Döbeln und die "magische Drei"

Entdeckungen im tausendjährigen Döbeln

Es kann nicht nur an den drei Türmen und den drei Stadttoren im Wappen liegen, dass Döbeln auch „Stadt der Dreien“ genannt wird.

Das Döbelner Stadtwappen existierte bereits 1329, es wurde zugleich als Ratssiegel benutzt und trug die Inschrift „Sigillum civium omnium in Dobilin“. Das heutige Wappen ist unter der Jahreszahl 1737 im Staatsarchiv zu Dresden erfasst und wurde 1992 durch einen Stadtverordnetenbeschluss des Döbelner Stadtrates bestätigt.

Beschrieben wird es u.a. in der „Chronik von Döbeln und Umgegend“ von C. W. Hingst aus dem Jahre 1872: „Die drei Eingänge zur Stadt: das Ober-, Nieder- und Staupitzthor waren durch starke Mauern und Thürme und tüchtige Thorflügel ebenfalls wohl befestigt und wurden in Kriegszeiten wohl bewacht, wie sie denn die Nacht hindurch auch in Friedenszeiten immer verschlossen gehalten wurde. Nach ihnen zeigte das Stadtwappen von jeher: drei Thürme über drei Thoren.“

In dem Werk „Curiosa Saxonica“ (Jahrgang 1737) wird Döbeln als „Stadt der Dreien“ bezeichnet. Über 40 Fakten werden aufgeführt, die es in der Muldenstadt dreimal gab. Insofern verweisen die drei Türme und die drei angedeuteten Stadttore einerseits auf reale historische Fakten, anderseits stehten sie aber auch symbolisch ganz generell für eine Dreiheit, die in Döbelns Geschichte prägend war.

Sicher war das vielfach Zufall, aber vielleicht spielte ja auch ab und an, bewusst oder unbewusst, das Wissen um die Magie der Zahl drei eine Rolle.

In Religion und Mythologie ist die nämlich tief verankert. Von alters her gilt sie als göttliche, als heilige Zahl. Der Jahres- und Lebenszyklus wird in vielen Kulturen als Dreiheit von Wachsen, Werden und Vergehen gesehen. In der griechischen Mythologie teilen sich Zeus, Poseidon und Hades die Herrschaft über Menschen und Götter. In Ägypten sind es Isis, Osiris und Horus.

Im Christentum spielt die Dreifaltigkeit eine herausragende Rolle - Gott, Gottes Sohn und der Heilige Geist bilden als Trinität die christliche Gottesvorstellung. Glaube, Liebe, Hoffnung gelten als die drei göttlichen Tugenden. Drei Stunden währte die Finsternis, bis Jesus am Kreuz starb, und am dritten Tag ist er von den Toten auferstanden.

Selbst Kinder wissen, dass die Zahl drei eine Besondere ist. Im Märchen hat der König häufig drei Söhne, bei der guten Fee haben wir drei Wünsche frei und das tapfere Schneiderlein muss drei Prüfungen bestehen.

Aller guten Dinge sind drei. Diesen Satz scheint man in Döbeln bis in die Gegenwart zu berücksichtigen. Beispiele gefällig? Liebend gern. Machen wir uns auf die Suche nach der magischen Drei in der Döbelner Stadtgeschichte.

Die frühe Stadtentwicklung Döbelns nach 1200 auf der Insel, die von zwei Muldenarmen umgeben ist, entfaltet sich in drei Schritten. Zuerst entsteht das Oberviertel, das im Osten vom Schlossberg, der Kirche St. Nicolai und der Oberbrücke begrenzt wird und sich noch über den östlichen Teil des heutigen Obermarktes erstreckte. Ihm folgte das Mittelviertel und den Abschluss bildete, im Westen der Muldeninsel gelegen, das Niederviertel im Bereich des heutigen Niedermarktes. Hier gab es in dieser frühen Zeit einen Friedhof und die Kirche St. Jakobi, die bei einem Brand 1523 zerstört wurde.

Klappe, die erste – Oberviertel, Mittelviertel, Niederviertel

Stadtplan um 1780 nach Emil Reinhold (nachträgliche Markierung orange: 1 = Oberviertel, 2 = Mittelviertel, 3 = Niederviertel / blau: 1 = Kornmarkt, 2 = Mittelmarkt, 3 = Niedermarkt)

Für die Döbelner waren im Mittelalter drei Märkte von besonderer Bedeutung. Der heutige Obermarkt beherbergte im östlichen Teil den Kornmarkt. Jeden Donnerstag kamen die Bauern der umliegenden Dörfer in die Stadt und verkauften Weizen, Gerste und Hafer. Für die Städter war dieser Markt ein Lebensquell. Wer Getreide hat, kann Brot backen. Direkt vor dem Rathaus fand sich der sog. Mittelmarkt. Hier wurden an Markttagen Waren des täglichen Bedarfs feilgeboten. Genauso wichtig war der Niedermarkt. Im südlichen Teil wurde Holz verkauft. Jeder, der einen Herd oder einen Ofen heizen musste, deckte sich hier ein. Dass es viele Feuerstellen in der Stadt gab, wurde dieser übrigens manches Mal zum Verhängnis. Es gibt in Döbeln große Stadtbrände, die zum Teil die ganze Stadt in Schutt und Asche legten.

