Vom Gürtler zum "Spritzen-Müller": Aufstieg und Welterfolg der Döbelner Feuerlöschgerätefabrik
Von Gürtlerwaren zum Gelbguss: Die Anfänge unter Julius Müller
Ernst Julius Gottlieb Müller entstammte einer bereits seit mehreren Generationen handwerklich geprägten Familie. Sein Vater Gottlieb Müller war als Seilermeister in Döbeln tätig. Da die Familie ihr einst vorhandenes Vermögen weitgehend verloren hatte, bildete eine gründliche handwerkliche Ausbildung die wichtigste Grundlage für Julius Müllers späteren Aufstieg.
Nach seiner Gesellenzeit, die ihn unter anderem nach Berlin geführt hatte, kehrte der Gürtlermeister Ernst Julius Gottlieb Müller 1849 in seine Heimatstadt Döbeln zurück. Eine neu erschlossene Quelle deutet darauf hin, dass Müller 1849 zunächst in Masten bei Döbeln eine Drahtstift- und Nagelfabrik gründete. Ein erhaltenes Ankündigungsschreiben der Firma „Müller & Comp.“ aus dem Jahr 1854 könnte auf diese frühe Unternehmung verweisen. In welchem Verhältnis sie zu seiner späteren Gürtlerwerkstatt und Metallwarenproduktion stand, bedarf noch genauerer Untersuchung.
Gürtler bearbeiteten vor allem Buntmetalle und stellten daraus Gebrauchs-, Schmuck- und Beschlagteile her. In seiner Werkstatt stellte Müller zunächst Beschläge und Bügel für Damenplüschtaschen, kleine metallene Schmuckwaren (Bijouteriewaren) und Pfeifenringe her.
Als Anfang der 1860er-Jahre der Kauf der Gelbgießerei des Kupferschmieds Voigt möglich wurde, verlagerte Müller den Schwerpunkt seines Unternehmens auf diese Produktionsrichtung. Das Handwerk des Gelbgießers gehörte damals zu den bedeutenden Metallhandwerken. Verarbeitet wurde vor allem Messing, eine Legierung aus Kupfer und Zink, die wegen ihres goldähnlichen Glanzes und ihrer Haltbarkeit geschätzt wurde. Zunächst schmolz der Gelbgießer das Metall im Ofen ein und goss es anschließend in vorbereitete Sandformen. Diese Formen entstanden mithilfe von Modellen, die in den Formsand gedrückt wurden. Nach dem Erkalten wurden die Werkstücke aus der Form gelöst, von Gussgraten befreit sowie gefeilt und geschliffen. Durch sorgfältiges Polieren erhielten die Gegenstände schließlich ihre glatte Oberfläche und den typischen Messingglanz.
Auf diese Weise entstanden zahlreiche Gebrauchs- und Ziergegenstände: Knöpfe, Schnallen, Leuchter, Figuren und Beschläge ebenso wie Glocken, Schellen und Hähne. Darüber hinaus fertigten Gelbgießer technische Bauteile wie Ventile für Brennereien und Brauereien sowie Armaturen für die Feuerwehr. Das Handwerk verlangte großes Geschick im Umgang mit Metall, Formenbau und Feuer und wurde meist in kleinen Werkstätten über Generationen weitergegeben.
Expansion und technologische Modernisierung
Ab 1862 war Julius Müller Obermeister der Gürtlerinnung, die rund zwanzig Jahre später aufgelöst wurde. 1868 mietete er für sechs Taler im Jahr Räume in der Niedermühle und nutzte dort erstmals Kraftantrieb, etwa für Drehbänke. 1872 errichtete er in der Bahnhofstraße 71, am damals noch offenen Mühlgraben, ein neues Wohn- und Geschäftshaus (heute Blumen-ABC) und verlegte seinen Betrieb dorthin. Das gesamte Erdgeschoss diente – bis auf einen kleinen Wohnraum – der Produktion. In der Nähe entstand später ein Nebengebäude für Schmiede und Lackiererei. Erstmals in Döbeln kam hier zum Antrieb der Maschinen ein Gasmotor zum Einsatz.
Der Neubau war bereits auf eine zunehmende Mechanisierung und die Fertigung größerer Erzeugnisse ausgerichtet. Bewegliche Hubzüge erleichterten den Transport schwerer Guss- und Konstruktionsteile. Eine Halle mit angeschlossener Lackiererei schuf die Voraussetzungen für den Bau von Wagen und kommunalen Geräten. Zum Produktionsprogramm gehörten nun auch leistungsfähige Wasser- und Jauchepumpen sowie Fahrzeuge für landwirtschaftliche und städtische Zwecke.
