausstellungsbesucher blieben vor Kretzschmars Stadtansichten stehen und rätselten, welche Ecke ihrer Heimatstadt er auf Leinwand oder Papier gebannt haben könnte. Was manchmal nicht so einfach war, da dem Maler hin und wieder der Schalk im Nacken saß und er das Motiv einiger Werke einfach seitenverkehrt abbildete. Eine Ansicht der Bäckerstraße zum Beispiel oder eine Radierung, welche die Oberbrücke zeigt.

Den Dresdnern gefiel die Ausstellung sehr, so Kathrin Fuchs und sie verweist auf das Gästebuch. Die Einträge dokumentieren, dass Döbeln einen seiner berühmtesten Söhne und als Künstler einen der bedeutendsten Vertreter der Stilrichtung Neue Sachlichkeit in einer sehr guten Weise gewürdigt hat. „Da ist Döbeln Vorreiter. Eine wunderschöne Präsentation und sehr umfangreich“, hinterließ zum Beispiel ein Ausstellungsbesucher aus der Landeshauptstadt im Gästebuch.

Unter den Gästen waren auch die Enkel des ehemaligen Döbelner Bürgermeisters Otto Röher. Sie erkannten ihren Großvater auf einem ausgestellten Porträt Kretzschmars. Otto Röher hatte sich sehr um Bernhard Kretzschmar bemüht und ihm 1927 die große Döbelner Ausstellung mit über 200 Bildern ermöglicht. Dafür bedankte sich der Maler in einem Brief, voll des Lobes für seine Heimatstadt. Außerdem zeichnete Kretzschmar ein Porträt des Bürgermeisters. „So haben wir endlich ein Bild von Bürgermeister Röher, das ist für uns ein wichtiger historischer Baustein“, freut sich Kathrin Fuchs.

Die Ausstellung lebte aber auch von den zusätzlichen Angeboten, welche die Kleine Galerie organisiert hatte, um den Künstler und Menschen Kretzschmar greifbar zu machen. Das begann bei der Eröffnung, als Peter Stilijanow, der Stiefsohn des Malers, über Kretzschmar sprach. Es setzte sich in einem Vortrag des ehemaligen Direktors der Galerie Neue Meister, Dr. Horst Zimmermann, fort. Und es ging am 3. November mit dem Dresdner Bildhauer Professor Helmut Heinze weiter, der im großen Rathaussaal über Bernhard Kretzschmar berichtete. Heinze hatte Kretzschmar in dessen letzten vier Lebensjahren begleitet und ihn porträtiert. Beide verband eine sehr intensive freundschaftliche Beziehung.

In Dresden, wo Kretzschmar die größte Zeit seines Lebens wirkte und als Professor an der Hochschule für Bildende Künste lehrte, finden sich seine Bilder heute vor allem in der Galerie Neue Meister.

Bernhard Kretzschmar wurde in Döbeln geboren und blieb der Stadt Zeit seines Lebens verbunden. Ein Schild an seinem Geburtshaus informiert über den bekannten Maler. Foto: Stadtmuseum Döbeln

Die Stadt Döbeln hatte nach der Ausstellung 1927 acht Werke des Künstlers gekauft. Für die Ausstellung im September hatten Kuratorin Anke Fröhlich-Schauseil und Kathrin Fuchs unter anderem 26 Bilder, darunter Leihgaben zahlreicher Galerien und aus privatem Besitz, ausgewählt. Dazu wurden Studien, Skizzen sowie Plakate, Fotos und Kretzschmars Notgeldentwürfe gezeigt. Zudem ließen Filmdokumente des Dresdner Filmemachers Ernst Kirsch in der Ausstellung Bernhard Kretzschmar lebendig werden.

Bernhard Kretzschmar

Prof. Bernhard Kretzschmar hätte am 29. November 2014 seinen 125. Geburtstag begangen. Er ist in Döbeln geboren, stammt aus ärmlichen Verhältnissen und absolvierte nach der Schule eine Lehre als Dekorationsmaler. Als begabter Lehrling bekam er für das Ausmalen des 1912 erbauten neuen Döbelner Rathauses einen Preis der Stadt Döbeln. Zum Studium ging er später nach Dresden, blieb seiner Heimatstadt Döbeln aber immer verbunden, auch in vielen Motiven. In Dresden gründete er die „Neue Dresdner Sezession" mit. 1937 werden 47 seiner Werke als „Entartete Kunst" beschlagnahmt. Ab 1946 hat er eine Professur an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden. Am 16. Dezember 1972 starb er in Dresden. Seine Werke befinden sich im Besitz von Museen in Barcelona, Berlin, Dresden, Hamburg, Köln, Kopenhagen, Leipzig, Madrid, München, Prag, Rio de Janeiro, Wien, Winterthur und Zürich.