Klappe, die zweite – Kornmarkt, Mittelmarkt, Niedermarkt

Städte waren immer Orte, in denen es einen gewissen Wohlstand gab. Das weckte Begehrlichkeiten. Man musste auf der Hut sein und sich gegebenenfalls verteidigen. Vorsorge war auch damals schon besser als Nachsorge. Also baute man in Döbeln eine Stadtmauer. Markgraf Heinrich der Erlauchte gilt als derjenige, der den Schutz Döbelns vorantrieb. Trotz der Insellage ließ er von 1221 bis 1268 eine doppelte Stadtmauer errichten, die aus einem äußeren und einem inneren Mauerring bestand. Die ganze Stadt konnte man im zwischenliegenden Zwinger umgehen. Der Name Zwingerstraße zeugt noch heute davon. 1700 m war die äußere Mauer lang, war wie die innere mit Schießlöchern für die Verteidiger versehen. Nach dem Einfall der Hussiten 1420 besserte man sogar noch einmal nach. Bürger und Fronbauern errichteten einen Wallgraben mit Futtermauer. Das heißt ins Erdreich war eine Stützwand eingearbeitet, die Angreifer erst überwinden mussten, ehe sie den Wallgraben überwinden konnten. War das geschafft, warteten noch die zwei Mauerringe. Auch für erfahrene Soldaten war die Erstürmung der dreifach geschützten Stadt Döbeln ein mühseliges und gefährliches Unterfangen.

Klappe, die dritte – innere Stadtmauer, äußere Stadtmauer und Wallgraben mit Futtermauer

(1) Reste der Stadtmauer hinter der Nikolaikirche mit den Grabsteinen ehemaliger Pfarrer der Stadt Döbeln
(2) Teile der Stadtmauer haben sich hinter den Häusern der Ritterstraße erhalten. Ein kürzlich eingerichteter Spazierweg entlang des nördlichen Muldenarmes ermöglicht so neue Einblicke in die Stadtgeschichte.
(3) Relikt aus längst vergangener Zeit - ein Rest der Stadtmauer wurde beim Bau der Kreissparkasse an der Ecke Ritterstraße / Rudolf-Breitscheid-Straße erhalten.

Natürlich musste es in den Mauern Tore geben, durch die man die Stadt betreten kann. Die wurden ganz in der Nähe der alten Furten erbaut. Den Zugang zur inneren Stadt gewährleistete das Obertor im Osten, das Niedertor im Süden und das Staupitztor im Norden. Zu verschiedenen Stadtjubiläen hatte man diese Stadtore, die auch stilisiert auf dem Döbelner Wappen zu erkennen sind, nochmals errichtet, natürlich nur aus Pappe und Sperrholz. Dennoch vermittelten die Attrappen einen guten Eindruck davon, wie man sich dereinst die Döbelner Stadttore vorstellen muss.

Klappe, die vierte – Ober-, Nieder- und Staupitztor

Das anlässlich der 1000-Jahr-Feier an der Oberbrücke nachgebildete Stadttor war eine sehr freie Interpretation des historischen Obertors. (www.döbeln.de)

Bleibt die Frage, wie die Besucher der Stadt die Mulde überquerten. Ganz am Anfang musste man sich eine Furt suchen, eine seichte Stelle, die das Überqueren gestattet. Das war mühselig und sobald die Mulde etwas mehr Wasser führte, auch gefährlich. So mancher Karren schmierte hier ab und so mancher Händler verlor Hab und Gut. Eine Brücke musste her, besser noch drei. Brücke und Stadttor bildeten fortan eine Einheit. Die ersten drei Brücken gibt es heute noch. Die Oberbrücke zählte drei Joche (= in der Architektur der Achsabstand zwischen zwei Säulen oder Pfeilern), war aus Stein und so breit, dass bequem zwei Wagen einander ausweichen konnten und am Rand auf erhöhten Steigen Fußgänger Platz fanden. Die Niederbrücke hatte fünf Joche und in der Mitte zwei Auswölbungen an der Seite zum Schutz der Fußgänger, wenn Geschirre einander begegnen. Der hölzerne Staupitzsteg ruhte auf Steinpfeilern und war nur für Fußgänger passierbar. Im Mittelalter hatten alle Brücken nur einen Bohlenbelag, der beim Nahen von Feinden schnell herausgenommen werden konnte, was ein Eindringen in die Stadt erschwerte.

