Landmaschinenfabrik Franz Richter
Der Schmied Carl Grieben eröffnete am 26. Januar 1861 in der Großen Kirchgasse eine Schlosser- und Schmiedewerkstatt, in der er zunächst Brücken-, Vieh- und Stangenwaagen herstellte. Das Geschäft entwickelte sich erfolgreich, sodass Grieben bald größere Räumlichkeiten suchte. Diese fand er im Nebengebäude der Dähnschen Spinnerei auf dem Oberwerder. Dort konnte er die Dampfkraft mitnutzen, was eine rasche Expansion ermöglichte. Die Belegschaft wuchs schnell auf 35 Arbeiter an.
Zur Finanzierung des weiteren Wachstums nahm Grieben den Kaufmann Richard Wagner aus Altenburg in Thüringen als Partner auf. Gemeinsam erwarben sie ein Grundstück an der Roßweiner Straße und errichteten dort 1866 zwei Fabrikgebäude. Die Produktion erfolgte mit Dampfkraft, und schon bald beschäftigte das Unternehmen etwa 100 Arbeiter.
Im Jahr 1870 schied Richard Wagner krankheitsbedingt aus der Firma aus. Neuer Partner Carl Griebens wurde der damals 30-jährige Kaufmann Franz Richter, der in der Döbelner Johannisstraße ein Geschäft betrieb. Neben Brücken- und Lastenwaagen stellte man nun auch Häckselmaschinen, Dreschmaschinen und Göpel her. Unter dem Namen „C. Grieben & Richter“ wurden 1872 weitere Fabrikgebäude sowie eine Eisengießerei errichtet. Die Mitarbeiterzahl stieg auf 200.
1874 trennten sich die beiden Partner, da Grieben infolge von Grundstücksspekulationen in finanzielle Schwierigkeiten geraten war. Franz Richter führte das Unternehmen allein weiter und richtete die Produktion konsequent auf landwirtschaftliche Maschinen aus, darunter Universal-Breitsähmaschinen, Drillmaschinen und Kartoffelsortiermaschinen. Gleichzeitig weitete er das Absatzgebiet über Deutschland hinaus auf Frankreich, Russland, Rumänien, Holland, Belgien, Schweden und Norwegen aus. Das Unternehmen wuchs auf bis zu 600 Mitarbeiter an, für die eine Unterstützungskasse sowie mehrere Stiftungen eingerichtet wurden.
Am 7. August 1886 entwickelte sich brennender Lack in der Lackierwerkstatt zu einem Großfeuer und zerstörte das Kontor und ein Fabrikgebäude, in dem der Maschinenbau und die Tischlerei untergebracht waren. Für die Löscharbeiten war eine 2400 Meter lange Schlauchleitung erforderlich, was die Brandbekämpfung erschwerte. Im Anschluss lies sich Franz Richter nicht lumpen und zahlte dem Korps der Freiwilligen Feuerwehr 100 Mark als Prämie.
Trotz dieses Rückschlags eröffnete das Unternehmen eine Vertriebsfiliale in Breslau. Die Folgen des Großbrandes konnten in Döbeln schnell beseitigt werden und bremsten die positive Entwicklung des Unternehmens nur kurz. Bereits 1887 wurde der 1000. Pflug gefertigt. Um die Transportkosten zu minimieren, beantragte Franz Richter 1888 einen Gleisanschluss für die Fabrik, der jedoch von der Bahn abgelehnt wurde. Dem Unternehmer wurde klar, dass der Gleisanschluss ein „dickes Brett“ ist, aber er gab nicht auf, sondern betrieb in den kommenden Jahren eine erfolgreiche Lobbypolitik, um sein Ziel zu erreichen. Eine Art öffentlicher Nahverkehr in Döbeln ließ sich schneller regeln. Natürlich gehörte Franz Richter 1891 zum Gründungskomitee „Döbelner Straßenbahn AG“ und saß später im Aufsichtsrat derselben.
In der Firma selbst wurden die Weichen für eine weitere Expansion gestellt. 1889 nahm man eine neue Dampfmaschine mit einer Leistung von 35 PS in Betrieb. Allen war auch klar: Will man sich gegen Konkurrenten, wie zum Beispiel die Landmaschinenfabrik Rudolph Sack in Leipzig-Plagwitz behaupten, muss man innovative Produkte auf den Markt bringen, muss Neues erfinden. Einige dieser Erfindungen lässt man sich vom Kaiserlichen Patentamt schützen, wie zum Beispiel die Saatkastenregulierung für Sämaschinen im Jahr 1889. Durch sie wurde verhindert, dass die Saat durch die Bewegung der Maschine ungleichmäßig verteilt wird.