Mit der Kretzschmar-Ausstellung ist dem Stadtmuseum 2014 ein weiterer großer Coup gelungen. 2012 zeigte das Museum den Briefwechsel zwischen Berta Semmig und dem Literaturnobelpreisträger Hermann Hesse. Die Pädagogin und Autorin Berta Semmig hatte der Stadt Döbeln ihren Nachlass gestiftet. Darin befand sich der Schriftwechsel mit Hermann Hesse.

Anlässlich der bedeutendsten Ausstellung des Stadtmuseums in diesem Jahr wurde ein hochwertiger Ausstellungskatalog herausgegeben. Die vom 12. September bis 30. November geöffnete Ausstellung sollte überregionale Ausstrahlung erzielen und direkt an die Ausstellung von 1927 anknüpfen. Der damals 38 Jahre alte Kretschzmar war da schon eine Berühmtheit. Das auch dieses Jahr in Döbeln gezeigte Pferdebahngemälde war im Jahr 1927 gerade von einer Ausstellung in Tokio zurückgekehrt und zu einem japanischen Postkartenmotiv geworden. Andere Werke wurden damals in einer Ausstellung zur Neuen Sachlichkeit in Amsterdam ausgestellt.

Die Ausstellung „Erich Heckel – Bildnisse" war im Museum der Stadt Döbeln im Mai 2013 anlässlich des 130. Geburtstages des großen Döbelner Malers eröffnet worden. Foto: Stadtmuseum Döbeln

Im vorigen Jahr widmete sich das Stadtmuseum/Kleine Galerie mit großem Erfolg einem anderen großen Sohn der Stadt Döbeln. Trotz empfindlicher Einschnitte durch das Juni-Hochwassser 2013 konnte auch die Erich-Heckel-Ausstellung im Vorjahr ihrem sehr hohen Anspruch gerecht werden.

Die Ausstellung „Erich Heckel – Bildnisse" war im Museum der Stadt Döbeln im Rathaus im Mai 2013 mit einer Festwoche anlässlich des 130. Geburtstages des großen Döbelner Malers eröffnet worden und lief bis Ende August 2013. 23 der 28 ausgestellten Bilder wurden der Stadt Döbeln aus dem Nachlass Heckels in Hemmenhofen am Bodensee zur Verfügung gestellt. Eine Leihgabe stellte die Sparkasse, vier Werke sind aus städtischem Besitz. Drei davon waren Neuankäufe, die zum ersten mal öffentlich in Döbeln gezeigt wurden. Die Radierung „Bildnis E.G." von 1920 zeigt Heckels Schwester Elisa Geisler mit Bruder Manfred im Hintergrund. Heckels Frau Sidi zeigt die große Lithografie von 1921. Seine Frau, mit der er bis zu seinem Tod 1970 55 Jahre verheiratet war, malte Heckel sehr oft. Die Lithografie „Kopf 33" von 1933 ist ein Selbstbildnis mit Zollstock. Er symbolisiert das Maß der Dinge. Dieser und der Gesichtsausdruck Heckels stehen auch für die Verunsicherung jener Zeit, als Bücher verbrannt und seine Kunst von den Nazis als entartet abgestempelt, zerstört und der Künstler selbst diffamiert wurde. Die drei Bilder wurden aus dem Etat des Stadtmuseums für Ankäufe aus dem Nachlass des Künstlers erworben. Heckels Großneffe, Hans Geissler, verwaltet den Nachlass und steht mit der Geburtstadt in engem Kontakt. Insgesamt besitzt die Stadt 16 Grafiken des Künstlers.

Sparkassen-Haus Erich Heckel kurz vor der Eröffnung.

Fast 600 Besucher aus ganz Deutschland waren von Ende Mai bis Ende August des vorigen Jahres wegen der Ausstellung ins Rathaus gekommen. Durch Werbung im Berliner Brücke-Museum, das insbesondere Werke der Künstlergruppe „Brücke" zeigt, der Erich Heckel angehörte, sind einige Berliner Besucher nach Döbeln gekommen, um die Ausstellung zu besuchen. Aber auch bei den Döbelnern selbst hat die Ausstellung Neugier geweckt. Heckel sei mit dieser Ausstellung für Döbeln viel selbstverständlicher geworden, empfand Kathrin Fuchs vom Döbelner Stadtmuseum nach der erfolgreichen Schau.