Klappe, die fünfte – Oberbrücke, Niederbrücke und Staupitzsteg

(1) Oberbrücke (2) Niederbrücke und (3) Staupitzsteg

Brücke und Stadttor haben wir im Kasten. Klar, hier fehlt noch etwas. Und zwar ein Turm. An jeder Brücke erhob sich ein starker vierkantiger Turm, der zur Verteidigung der Tore wichtig war. Diese Türme finden sich im Wappen der Stadt Döbeln wieder und sie prägen dieses. Die Botschaft in frühen Tagen - Döbeln ist eine wehrhafte Stadt - Angriff zwecklos. Als das raue Mittelalter Vergangenheit war, nutzte man die Türme auch für peppige Innovationen. Der Niedertorturm erhielt 1684 eine Uhr. Man erzählte sich, dass ihre Schläge besonders weit zu hören waren, wenn Regen nahte.

Klappe, die sechste – Obertorturm, Niedertorturm, Staupitztorturm

Ansicht von Döbeln, Kupferstich von Merian, um 1650 – Gesamtansicht zur Orientierung: (1) Schloßberg, (2) Nicolaikirche, (3) Altes Rathaus, (4) Niederbrücke
Ansicht von Döbeln, Kupferstich von Merian, um 1650 – Ausschnitt (immer rechts neben der Markierung: (1) Obertorturm, (2) Niedertorturm, (3) Staupitztorturm

Neben den Toren standen Torhäuser. Die Tore waren ja in gewisser Weise ein Nadelöhr. Jeder Besucher der Stadt musste sie passieren. In den Torhäusern wartete ab 1383 der Torhüter. Er kassierte für die Stadtkämmerei den Torpfennig und das Wagengeld.

Klappe, die siebente – Obertorhaus, Niedertorhaus, Staupitztorhaus

Ende der Ritterstraße - links die Brauhausgasse - rechts der Durchgang zum Salzgraben - mittig das Torwärterhäuschen, um 1975 (www.döbeln.de) Von den abgebildeten Häusern gibt es heute nur noch das rechte Gebäude mit einer Hochwasssertafel an der Fassade. Durch Abrissarbeiten wurde die Ritterstraße bis zur heutigen Rosa-Luxemburg-Straße verlängert.

Natürlich reicht es nicht, nur Verteidigungstürme an den Stadttoren zu errichten. Deshalb standen auf drei Mauerecken drei weitere Türme. Die Türme im Südwesten (Standort in der Nähe des Theaters) und im Nordwesten (Standort in der Nähe der Sparkasse) waren vierseitig und massiv. Das südwestliche Mauerbollwerk führte den unheimlichen Namen Marterturm. Wo man sich heute beschwingt der heiteren Muse widmet, wurden früher Verdächtige gefoltert. Gottlob gehört derlei heute nicht mehr zur Ermittlungsroutine. Der Turm im Südosten, ganz in der Nähe des Schlossbergs war dem runden Schlossturm angepasst. Er war wohl der jüngste von den dreien und entstand erst nach einem Schlossbrand um 1457 wie der anliegende Teil des Stadtgrabens.

Klappe, die achte – Verteidigungstürme im Südosten (1), Südwesten (2) und Nordwesten (3)

Verteidigungstürme im Südosten (1), Südwesten (2) und Nordwesten (3)

Lässt sich das Spiel rund um die Zahl drei fortführen? Selbstverständlich. Das Leben der Döbelner spielte sich in früher Zeit natürlich nicht nur innerhalb der Stadtmauern ab. Vor den Mauern gab es drei Werder, die man durch drei Pforten erreichen konnte. Die erste Pforte verband die Obermühle mit dem Nordende der Kirchgasse, weshalb man sie auch Mühlpforte nannte. Die Obermühle befand sich auf dem Oberwerder, einer vom Mühlgraben und der Mulde begrenzten kleinen Insel östlich der Kleinen Kirchgasse zwischen Oberbrücke und den sog. Färberhäusern. Die sogenannte Zwingerpforte ging in der Südfortsetzung der Sattelgasse nach der Schlosswiese. Die befand sich dort, wo heute der Busbahnhof ist. Die Sattelgasse, die ja als Sattelstraße noch heute existiert, war damals länger und erstreckte sich ungefähr in der Flucht der heutigen Rathauspassage bis zur Zwingerpforte in der Stadtmauer. Die dritte, erst seit 1734 bestehende, sog. Wasserpforte dürfte in unmittelbarer Nähe der Nordwestmauerecke gelegen haben. Sie verband den sog. Salzgraben mit der Stadt. Bei den Pforten kann man noch etwas weiter „auf die Dörfer“ gehen. Neben den Pforten gab es nämlich noch drei Pförtchen. Aber wir wollen es nicht übertreiben.