Mit einer Gründung einer Unterstützungskasse für seine Mitarbeiter hatte Franz Richter gezeigt, dass ihm das Auskommen seiner Arbeiter am Herzen liegt. Verschenkt hat er allerdings nichts, die Löhne waren auch von der jeweiligen Marktlage abhängig. Arbeiterparteien und gewerkschaftliche Organisationsformen waren dem Patriarchen suspekt. Am 23. und 24. Mai 1892 kam es zu einem Streik der Fabrikarbeiter, nachdem die Löhne gekürzt worden waren. An der Eisenbahnhaltestelle, der Königstraße und dem Obermarkt ereigneten sich Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und den ca. 1200-1500 Streikenden, die den Einsatz von Streikbrechern verhindern wollten.
Franz Richter wusste, wie man Ziele wie den Gleisanschluss für seine Firma mittel- und langfristig erreicht. Er gilt als Impulsgeber für die große Döbelner Gewerbe- und Industrieausstellung im Jahr 1893 auf dem heutigen Steigerhausplatz. Tausende Besucher überzeugten sich von der Leistungsfähigkeit der Döbelner Wirtschaft. Auch der sächsische König Albert und Prinz Georg waren unter den Besuchern. Franz Richter führte sie persönlich durch die Maschinenhalle. Sicher unterhielt man sich auch über das fehlende Gleis im Döbelner Osten.
Die Fabrik Franz Richter war mittlerweile einer der „Platzhirsch“ unter den Landmaschinenproduzenten Deutschlands.1894 gründete das Unternehmen eine zweite Filiale in Bentschen, die 1897 nach Frankfurt an der Oder verlegt wurde. Im selben Jahr war Franz Richter Mitbegründer des „Vereins der Fabrikanten landwirtschaftlicher Maschinen und Geräte“. Der umtriebige Chef und die Produkte seiner Firma genießen deutschlandweit Anerkennung. Auf der Leipziger Gewerbeausstellung erhielt er 1897 für seine Exponate mehrere Medaillen. Zudem wählte ihn der „Zentralausschuss der Vereinsvorsitzenden zu Döbeln zur Förderung volkstümlicher Interessen“ zum Vorsitzenden und beschloss unter seiner Leitung die Errichtung eines Lutherdenkmals.
Franz Richter, 1901 anlässlich seines 73. Geburtstages von König Albert zum Königlich Sächsischen Kommerzienrat ernannt und 1911 auch zum Ehrenbürger der Stadt Döbeln, zog sich 1899 nach 34-jähriger unternehmerischer Tätigkeit ins Privatleben zurück. Zu diesem Anlass stiftete er 10.000 Mark für die Pensions- und Unterstützungskasse der Firma und erhöhte diesen Betrag ein Jahr später auf 15.000 Mark, deren Zinsen den Arbeitern und Beamten lebenslange Renten sichern sollten.
Die Landwirtschaftsmaschinen aus der Fabrik Franz Richters kann man noch heute zum Beispiel im Museum für Ländliches Brauchtum Schleinitz ansehen.*
Im Jahr 1900 wurde das Unternehmen in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt. Gesellschafter wurden die Söhne Georg und Alfred Richter, während die drei Töchter Franz Richters als Kommanditistinnen beteiligt waren. Georg Richter verantwortete die technische Leitung, Alfred Richter die kaufmännische Verwaltung. Am 6. März 1900 beschloss der Sächsische Landtag den Bau einer Güterhaltestelle nahe der Bahnhaltestelle an der Roßweiner Straße, was der Firma neue logistische Möglichkeiten eröffnete. Nur zwölf Jahren Lobbyarbeit war man am Ziel. Als man den Güterbahnhof Döbeln-Ost im Dezember 1905 eröffnete, konnte man die jährlich benötigten 900 Waggons in unmittelbarer Nähe des Fabrikareals abfertigen. Die direkte Anbindung an das Schienennetz war „Gold wert“, senkte die Kosten, machte die Firma noch konkurrenzfähiger. Man konnte von einem weiteren schnellen Wachstum ausgehen, auch weil es bei der Mechanisierung der Landwirtschaft einen großen Bedarf gab. Und die Landmaschinenfabrik Franz Richter hatte immer wieder neue Ideen, wie es für die deutschen Landwirte noch einfacher, noch schneller, noch preiswerter gehen könnte. Technologische Kompetenz und der Fleiß vieler Arbeiter brachten die Firma in dieser Zeit auf die Überholspur. Seine Leistungsfähigkeit zeigte das Unternehmen zum Beispiel auch auf einer Landwirtschaftsmesse in Montreuil-sur-Mer (Frankreich). Dort stand nach zweitägiger Prüfung fest, dass die Universal-Drillmaschine Franz Richters den ersten Preis, die Goldene Medaille, gewinnt. Lesern, die sich gerade fragen, was eigentlich eine Drillmaschine ist, kann geholfen werden: Die landwirtschaftliche Maschine, legt das Saatgut präzise in Reihen in den Boden, indem sie mit kleinen Scharen Rillen zieht, die Körner exakt dosiert und in gleicher Tiefe ablegt, um eine effiziente und gleichmäßige Keimung von Getreide, Hülsenfrüchten oder Futterpflanzen zu gewährleisten. Voilà.