Das Heckel-Gedenken hatte allerdings durch das Juni-Hochwasser 2013 einen herben Dämpfer erlitten. Denn die ergänzende Plakatausstellung in der Kreissparkasse Döbeln konnte wegen der dortigen Schäden nicht gezeigt werden.Auch waren in den Wochen nach der Flut kaum Besucher in Döbeln. Bis Ende August kamen aber dann doch noch viele Interessenten.


Anlässlich der gemeinsamen Festveranstaltung von Sparkasse Döbeln und Stadtmuseum Döbeln zum 120. Geburtstag Erich Heckels, wurde eine Neuerwerbung der Sparkasse präsentiert (v.r.n.l. Reingard Pöhnitzsch, Vorsitzende des Vorstandes der Kreissparkasse Döbeln; Hans Geissler, Großneffen Erich Heckels und der Döbelner Oberbürgermeister Hans-Joachim Egerer) Foto: Stadtmuseum Döbeln

„Für uns ist es gleichermaßen Verpflichtung und Freude, das wertvolle Erbe Erich Heckels auch in seiner Geburtsstadt nachhaltig zu pflegen", sagten Reingard Pöhnitzsch, Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse Döbeln, und Döbeln Oberbürgermeister Hans-Joachim Egerer über den Anspruch, der 130 Jahre nach der Geburt Erich Heckels in dem bekannten Haus am Döbelner Niedermarkt dazu geführt hat, dass die Muldestadt eng mit dem Namen des weltbekannten Künstlers verbunden ist. Die Kreissparkasse Döbeln hatte das Geburtshaus Heckels am Niedermarkt und die dazu gehörenden Hinterhäuser erworben und aufwändig umgebaut. Am 3. Mai 2012 wurde das Sparkassenhaus Erich Heckel feierlich eröffnet und ist heute eine der bedeutendsten Attraktionen der Stadt.

Die Galerie im Sparkassenhaus Erich Heckel ist seit November 2013, fünf Monate nach dem verheerenden Hochwasser, wieder geöffnet. Zu sehen sind 20 Werke des in Döbeln geborenen Expressionisten und Mitbegründers der Künstlergruppe „Die Brücke" . Darunter Aquarelle, Lithografien und Holzschnitte. An Glaswänden sind die Bilder befestigt. Diese Wände sind so angeordnet, dass sie acht Quader bilden, die im hell beleuchteten Raum stehen. Der Ausstellungsbesucher soll so einen roten Faden für das Besichtigen der Werke finden.

Erich Heckel: Am 31. Juli 1883 wird Erich Heckel im Haus Niedermarkt 15 in Döbeln geboren. Im Dezember 1883 zieht die Familie nach Dresden um. Nach dem Abitur 1904 beginnt Heckel ein Architekturstudiums in Dresden, im Juli 1905 gründet er mit drei weiteren Studenten die Künstlergruppe „Brücke". 1906 bricht er das Architekturstudium ab und zieht 1911 zusammen mit der Tänzerin Sidi Riha, die er heiraten und mit der er sein Leben bis ans Ende teilen wird, nach Berlin.

1913 löst sich die Künstlergruppe „Brücke" auf, es gibt die erste Einzelausstellung Heckels in Berlin. Nach Kriegsausbruch 1914 ist Erich Heckel als Sanitäter in Flandern stationiert, setzt seine künstlerische Tätigkeit kontinuierlich fort und zeigt seine Werke ab 1916 in regelmäßigen Ausstellungen in Deutschland. 1937 wird er als „entarteter Künstler" diffamiert. Heckel erhält ein Ausstellungsverbot, über 700 seiner Werke werden beschlagnahmt und aus Museen entfernt.

Im Januar 1944 wird seine Atelierwohnung durch eine Brandbombe zerstört, 1945 wird ein umfangreiches Bilderdepots mit Werken des Döbelners durch Brandstiftung zerstört. 1944 lässt sich das Ehepaar Heckel am Bodensee in Hemmenhofen nieder und lebt dort bis zu seinem Lebensende. Am 27. Januar 1970 stirbt Erich Heckel im Krankenhaus Radolfzell und wird auf dem Friedhof in Hemmenhofen beigesetzt.

Thomas Sparrer
"Traditions- und Förderverein Lessing-Gymnasium Döbeln" e.V.
Mitgliederinformation Nr. 47
Dezember 2014