Klappe, die neunte – Mühlpforte, Zwingerpforte, Wasserpforte


Nach 1500 entwickelten sich vor den Stadttoren drei kleine Vororte, die „Obenaus“, „Niedenaus“ und „Vor dem Staupitztor“ genannt wurden. In den Steuerlisten heißen sie einfach Obertor, Niedertor und Staupitztor. Interessant, dass es nach Durchschreiten des Tores Richtung Vorort auch jeweils drei Möglichkeiten gab, in welche Richtung man seinen Schritt lenken konnte. Hinter der Oberbrücke führte ein Weg zum Kloster, einer über den Saumarkt zur Ziegelei und der dritte am Hospital St. Georg vorbei nach dem Gericht, dem Galgen auf der Zschackwitzer Höhe.
Wer durch das Niedertor und über die Niederbrücke aus der Stadt schritt, stand auf dem Niederscheunenplan, um den sich die ersten Häuser Niederaus gruppierten, fand östlich den sog. Sack und westlich lagen die Wege „Auf dem Graben" und „An der Vogelstange". Hinter dem Staupitzsteg ging ein Weg geradezu den Staupitzberg hinauf, einer zweigte östlich ab Richtung Kloster und einer westlich Richtung Klostergärten.

Klappe, die zehnte – Obenaus, Niedenaus, Vor dem Staupitztor

Apropos Staupitzberg. Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass Döbeln von drei Minibergen umgeben ist und die Stadt später an diesen emporwächst. Im Norden fand sich der Staupitzberg, der heute meist als Leipziger Berg bezeichnet wird, weil die Hauptverkehrsader, die ihn erschließt, Leipziger Straße heißt. Idyllisch ist hier die Südlage, von der viele Häuser profitieren. Durch das Neubaugebiet Döbeln-Nord reicht das Stadtgebiet bis zum Holländerturm. Im Osten erhebt sich der Dresdner Berg, der seinen Namen auch von der gleichnamigen Straße erhielt. Er verbindet die Neubaugebiete Döbeln-Ost I und II mit der Innenstadt. Im Süden wird die Stadt vom Hirtenberg begrenzt, der vielfach auch Geyersberg genannt wird.

Klappe, die elfte – Staupitzberg, Dresdner Berg, Hirtenberg

(1) Postkarte um 1900, Staupitzberg, Blick von der Leipziger Straße; (2) Postkarte Dresdner Straße; (3) Postkarte Blick auf den Geyersberg

Von der Obermühle war ja schon im Zusammenhang mit der Mühlenpforte die Rede. Sie ist eine der drei Mühlen, die vor Jahrhunderten die Döbelner mit Mehl versorgten. Dicht am Schloss und der Nicolaikirche gelegen, hatte sie drei Gänge und eine Tuchwalke. Herzog Georg überließ sie 1501 der Stadt Döbeln, zusammen mit der auch zum Schloss gehörenden Niedermühle. Die wurde durch ein ausgefeiltes System mit Wasser versorgt: „In einem Stollen durch den Schloßberg geleitet, wallte es im Graben durch Schloß- und Zwingergärten nach dem Niederwerder zur Mühle. Zwei Mahlgänge waren oberschlächtig, der dritte wurde von einem darüber gesetzten Gang aus getrieben, der bei Hochwasser, wenn alle anderen Mühlen feiern mußten, mahlen konnte.“ (Reinhold, S. 35). Die Staupitzmühle war die dritte im Bunde. Der Adlige von Schönberg hatte sie 1462 der Stadt überlassen. Mit ihren fünf Gängen war sie am leistungsstärksten. Natürlich gab es in Döbeln noch mehr Mühlen. Die werden aber später errichtet als die drei ältesten Mühlen der Stadt.

Klappe, die zwölfte – Obermühle, Niedermühle, Staupitzmühle

(1) Links fließt die Mulde, rechts das Wasser im Mühlgraben, der von der ehemaligen Obermühle kommt und sich kurz vor der Oberbrücke wieder mit der Mulde vereinigt. Die künstliche Insel nennt man Oberwerder. (2) Die ehemalige Niedermühle auf dem Niederwerder liegt direkt gegenüber vom Stadttheater. (3) Die Staupitzmühle stellte als letzte Mühle Döbelns 1976 den Betrieb ein.