(1) Abbildung der Gebäude in der Bahnhofstraße 71 aus der Festschift zum 75. Firmenjubiläum* - Hinter dem Haupthaus erkennt man das Nebengebäude für Schmiede und Lackiererei. Im Bereich der heutigen Rosa-Luxemburg-Straße querte der Mühlgraben der Niedermühle damals die Bahnhofstraße. Er nahm sein Wasser unterhalb des Schlossbergs auf, führte es parallel zur Mulde bis zur Niedermühle und mündete im Bereich des heutigen VW-Autohauses wieder in die Mulde.
(2) In der Bahnhofstraße 71 wird seit vielen Jahren das Blumen-ABC betrieben. (Foto 2023)
Spezialisierung auf Feuerwehrtechnik: Der „Spritzen-Müller“
Der älteste Sohn des Firmengründers, Otto Julius Müller, erlernte das Gelbgießerhandwerk. Während seiner Wanderschaft vertiefte er seine Kenntnisse unter anderem bei der Firma Reiche in Altona. Seine Reise führte ihn durch mehrere Länder des Ostseeraums. Die dabei entstandenen persönlichen und geschäftlichen Verbindungen erleichterten später den Absatz der Döbelner Feuerlöschgeräte in Nord- und Osteuropa.
1875 kehrte er nach Döbeln zurück. Im selben Jahr gründete sich in der Stadt eine Ortsfeuerwehr. Die Firma Julius Müller engagierte sich früh und begann mit dem Bau von Feuerlöschspritzen. Das Unternehmen konzentrierte sich bald ganz auf diese Produktion und erweiterte den Betrieb um Abteilungen für Dreherei, Formerei und Klempnerei. Schon bald nannte man Julius Müller in Döbeln den „Spritzen-Müller“.
Patente und internationaler Erfolg
Am 4. Juli 1879 erfolgte die erste Eintragung ins Handelsregister. Im selben Jahr erhielt das Unternehmen ein Patent für eine von Müller konstruierte „einfachsaugende und doppeltdrückende Pumpe“. Die Verbindung zwischen der Firma und der Entwicklung der sächsischen Feuerwehr war eng: Auf dem Sächsischen Feuerwehrtag 1879 gewann das Unternehmen einen ersten und einen zweiten Platz, auf dem XI. Deutschen Feuerwehrtag 1880 in Dresden einen Ehrenpreis. Auch familiär bestanden enge Verbindungen zum Feuerwehrwesen, denn ein jüngerer Sohn Julius Müllers war seit den 1880er-Jahren als städtischer Brandmeister in Leipzig tätig. Für Aufsehen sorgte zudem die Erprobung einer Handdruckspritze im Jahr 1881: Dazu wurden die Feuerwehrschläuche bis auf den Turm der Nicolaikirche gezogen.
In den 1880er-Jahren boomte das Geschäft. Julius Müller lieferte seine Feuerlöschspritzen weit über die königlich-sächsischen Grenzen hinaus nach Nord- und Südamerika, China, Russland und in den Orient. Vor der Einführung von Zollschranken gehörten das zaristische Russland und die Donaumonarchie zu den Hauptabnehmern; später expandierte das Familienunternehmen nach Bulgarien und in die Türkei. 1889 wurde Otto Julius Müller Teilhaber, 1894 übernahm er das Unternehmen schließlich vollständig. Er setzte weiterhin auf technische Innovationen und galt als Erfinder des Equilibrium-Systems, mit dem Wasser bis zu 70 Meter hoch gepumpt werden konnte.
Werbemarken der Firma Julius Müller: Neben Motorspritzen zur Brandbekämpfung stellt die Firma auch Fäkalienabfuhrwagen her. Mit einer patentierten pneumatischen Grubenabsaugung sorgt man für eine geruchsarme Entleerung von Jauchegruben.
Standortwechsel und kontinuierliche Innovation
Seit Mitte der 1890er-Jahre stellte das Unternehmen neben Feuerspritzen auch erfolgreich Fäkalienabfuhrwagen nach einem besonderen Patent sowie Fahrgeräte für städtische und andere Behörden her. Die hohe Qualität der Produkte brachte dem Unternehmen 1897 auf der Leipziger Gewerbeausstellung die silberne Medaille der Stadt Leipzig ein. 1899 feierte die Firma ihr 50-jähriges Bestehen. Da sich der Standort in der Bahnhofstraße zunehmend als zu klein erwies und eine geplante Straße (heutige Rosa-Luxemburg-Straße) eine Erweiterung unmöglich machte, begann die Suche nach einem neuen Unternehmenssitz.