Auch am Standort der Firma gab es wichtige Weichenstellungen: Durch den Ankauf des benachbarten Haaseschen Dampfsägewerks sowie weiterer Felder konnte die Fabrik 1904 erheblich erweitert werden, insgesamt auf eine Gesamtfläche von 56 350 Quadratmeter. Zu diesem Zeitpunkt beschäftigte das Unternehmen rund 600 Beamte und Arbeiter. 1906 wurde eine neue Drehstrom-Dampfmaschine von 600 PS aufgestellt, die die Kraft zum Antrieb von 350 Spezial- und Werkzeugmaschinen für die Holz- und Metallbearbeitung erzeugte.
Beispiele für Landwirtschaftsmaschinen, die die Firma 1915 produzierte.
Auch die Söhne Franz Richters wussten, dass gute Kontakte zur Stadtverwaltung und zur Regierung in Dresden für ein florierendes Unternehmen wichtig sind. Seit 1905 engagierten sich Georg Richter und Alfred Richter als Stadtverordnete, Stadträte sowie als Vorsitzende des Arbeitgeberverbandes (seit 1919). 1905 besuchte König Friedrich August III. das 22. Mitteldeutsche Bundesschießen in Döbeln und stattete auch zwei Firmen einen Besuch ab – den Tümmler-Werken und Franz Richters Landmaschinenfabrik. Natürlich gehört auch ein bisschen Repräsentation zum Geschäft. Alfred Richter erwarb 1908 ein Brennabor-Automobil und damit eines der ersten Autos, die über Döbelns Straßen fuhren. Wenn man bedenkt, dass 1908 in Deutschland insgesamt nur 5.547 Automobile gebaut wurden, weiß man, wieviel Aufmerksamkeit Alfred Richter mit seinem Brennabor wohl auf sich gezogen hat. Auch Besuch vom König bekam nicht jeder. 1912 schaute Friedrich August III. von Sachsen erneut in der Firma vorbei und war zufrieden mit dem, was er sah.
Der Erste Weltkrieg hatte für die gesamte deutsche Wirtschaft viele negative Folgen. Auch die Landmaschinenfabrik Franz Richter litt unter einem Mangel an Arbeitskräften, weil viele Männer in den Krieg ziehen mussten, auch unter dem Verlust von Exportmärkten und einer hohen Inflationsrate und Staatsverschuldung. Aber man gehörte auch zu den Firmen, die von Rüstungsaufträgen der Heeresverwaltung profitierten. Die Döbelner Firma produzierte Räder für Munitionsfahrzeuge, Feldwagen, Schmiedeteile für U-Boote und Flugzeuge sowie Teile für Minen- und Scheinwerfer. Minenwerfer. Es mussten weibliche Hilfskräfte eingestellt werden, die nach Rückkehr der männlichen Arbeiter wieder entlassen werden. 52 Beschäftigte waren im Krieg gefallen. Ein nicht benötigtes Fabrikgebäude vermietete man an die Reichswehr, die daraus die provisorisch eingerichtete Bock-von-Wülfingen-Kaserne machte und hier Rekruten ausbildete.
Nach der Beendigung des Krieges hatte man wie viele andere Firmen Probleme mit der Umstellung von der Kriegswirtschaft auf die Friedensproduktion. Viele Außenstände fielen während der Inflation einer katastrophalen Entwertung anheim. Durch Umsatzrückgang kam es zu Entlassungen und einer Kürzung der Arbeitszeit auf 33 Stunden pro Woche. Doch das Unternehmen erholte sich. Ein großer Auftrag aus Sowjet-Rußland sicherte Arbeitsplätze und ermöglichte Neueinstellungen.
