Gießereitradition an der Schlachthofstraße: Das Erbe von Walther & Jäger
Die Gründer kamen 1909 von Chemnitz nach Döbeln. Hugo Walther war hier Direktor und sein Schwager Jäger Ingenieur bei einer Chemnitzer Gießereigesellschaft, die in Konkurs geriet. Beide wollten sich in ihrer Branche selbständig machen und fanden in Döbeln ein bereits vorhandenes Gebäude und hinreichend Kunden. Sie erwarben die kleine Gießerei an der Schlachthofstraße von der Firma Julius Müller, die sie gleich neben ihrem Standort erworben hatte, als der ehemalige Besitzer F. Kyll in Zahlungsschwierigkeiten geraten war. Unter Walther & Jäger wurde die Gießerei zu einem größeren Betrieb ausgebaut und modernisiert.
Der schnelle Erfolg von Walther & Jäger verdeutlicht die enorme Anziehungskraft des Standorts Döbeln zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Während andernorts Betriebe scheiterten, bot Döbeln durch seine verkehrsgünstige Lage und die dichte Vernetzung der ansässigen Maschinenbauindustrie ein ideales Umfeld, in dem eine Gießerei sofort auf einen hungrigen Absatzmarkt stieß.
Nachfolgebetriebe wie das Graugusswerk des VEB DBM bestanden bis ins Jahr 1990. Mit seinem Ende schloss sich ein Kreis, der über acht Jahrzehnte zuvor mit Mut zum Neuanfang begonnen hatte.
© Michael Höhme, "Traditions- und Förderverein Lessing-Gymnasium Döbeln" e.V.
Quellen:
Pressausschuss für das Heimatfest (Hg.): Aus der Heimat. Festschrift zum Heimatfest. Döbeln 20.-22. Juni 1914, S. 90
Stockmann, Gottfried: Die Stadt Döbeln als Standort der Industrie. Borna Leipzig 1928, S. 43ff.
Bildnachweis:
Alle Abbildungen/Fotos ohne Vermerk stammen aus der „Sammlung Döbeln“ von Michael Höhme.
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