1900 lieferte die Spritzenfabrik eine komplette Ausrüstung für 36 Feuerwehrmänner – Technik, Uniformen und Helme – nach Südamerika. Der Uniformstoff kam aus der Döbelner Tuchfabrik Gebr. Glausnitzer. Angesichts des Wachstums kaufte Otto Julius Müller 1901 an der äußeren Bahnhofstraße/Ecke Schlachthofstraße die Maschinenfabrik Haase & Co. (vormals Kyll) mitsamt Maschinen und angeschlossener Eisengießerei.
Das 6.500 Quadratmeter große Gelände bot Raum für eine breit gefächerte Produktion. Neben der Maschinenhalle mit Dreh-, Bohr- und Fräsmaschinen bestanden eine Buntmetallgießerei, eine Schmiede, eine Tischlerei, eine Stellmacherei und ein Modelllager. Rund 25 Werkbänke, eine Blechbiegemaschine sowie Löt- und Schweißplätze verdeutlichen, dass ein großer Teil der Feuerlöschgeräte und Fahrzeuge im eigenen Werk gefertigt werden konnte. Für Transporte zum Bahnhof und innerhalb der Stadt standen mehrere von den Werkspferden „Hans“ und „Liese“ gezogene Wagen bereit.
Trotz des enormen wirtschaftlichen Wachstums und des internationalen Renommees blieb die Firmenführung ihrer Linie der Bodenständigkeit treu. Ein deutliches Zeichen dafür war die Entscheidung Otto Julius Müllers, keine repräsentative Fabrikantenvilla im Grünen zu errichten. Er wählte stattdessen eine Wohnung direkt auf dem neuen Firmengelände, um stets nah am Produktionsgeschehen und bei seiner Belegschaft zu sein – eine Haltung, die sein Ansehen in der Stadt nachhaltig festigte.
Generationenwechsel und technische Pionierleistungen
1906 starb Firmengründer Ernst Julius Müller im Alter von 85 Jahren. Er gehörte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu den erfolgreichsten Döbelner Unternehmern. Seine Firma erhielt im Laufe der Jahre 40 Ehrenpreise, darunter sechs Staatspreise sowie zahlreiche goldene und silberne Medaillen. Die Fortführung des Unternehmens war zu diesem Zeitpunkt bereits gesichert: Sohn Otto leitete den Betrieb seit 1894 erfolgreich weiter. Um praktische Erfahrungen außerhalb des Familienbetriebes zu sammeln, wurde Enkel Max Otto Julius Müller zunächst bewusst in einem Konkurrenzunternehmen ausgebildet. In diesem Zusammenhang verzichtete die Firma per Vertrag auf die Herstellung von Dampfspritzen, auf die sich der Ausbildungsbetrieb spezialisiert hatte. Anschließend studierte er Maschinenbau und beschäftigte sich dabei insbesondere mit dem Pumpen- und Motorenbau.
Die Fotos zeigen den Arbeitsalltag in der Feuerlöschgerätefabrik Julius Müller. Das letzte Foto muss nach 1922 aufgenommen worden sein, weil man im Hintergrund den 1922/23 errichteten Neubau der Schokoladenfabrik Clemen & Sohn erkennen kann (Quelle: Sammlung Sven Ettrich).
Preislisten der Firma für Feuerlösch- und Schlauchreinigungsmaschinen
(1) Motorkraftspritze aus dem Jahre 1924: Hersteller Julius Müller Döbeln, Viertaktmotor zum Antrieb der Löschwasserpumpe, Förderleistung ca. 800 Liter/min (Foto: Marko Sielaff - Feuerwehr Pulsnitz)
(2) Fäkalien-Kolonne mit einer Pumpe von Julius Müller in der Wappenhenschstraße, um 1900
(3) Stadtreinigungs-Wagen bei der Erprobung in der Schlachthofstraße direkt am Firmengelände, um 1920
Katalog der Firma aus dem Jahr 1935 * (Auszug)
Innovationen blieben charakteristisch für das Unternehmen – Werbeanzeigen warben unter anderem für kombinierte Motorspritzen für Wasser und Luftschaum. 1910 konstruierte und baute die Firma die erste deutsche Benzin-Motorspritze. 1913 folgte eine Elektromotorspritze mit Hochdruckzentrifugalpumpe, die im selben Jahr auf den Deutschen Feuerwehrtagen in Leipzig Bestnoten erhielt. Trotz einer bescheidenen Leistung von 400 Litern pro Minute überzeugte sie durch Überlastungsfähigkeit und ihre schnelle Einsatzbereitschaft: In nur 45 Sekunden war sie betriebsbereit, während Konkurrenzfahrzeuge zwei bis drei Minuten benötigten.