Bald schon konnten die beiden Inhaber wieder als Wohltäter auftreten. Am 6. November 1921 wurden die Glocken der Leipziger Nikolaikirche geweiht; Georg und Alfred Richter stifteten die 13 Zentner schwere Taufglocke. Auch durch solche Aktivitäten für die Gesellschaft genoss die Familie Richter in Döbeln hohes Ansehen. Das zeigte sich, als Franz Richter am 5. November 1924im Alter von 83 Jahren starb. Ihm zu Ehren wurde die bisherige Berg- und Hohen Straße, die heutige Industriestraße, in Franz-Richter-Straße umbenannt. Zur Begäbnisstunde wird am 7. Februar 1924 das Rathaus halbmast beflaggt.
Der Tod des Firmengründers führte zu einer Neustrukturierung des Familienunternehmens. 1926 traten Franz Georg Richter, Sohn Georg Richters, Hans Richter, Sohn Alfred Richters, sowie Rudolf Thieme, Schwiegersohn Alfred Richters, als Teilhaber in die Firma ein. Das Unternehmen beschäftigte zu diesem Zeitpunkt etwa 650 Mitarbeiter und stellte ein umfangreiches Sortiment landwirtschaftlicher Maschinen her, darunter Pflüge, Eggen, Ackerwalzen, Drillmaschinen, Dreschmaschinen, Kartoffelroder, Rübenheber, Jaucheverteiler, Heu- und Getreiderechen sowie zahlreiche weitere Geräte. Aus Brandereignissen in den Jahren 1020 und 1921 hatte man Lehren gezogen, gründete 1926 eine Betriebsfeuerwehr.
Die Zwanziger Jahre waren durchaus auch für die Landmaschinenfabrik goldene Jahre. Sie endeten allerdings schon 1928. In diesem Jahr starb Georg Richter im Alter von 58 Jahren an einem Herzschlag während einer Zugfahrt von Radeberg nach Dresden. Er war Mitinhaber und technischer Leiter der Firma, Vorsitzender des Arbeitgeberverbandes Döbeln seit 1919 und hatte von 1908 bis 1919 sowie erneut ab 1926 kommunale Ämter als Stadtverordneter und Stadtrat ausgeübt. Für das Unternehmen war das ein schwerer Schlag. Nun stellte es sich als Vorteil heraus, dass man die Leitung der Firma auf viele Schultern verteilt hatte. Geschäftlich stehen schwierige Jahre ins Haus. Unter anderem durch die Folgen der Weltwirtschaftskrise kommt es in den Jahren von 1929 bis 1932 zu einem drastischen Umsatzrückgang, zu Entlassungen und zu Kurzarbeit. Es fehlte das Geld für Investitionen, der Maschinenpark der Firma war veraltet. Um Geld zu aktivieren verkaufte man Grundstücke und die beiden großen Lagerhäuser. In einem eröffnete am 1. Oktober 1930 Salomon Krenter aus Dresden die Krenter Zigarrenwerke GmbH. Im November begann man hier mit der deutschlandweit ersten maschinellen Produktion von Zigarren.
1933 feierte Alfred Richter sein 40-jähriges Dienstjubiläum. Sein am 16. Mai 1901 in Döbeln geborener Sohn Dipl.-Kfm. Hans Richter übernahm im selben Jahr wichtige Aufgaben in der Geschäftsleitung der Firma. Die wirtschaftliche Genesung dauerte. Am 26. Januar 1936 beging das Unternehmen eine Feier zum 75-jährigen Firmenjubiläum. In diesem Jahr wurden im Unternehmen wieder 300 Männer und Frauen beschäftigt, allerdings einschließlich der Filialen in Breslau und Frankfurt an der Oder.
Wie bereits im Ersten Weltkrieg rückte ab 1939 erneut die Rüstungsproduktion in den Mittelpunkt der Geschäftstätigkeit. Die Rüstungsproduktion sicherte dem Unternehmen Arbeitskräfte, auch 23 Zwangsarbeiter wurden zwischen 1939 und 1945 eingesetzt. Die Militärproduktion lohnte sich. Presseberichte behaupten, dass sich der Umsatz verzehnfachte hätte.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der Betrieb im September 1945 bei laufender Produktion von Mannschaften und Offizieren der Roten Armee besetzt. Es arbeiteten noch 150 Mitarbeiter in der Fabrik, die Kleingeräte für Gartenbesitzer und Handwagen herstellten.
