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Sächsische Gasmesser- und Metallwarenfabrik

Im Zwingergäßchen brannten 1954 die letzten Gaslaternen Döbelns.

Die Anfänge der Gasmesserproduktion stehen in engem Zusammenhang mit der Entwicklung der städtischen Gasversorgung im 19. Jahrhundert. Als Gas – vor allem aus Kohle gewonnenes Leuchtgas – zunehmend für Straßenbeleuchtung und Haushalte genutzt wurde, entstand der Bedarf, den Verbrauch genau zu messen und abzurechnen.

Im Zuge der Industriellen Revolution wurden die ersten Gasmesser entwickelt. Frühe Modelle waren sogenannte Nassgasmesser: Sie arbeiteten mit wassergefüllten Kammern, in denen sich bewegliche Trommeln drehten. Die durchströmende Gasmenge setzte diese Trommeln in Bewegung, wodurch sich das verbrauchte Volumen relativ genau bestimmen ließ.

Mit der zunehmenden Verbreitung von Gaswerken in den Städten wurde die Produktion von Gasmessern zu einem eigenen Industriezweig. Spezialisierte Werkstätten und später Fabriken fertigten die Geräte in größerer Stückzahl. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden die Nassgasmesser nach und nach durch Trocken- oder Membrangasmesser ersetzt, die robuster und wartungsärmer waren.

Döbelns Gasanstalt und Elektrizitätswerk befanden sich gleich auf der andereren Muldenseite, direkt gegenüber der Sächsische Gasmesser- und Metallwarenfabrik Emil Gleisberg - Luftlinie 50 Meter.
Werbeanzeige aus dem Jahr 1914

Als der Gelbgießer Moritz Emil Gleisberg 1891 das Haus seines Vaters in der Salzgasse 11 erbte, zog er von Roßwein nach Döbeln.

Mit der Errichtung einer städtischen Gasanstalt wurde 1902 in der ehemaligen Tuchfabrik der Gebr. Glausnitzer die "Sächsische Gasmesser- und Metallwarenfabrik Emil Gleisberg" gegründet. Hier fand der neue Eigentümer auch eine Wasserkraftanlage vor, die er nutzen konnte. Die Stadt förderte diese Ansiedlung, weil die Firma besondere städtische Einnahmen generierte. Gasmesser mussten geeicht werden und dafür waren Gebühren an das städtische Eichamt abzuführen.

(1) Zeitgenössische Abbildung der Gasmesserfabrik Emil GLeisbergs
(2) Der heutige Steigerhausplatz wurde früher als Exerzierplatz genutzt. Am östlichen Ende befand sich die Niederwalkmühle mit der Glausnitzerschen Tuchfabrik. Als diese den Betrieb einstellte, zog Emil Gleisberg mit seiner Gasmesser-Produktion hier ein. Der Gebäudekomplex fiel in den 30er Jahren einer Muldenregulierung zum Opfer.
(3) Gleisbergs Gasmesserfabrik an der Schießwiese 1 (heute Steigerhausplatz) - Detailvergrößerung

Durch viel Berufserfahrung und gezielte Schulungen gelang es, Weißblechklempner so zu qualifizieren, dass sie den besonderen Anforderungen des Gasmesserbaus genügten. Damit waren die Grundlagen für ein erfolgreiches Wachstum gelegt. Das Absatzgebiet für die Gasmesser war zunächst die nähere Umgebung. Später belieferte die Firma auch die drei sächsischen Großstädte. Auch Kunden in Thüringen, Norddeutschland, sogar in Danzig kauften die Gasmesser von Emil Gleisberg.

Die Unternehmerfamilie stand 1915 durch den tragischen Tod ihres Sohnes Felix, der mit 24 Jahren im Ersten Weltkrieg fiel, im Fokus der Aufmerksamkeit. Dessen Grabmal, das mit einer Skulptur des Bildhauers Prof. Otto Rost die besonderen Umstände seines Todes zeigt, findet man noch heute im oberen Teil des Niederfriedhofs.

© Michael Höhme, "Traditions- und Förderverein Lessing-Gymnasium Döbeln" e.V.

Quellen:
Pressausschuss für das Heimatfest (Hg.): Aus der Heimat. Festschrift zum Heimatfest. Döbeln 20.-22. Juni 1914, S. 88
Stockmann, Gottfried: Die Stadt Döbeln als Standort der Industrie. Borna Leipzig 1928, S. 81f.

Bildnachweis:
Werbeanzeige 1914 - Pressausschuss für das Heimatfest (Hg.): Aus der Heimat. Festschrift zum Heimatfest. Döbeln 20.-22. Juni 1914
Alle Abbildungen/Fotos ohne Vermerk stammen aus der „Sammlung Döbeln“ von Michael Höhme.