Brot braucht der Mensch und Wasser natürlich auch. Die Versorgung der Stadt mit Trinkwasser wurde lange Zeit durch drei Röhrenleitungen sichergestellt. Die wurden von Zschäschütz, von der Wiese hinter dem Bielbach bei Sörmitz und dem Greußniger Holz bis in die Stadt verlegt. Drei große Bottiche, von denen jeder 36 Faß Wasser enthielt, standen vor dem Obergasthof (Der war in der Ritterstraße gelegen und hieß später „Goldene Sonne“.), im Klosterstadtteil, später auch auf dem Mittelmarkt unweit des Rathauses. Erst im Dreikaiserjahr 1888 wurde in Döbeln mit dem Bau moderner Wasserleitungen begonnen und an der Sörmitzer Straße ein erstes Wasserdruckwerk errichtet.

Klappe, die dreizehnte – Trinkwasserrohrleitungen von Zschäschütz, vom Bielbach und aus dem Greußniger Forst sowie Bottiche vor dem Obergasthof, auf dem Korn- und auf dem Niedermarkt

Röhrwasserbrunnen in Döbeln auf dem Obermarkt um 1830

Ein Dreiklang ergibt sich auch mit Blick auf die Kirchen der Stadt. Die Nicolaikirche ist das älteste Gotteshaus der Stadt. Sie wird in unmittelbarer Nähe des Schlosses errichtet, ein Pfarrer wird erstmals 1293 urkundlich erwähnt. Ein frühes Kirchengebäude ist beim Stadtbrand von 1333 an dieser Stelle zerstört worden. Nach diesem Ereignis begann der Bau einer dreischiffigen Basilika, die immer wieder Umbauten erlebte und sich zur gotischen Hallenkirche entwickelte. Ein Brand im Jahr 1730 nahm ihm seine schönste Zier, die schlanke Spitze. Kürzer und dicker ist er wiederaufgebaut worden. Die nach 1300 nachweisbare Jacobikirche stand einst am Niedermarkt. Nach einem Brand im Jahr 1523 wurde sie hier nicht mehr wiederaufgebaut. Lange Zeit war die Nicolaikirche das einzige Gotteshaus Döbelns. Am Beginn des 19. Jahrhunderts wurde immer deutlicher, dass eine Kirche für die wachsende Stadt nicht mehr ausreicht. 1902 beschloss der Kirchenvorstand den Bau einer neuen Kirche im Westteil Döbelns. Sie wurde 1904 eingeweiht und nach der alten Jacobikirche benannt. Die dritte Kirche der Stadt Döbeln ist die jüngste. Sie wurde für die katholischen Einwohner errichtet. 1852 zählte deren Gemeinde 23 Mitglieder. Durch den Zuzug vieler Menschen gegen Ende des 19. Jahrhunderts wuchs auch die Zahl der Katholiken und deren Wunsch nach einem eigenen Gotteshaus wurde immer größer. Die Johanniskirche, oberhalb des Stadtbades errichtet, wurde 1916 geweiht.

Klappe, die vierzehnte – Nicolaikirche, Jacobikirche, Johanniskirche

(1) Nicolaikirche, (2) Jacobikirche, (3) Johanniskirche

Wie lange Zeit üblich, fanden sich ganz in der Nähe der Kirchen anfangs auch die Friedhöfe. Nicht nur in Döbeln werden die mit dem Wachstum der Stadt immer mehr an die Peripherie verlagert. Der Obergottesacker befand sich anfangs gleich neben der Nicolaikirche, wurde dann vor das Obertor verlegt. Hier bestand er lange Zeit im Bereich der Parkanlage, die sich heute parallel zur Wappenhenschstraße erstreckt. 1859 wird er von hier nach Döbeln-Ost verlegt, wo er bis 1986 Bestand hat. Der Niedergottesacker war anfangs gleich am Niedermarkt gelegen. Als in den Jahren 1584/85 wiederum die Pest in Döbeln wütete, reichte der Platz nicht mehr. Der Friedhof wurde aus der Stadt heraus an den Fuß des Hirtenbergs verlegt. 1585 war die Friedhofsweihe als „Maria-Magdalena-Gottesacker“, 1671 hatte man eine erste Kapelle errichtet und 1910/11 wurde der Friedhof nach Süden zu einem Parkfriedhof erweitert. Als Niederfriedhof ist er noch heute in Nutzung. Nicht weit entfernt wurde 1938 das 130. Krematorium des Deutschen Reiches gegründet. Immer mehr Menschen verfügten ihre Einäscherung, immer weniger Erdbestattungen fanden statt. Gleich unterhalb des Krematoriums, neben dem eine großen Andachtshalle gebaut wurde, entstand ein neuer Friedhof mit zahlreichen Urnenfeldern.