Die Rote Armee beschlagnahmte die Firma und unterwarf sie einer Zwangsverwaltung. Die Demontage fast aller Maschinen in den ersten vier Monaten des Jahres 1946 führt zum Produktionsstillstand.
Nach dem Volksentscheid in Sachsen über das „Gesetz über die Übergabe von Betrieben von Kriegs- und Naziverbrechern in das Eigentum des Volkes“ am 30. Juni 1946 erfolgte die Enteignung und Überführung der Landmaschinenfabrik Franz Richter in Volkseigentum.
Am 17. August 1946 wurde die Wiederanlaufgenehmigung für die Herstellung von Straßenbaumaschinen sowie landwirtschaftlichen Maschinen und Geräten erteilt. Der Betrieb fertigte mit 56 Arbeitskräften z.B. Pflüge, Eggen, Drillmaschinen und Kartoffelroder. Aus 45 000 angerosteten Geschosshülsen, billig eingekauft, wurden blanke Ackereggenzinken.
Hans Richter, Enkel des Firmengründers, wurde zum Treuhänder bestellt, während die Familie Richter das Wohnhaus auf dem Firmengelände verlassen musste. Nach seiner Entlassung arbeitete Hans Richter als Ziegeleiarbeiter; der letzte Familiengeschäftsführer starb 1968.
Die Franz-Richter-Straße wurde 1948 in Industriestraße umbenannt. Nichts sollte mehr an Döbelner Industriepionier und Gründer einer der wichtigsten Landmaschinenfabriken Deutschlands erinnern. Eigentlich tragisch, dass man die Idee, im Gewerbegebiet Döbeln-Ost auch eine Straße nach Franz Richter zu benennen, verwarf. War die Befürchtung, dass es zu Verwechslungen mit der schon bestehenden Ludwig-Richter-Straße kommen könne, nicht doch etwas zu ängstlich. Dass in Döbeln eigentlich nichts an den wichtigen Industriepionier erinnert, wird seiner Bedeutung für die Stadt nicht gerecht.
Wohl nicht mehr zu retten - die völlig verfallene Villa des Firmengründers in der Roßweiner Straße (Foto von 2023).
Wollen Sie wissen, wie es mit der Landmaschinefabrik Franz Richter weiterging?
Informieren Sie sich hier über die Geschichte des VEB Landmaschinenbau "Rotes Banner" Döbeln.
© Michael Höhme, "Traditions- und Förderverein Lessing-Gymnasium Döbeln" e.V.
Quellen:
Pressausschuss für das Heimatfest (Hg.): Aus der Heimat. Festschrift zum Heimatfest. Döbeln 20.-22. Juni 1914, S. 85f.
Stockmann, Gottfried: Die Stadt Döbeln als Standort der Industrie. Borna Leipzig 1928, S. 68ff.
Materialsammlung Karlheinz Enzmann (nicht veröffentlicht)
Reichelt, Kathrin: Schweinchenrosa Landtechnik aus Döbeln. In: DA 15.06.2011
matec GmbH (Hg.): 1861 bis 2011 - 150 Jahre Industriestandort Döbeln. Döbeln 2011
Jaeckel, Helga/Herrmann, Klaus: Von der Landmaschinefabrik Franz Richter, Döbeln, über den VEB Landmaschinenbau „Rotes Banner“ zum Kabinenhersteller Matec. URL: http://das-goedel-buch.de/assets/applets/Franz_Richter_Dobeln.pdf (03.04.2023)
Dreyer, Klaus: Historische Landmaschinen von A-Z. URL: https://landtechnik-historisch.de/historische-landmaschinen-von-a-bis-z/r/richter-franz/ (09.01.2023)
Bildnachweis:
Fotos Niederlassung Breslau, Dampfmaschine, Franz Richter mit seinen Söhnen und Mitarbeitern (um 1900) – matec GmbH (Hg.): 1861 bis 2011 - 150 Jahre Industriestandort Döbeln. Döbeln 2011
Porträt Franz Richter, Hans Richter mit Tochter – Stadtarchiv Döbeln
Porträt Georg Richter - Festausgabe des Döbelner Anzeigers und Tageblatt zur Grundsteinlegung des neuen Rathauses 30.05.1910
Alle Abbildungen/Fotos ohne Vermerk stammen aus der „Sammlung Döbeln“ von Michael Höhme.
* KI-gestützt restauriert
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Döbeln und seine Traditionsbetriebe
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Döbeln und seine Industriegeschichte
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Döbeln und seine Industriepioniere