Zwischen Rüstungsproduktion, technischem Fortschritt und wirtschaftlicher Krise
Während des Ersten Weltkrieges stellte man die Produktion teilweise auf Rüstungsgüter um. Neben Handdruck- und Motorspritzen fertigte man 1000 Proviantwagen, 250 Maschinengewehrwagen und 500 weitere Heeresgerätewagen.
Nach dem Ende des Krieges kehrte Max Otto Julius Müller in das Unternehmen zurück. Er übertrug seine im Studium erworbenen Kenntnisse des modernen Pumpenbaus konsequent auf die Feuerlöschtechnik. Die aus Aluminium gefertigten Kreiselpumpen wurden mit Benzinmotoren auf tragbaren Schlitten verbunden und konnten auf zweirädrigen Anhängern zum Einsatzort transportiert werden. Auch Tanks und Schnellkupplungen für Saug- und Druckschläuche fertigte das Unternehmen weitgehend selbst. Für die neue Generation der Kleinmotorspritzen entstand eine eigene Fertigungslinie. Gemeinsam mit seinem Vater führte er die Firma durch die wirtschaftlich turbulenten 1920er-Jahre und trug dazu bei, ihren technologischen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz zu sichern.
Wie schwierig diese Jahre für das Unternehmen waren, zeigt eine Episode, die durch familiäre Überlieferung bekannt ist: Demnach geriet die Firma infolge eines gescheiterten Großauftrags aus Rumänien vorübergehend in erhebliche finanzielle Bedrängnis. Nachdem eine hinterlegte Liefersicherheit in Höhe von 25.000 Mark verloren gegangen war und die finanzierende Bank den Kredit gesperrt hatte, musste zunächst ein Teil der Belegschaft entlassen werden. Mithilfe privater Unterstützer aus Döbeln und eines neuen Bankkredits soll es Otto Julius Müller schließlich gelungen sein, den Betrieb zu retten.
Als die Freiwillige Feuerwehr Döbeln ihr 50-jähriges Jubiläum am 16. August 1925 beging und auf dem Obermarkt zahlreiche Geräte und Fahrzeuge präsentierte, waren darunter auch viele aus dem Hause Julius Müller.
Gemeinschaft, Jubiläum und Kriegswirtschaft
Die Familie Müller lebte unmittelbar auf dem Werksgelände. Diese räumliche Nähe zum Betrieb spiegelte sich nach den Erinnerungen der Nachkommen auch im Verhältnis zur Belegschaft wider. Für die damalige Zeit bemerkenswert waren ein regelmäßig anwesender Werksarzt und eine kleine betriebliche Altersversorgung.
1924 feierten die Mitarbeiter im festlich geschmückten Lackiersaal das 75-jährige Bestehen der „Fabrik für Feuerlöschgeräte und Stadtreinigungswagen Julius Müller“. Im selben Jahr entwickelte das Unternehmen eine neue Hochdruckzentrifugalpumpe und stattete Motorspritzen mit elektrischem Licht und Anlasser aus.
Als die Freiwillige Feuerwehr Döbeln ihr 50-jähriges Jubiläum am 16. August 1925 beging und auf dem Obermarkt zahlreiche Geräte und Fahrzeuge präsentierte, waren darunter auch viele aus dem Hause Julius Müller.
Nach 1933 wurde das Produktionsprogramm zunehmend durch staatliche Materialzuweisungen gelenkt. Nach der Darstellung der Familie erhielt Julius Müller keine Rohstoffe mehr für große Löschfahrzeuge und musste sich auf Kleinmotorspritzen konzentrieren. Diese wurden von Feuerwehren, Luftschutzorganisationen, Behörden, Industriebetrieben und während des Krieges auch von der Wehrmacht benötigt. Während des Zweiten Weltkrieges versorgte Frau Müller die Mitarbeiter nach den Erinnerungen der Familie zudem täglich mit einer warmen Mahlzeit.
Rückblick - Innovationen der Firma Julius Müller
Das Ende des Familienunternehmens nach 1945
Das Unternehmen wurde wie viele andere Betriebe am 22. November 1945 auf Grundlage des SMAD-Befehls 124 in treuhänderische Verwaltung überführt. Nach dem sächsischen Volksentscheid vom 30. Juni 1946 wurde das Unternehmen in Landeseigentum überführt und am 15. Oktober 1948 aus dem Handelsregister gelöscht. Auch nach dem Ende des Familienunternehmens wurde ein Teil seiner technischen und handwerklichen Traditionen am Standort fortgeführt. Der Betrieb ging später im Werk 4 des VEB Döbelner Beschläge- und Metallwerk auf, dessen Produktion bis zum Ende der DDR vor allem durch Guss- und Metallverarbeitung geprägt blieb.