Klappe, die fünfzehnte – Oberfriedhof, Niederfriedhof, Friedhof am Krematorium

(1) Niederfriedhof - Ansicht vom Grab Tümmlers Richtung Stadt, (2) Der Oberfriedhof in Döbeln Ost wurde zu einer Parkanlage umgestaltet. Einige Gräber gefallener sowjetischer Soldaten blieben erhalten. (3) Im Umfeld des Krematoriums auf dem Geyersberg entstand der jüngste Friedhof der Stadt.

Wie bereits deutlich wurde, spielt die Zahl drei, die im Stadtwappen durch die stilisierte Darstellung der drei Tore und der drei Türme verewigt wurde, im mittelalterlichen Döbeln schon eine große Rolle. Auch in moderneren Zeiten taucht die Zahl drei immer wieder auf. Kann das ein Zufall sein?

Der Aufschwung Döbelns im 19. Jahrhundert ist stark mit dem Bau der Eisenbahn verknüpft. Der erste Bahnhof Döbelns entstand an der verkehrsgünstigen Chaussee von Döbeln nach Leisnig in Großbauchlitz. Am 28. August 1847 reisten der Sächsische König mit Gemahlin, Gefolge und Festgästen von Döbeln nach Riesa. Mit der Eröffnung des Abschnittes Döbeln–Leisnig der Bahnstrecke Borsdorf–Coswig 1868 beginnt die Geschichte des Döbelner Hauptbahnhofes, ganz im Westen der Stadt Döbeln gelegen. Anfangs gab es nur einen Personeneinsteigeschuppen. Erst zwei Jahre später wird hier das heutige Empfangsgebäude erbaut. Der Historiker Rolf-Ulrich Kunze würdigte es als „eines der schönsten deutschen Bahnhofsgebäude überhaupt“ [Rolf-Ulrich Kunze: Close Readings – Kulturgeschichtliche Interpretationen zu Bildern der wissenschaftlich-technischen Zivilisation (= Karlsruher Studien Technik und Kultur). KIT Scientific Publishing, Karlsruhe 2014, S. 170]. Im Herbst des Jahres 1868 ging dann noch die Haltestelle Döbeln Ost an der Strecke nach Meißen in Betrieb. Umgangssprachlich wird sie fortan als Ostbahnhof bezeichnet, heute heißt sie „Döbeln Zentrum“. Hoffen wir, dass hier bald wieder Leben einzieht. Mit der Stilllegung der Teilstrecke Döbeln-Meißen kappte man die traditionsreiche Bahnverbindung Döbelns mit der Landeshauptstadt Dresden.

Klappe, die sechzehnte – Bahnhof Großbauchlitz, Hauptbahnhof, Ostbahnhof

(1) Bahnhof Großbauchlitz, (2) Hauptbahnhof Postkarte um 1935, (3) Ostbahnhof

Ausschnitt der Streckenkarte Sachsen 1902 (rot markiert: Schmalspurbahn Oschatz-Mügeln-Döbeln)

Drei Bahnhöfe in einer Stadt zeigen wirklich auch, dass Döbeln ein Eisenbahnknotenpunkt war. Hier kreuzten sich die Strecken Chemnitz – Riesa und die Strecke Borsdorf – Coswig. Schnell merkten die Döbelner natürlich, dass eine dritte Bahnstrecke fehlt. Man war ja schließlich die „Stadt der Dreien“. 1884 wird die Kleinbahnstrecke Oschatz-Mügeln-Döbeln in Betrieb genommen. Sie band zahlreiche Dörfer an das Mittelzentrum Döbeln an und wurde für den Transport von Zuckerrüben genutzt. 1882 hatte man in Döbeln eine riesige Zuckerfabrik errichtet. Sie gehörte zu den drei größten ihrer Art in Deutschland und musste aus dem Umland mit Zuckerrüben beliefert werden. Die Waggons rollten auf einem extra dafür gebauten Anschlussgleis direkt in die Fabrik. Der Volksmund spottete über die kleine Bahnstrecke „Mutzschen – Mügeln – Mailand – Rom“.

Klappe, die siebzehnte – Bahnstrecken Chemnitz – Riesa, Borsdorf – Coswig und Döbeln – Oschatz

Wo wir gerade bei der Verkehrsanbindung Döbelns sind. Drei Hauptverkehrsadern leiten den Verkehr nach oder an Döbeln vorbei. Zwei Bundesstraßen und eine Autobahn. Die A 14 wird seit 1936 gebaut und ist immer noch nicht fertig. Man startete von Halle aus Richtung Leipzig, kam hier in einem ersten Schritt bis nach Klinga. Weiter ging es erst in den 70er Jahren. Die DDR baute die Autobahn 1970 bis Grimma und 1971 bis zum Autobahndreieck Nossen. Die A 14 geht nördlich und östlich an Döbeln vorbei und ist mit zwei Anschlussstellen gut angebunden. Die B 169 ist eine Bundesstraße, die 1937 als Reichsstraße 169 von der sächsischen Stadt Plauen bis ins brandenburgische Cottbus eingeführt wurde. Sie führt seit 1969 westlich an Döbeln vorbei. Über sie erreicht man Richtung Norden Riesa und Richtung Süden Hainichen und Frankenberg. Die Bundestraße 175 geht mitten durch Döbeln und bildet einen wichtige West-Ost-Verbindung. Sie beginnt im thüringischen Lederhose und führt bis ins sächsische Nossen. Auf Döbeln trifft sie von Hartha kommend, in Masten, einem westlichen Stadtteil, und verlässt Döbeln im Osten Richtung Nossen. Erst vor kurzem wurde die Verkehrsführung der B 175 zwischen Zschäschütz und dem Autobahnanschluss Döbeln-Ost zugunsten der Verkehrssicherheit im Bereich der sog. Gakendelle verändert.

Klappe, die achtzehnte – B 175, B 169, A 14

Eine Autobahn (A 14) und zwei Bundestraßen (B 175, B 169) verbinden Döbeln mit der Welt. Naja, sagen wir mit anderen Städten Sachsens.

Auch bei den Döbelner Neubaugebieten hielt man sich an die an die Zahl drei. Mitte der 50er Jahre beginnen die Bauarbeiten südlich der Dresdner Straße in Döbeln-Ost. Im April 1956 können die ersten Mieter der Arbeiterwohnungsgenossenschaft „Fortschritt“ einziehen. Die Dreizimmerwohnung im Erdgeschoss kostete 34,50 DM Miete. Bis 1961 entsteht ein kleiner Stadtteil, in dem viele Familie ein neues Zuhause finden. 1961 öffnet an der Blumenstraße eine HO-Verkaufsstelle mit Lebensmitteln, Obst, Gemüse und Industriewaren. Auch an einen Kindergarten und einen Spielplatz wurde gedacht.

1970 wird in Döbeln-Ost weitergebaut. Nördlich der Dresdener Straße entsteht das Neubaugebiet Döbeln-Ost II. Nach der Erschließung des Geländes werden schon im August die ersten Fertigteile montiert. Hatte man in Döbeln-Ost I noch die Häuser Stein auf Stein errichtet, wurden in Döbeln-Ost II industriell vorgefertigte Betonteile montiert. Parallel zum Bau der Neubaublöcke auf der „grünen Wiese“ verfällt die Altstadt Döbeln, 1973 kommt es zu großflächigen Abbrucharbeiten in der Salzgasse, 1976 in der Brauhausgasse. Auch in Döbeln-Ost II baut man 1975 eine Verkaufsstelle für Waren des täglichen Bedarfs, Kaufhalle genannt, und einen Kindergarten. Schon 1969 hatte man die W.-Pieck-Schule eröffnet, 1976 kam die POS „W.-I.-Lenin“ dazu. 1975 wohnen ca. 7000 Döbelner in Ost I und II. 1982 werden die letzten Blöcke in Döbeln-Ost II fertiggestellt. Sie wurden altersgerecht ausgebaut, haben sogar einen Fahrstuhl.

Noch immer ist der Wohnungsmarkt in Döbeln nicht gedeckt. Die Industriestadt Döbeln wächst, immer mehr Menschen fliehen aus den unsanierten Altbauten des Stadtzentrums in die Neubaugebiete. Aus diesem Grund beginnt man 1981 mit dem Bau eines dritten Neubaugebietes. In Döbeln-Nord, zwischen Leipziger Straße und Holländerturm, wird der erste WBS-70-Block montiert. Auch hier setzt man auf industrielle Vorfertigung. In Döbeln-Nord entsteht in den kommenden Jahren ein großes Wohngebiet mit vielen Wohnblöcken, die mit Fernwärme versorgt werden. Zum Viertel gehören bald auch zwei Schulen, eine neue Kinderkombination mit 90 Kinderkrippen- und 180 Kindergartenplätzen sowie eine Kaufhalle