Die Enteignung des Unternehmens war für die Familie Müller mit einem schweren persönlichen Schicksal verbunden. Max Otto Julius Müller wurde nach Kriegsende aufgrund politischer und wirtschaftlicher Vorwürfe festgenommen und in Bautzen inhaftiert. Nach Angaben seiner Familie blieben ihre wiederholten Bemühungen um eine Überprüfung der Anschuldigungen erfolglos. Erst im Januar 1950 kehrte Müller schwer erkrankt nach Döbeln zurück. Am 6. April desselben Jahres starb er an den Folgen der Haft. Seine Frau verließ daraufhin die DDR; die überlebenden Söhne der Familie hatten sich bereits in Kiel eine neue Existenz aufgebaut.
Ein außergewöhnliches Zeugnis der Firmengeschichte blieb erhalten. Bei einem Besuch der Döbelner Feuerwehr nach der deutschen Wiedervereinigung entdeckten Nachkommen der Familie Müller das einst für Ausstellungen gebaute Vorführmodell einer Handdruckspritze. Ein Feuerwehrangehöriger hatte das kleine Fahrzeug vor der Vernichtung bewahrt und sorgfältig gepflegt. Die Familie entschied, das Modell bei der Freiwilligen Feuerwehr Döbeln zu belassen – an jenem Ort, mit dem die Geschichte des „Spritzen-Müllers“ seit ihren Anfängen eng verbunden war. Das erhaltene Schaustück erinnert damit bis heute an eine Zeit, in der Döbelner Ingenieurskunst weltweit Brände löschte und die Stadt zu einem international bedeutenden Zentrum der Feuerlöschtechnik machte.
Die Fotos zeigen die ehemalige Döbelner Feuerlöschgerätefabrik, die später als Graugussgießerei zum Werk 4 des VEB DBM wurde, im Jahr 1992. Der Betrieb ist hier bereits stillgelegt. Der Abriss folgte kurz darauf. Auch das Areal der DDR-Minol-Tankstelle (Man beachte die Benzinpreise im Jahr 1992!) gehörte früher zur "Spritzen-Fabrik" Julius Müller.
Wollen Sie wissen, wie es mit der Feuerlöschgerätefabrik Julius Müller weiterging?
Informieren Sie sich hier über die Geschichte des VEB Sächs. Feuerlöschgerätefabrik u. Eisengießerei.
© Michael Höhme, "Traditions- und Förderverein Lessing-Gymnasium Döbeln" e.V.
Quellen:
Pressausschuss für das Heimatfest (Hg.): Aus der Heimat. Festschrift zum Heimatfest. Döbeln 20.-22. Juni 1914, S. 86f.
Fa. Julius Müller (Hg.): Festschrift zum 75jährigen Bestehen der Firma Julius Müller Döbeln i. Sachsen 1849-1924. Döbeln 1924
Stockmann, Gottfried: Die Stadt Döbeln als Standort der Industrie. Borna Leipzig 1928, S. 79ff.
Materialsammlung Karlheinz Enzmann (nicht veröffentlicht)
Neubauer, Wolfgang: Die Bahnhof- und die Burgstraße – Teil 2 Industrieanlagen Bahnhofstraße / Schlachthofstraße. STIEFEL1998 In: Sammelband Der neue Döbelner Erzähler. 2004, S. 126-127
Bildnachweis:
* Foto KI-gestützt restauriert
** Darstellung KI-generiert
Porträt Julius Müller - Fa. Julius Müller (Hg.): Festschrift zum 75jährigen Bestehen der Firma Julius Müller Döbeln i. Sachsen 1849-1924. Döbeln 1924
Werbeanzeigen 1925 – Rat der Bezirksstadt Döbeln (Hg.): Döbeln. Berlin 1925
Werbeanzeige 1910 - Schwender, Carl Clemens: Döbeln in Sachsen in Wort und Bild. Döbeln 1910Alle Abbildungen/Fotos ohne Vermerk stammen aus der „Sammlung Döbeln“ von Michael Höhme.
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Döbeln und seine Traditionsbetriebe
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Döbeln und seine Industriegeschichte
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Döbeln und seine Industriepioniere