Klappe, die neunzehnte – Neubaugebiete Döbeln-Ost I, Döbeln-Ost II und Döbeln-Nord

(1) Neubaugebiet Döbeln-Ost I, Ecke Blumenstraße Käthe-Kollwitz-Straße; (2) Neubaugebiet Döbeln-Ost II, Die Unnaer Straße hier früher Leninstraße. (3) Neubaugebiet Döbeln-Nord (www.döbeln.de)

Gerade die drei Neubaugebiete machen deutlich, dass Döbeln viele Jahrzehnte eine attraktive Stadt für junge Familien war. Diesen Anspruch hat Döbeln noch heute. Die Attraktivität einer Stadt kann man auch an ihren Sportstätten messen. Hier sieht es in Döbeln wirklich gut aus. Es gibt ein Hallen- und ein Freibad, zahlreiche Turnhallen, Tennisplätze, Fitnessstudios und auch drei Stadien.

Den heutigen Heinz-Gruner-Sportpark gab es als Sportplatzanlage schon lange. 1913 erhielt der Döbelner Sport-Club 02 pachtweise die Greußniger Wiesen am Muldenbad. 1923 erteilte die Stadt die Genehmigung für den Bau einer Platzanlage mit Laufbahn. Hier trainierten fortan Leichtathleten und es wurde Fußball gespielt. Die erste Mannschaft des DSC wurde 1926 sogar Pokalmeister von Nordsachsen. Heute ist der Gruner-Sportpark die Heimat der Fußballer des Döbelner SC. Das Stadion „Am Bürgergarten“ entstand auch in den 30er Jahren. Der Allgemeine Turnverein machte aus der „Wiese am Bürgergarten“ einen Sportplatz, der 1938 seiner Bestimmung übergeben wurde. 1944 kauft der Verein das Sportplatzgelände. In den letzten Jahren wurde das Stadion mit einer Tartanbahn ausgestattet und bietet für den Schulsport und für die Leichtathleten des DSC hervorragende Bedingungen. Das Stadion des ESV Lok befindet sich im Westen der Stadt und gehörte früher den Turnvereinen Klein- und Großbauchlitz. Später ging es in die Obhut des Eisenbahner-Sportvereins Lok über. Döbeln bot als wichtiger Knotenpunkt vielen Eisenbahnern Arbeit und die Deutsche Reichsbahn wollte ihren Mitarbeitern auch soziale Leistungen bieten. Sport hält die Belegschaft gesund und gesunde Mitarbeiter brauchte auch die Reichsbahn. In der DDR waren die Eisenbahnsportler in den Betriebssportgemeinschaften Lokomotive organisiert. Heute wird im Lok-Stadion vornehmlich Fußball gespielt.

Klappe, die zwanzigste – Stadion „Am Bürgergarten“, Heinz-Gruner-Sportpark, Stadion ESV Lok Döbeln

(1) Höher, schneller, weiter - Sportfest des Lessing-Gymnasiums im Heinz-Gruner-Sportpark, (2) Der größte Benefizlauf des Landkreises wird im Stadion "Am Bürgergarten" durchgeführt. (3) Lok-Stadion im Winter.

Anfangs verwies ich auf das Kompendium „Curiosa Saxonica“, in dem 1737 40 Fakten aufgeführt wurden, weshalb Döbeln zu Recht „Stadt der Dreien“ genannt wird. Wir haben hier immerhin 20 Beispiele aufgeführt, an denen deutlich wird, dass Döbeln häufig als Dreierpack daherkommt. Das war in seiner Geschichte so, aber auch in der Gegenwart spürt man immer wieder das Bemühen, sich der Zahl Drei anzunähern. Einige Jahre gab es in Döbeln zwei Eigenheimstandorte. Die Sonnenterrassen in Döbeln-Nord und die „Sörmitzer Au“. Nun kommt mit dem Walduferviertel im Westen der Stadt ein drittes Gebiet hinzu. Wer jetzt noch an Zufall glaubt.

Was die Zukunft für Döbeln bringt, wissen wir nicht. Eines aber ist sicher: Aller guten Dinge werden drei sein.

Michael Höhme
"Traditions- und Förderverein Lessing-Gymnasium Döbeln" e.V.
24.01.2021

Quellen:
Carl Wilhelm Hingst: Chronik von Döbeln und Umgegend. Döbeln 1872
Emil Reinhold: Das alte Döbeln bis 1840. In: Wanderungen durch Döbeln und Umgegend. Hg. C. Schwender zum 2. Döbelner Heimatfest. Döbeln 1924.
Stadt Döbeln und AG Heimatfreunde (Hg.): Döbelner Chronik – 1871-1999. Beucha 1999




























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