VEB Döbelner Beschläge- und Metallwerk (DBM)
Immer deutlicher zeigte sich in den beginnenden 1950er Jahren, dass viele Synergieeffekte möglich wären, wenn man die drei großen metallverarbeitenden Betriebe Döbelns zu einem Verbund zusammenschließen würde. Im Jahr 1956 wurde aus dem VEB TEWA, MEBA und MEWA der VEB Döbelner Beschläge- und Metallwerk (DBM). Der VEB TEWA (TEWA = Technische Eisenwaren), ehemals Tümmler, der sich später VEB Metall- und Kunststoffbeschläge (MKB) nannte, wurde zum Fertigungsbereich I, kurz Werk I. Der VEB MEBA (MEBA = Metallbau), ehemals Grossfuss, wurde zum Fertigungsbereich II, kurz Werk II. Der VEB MEWA (MEWA = Metallwaren), ehemals H. W. Schmidt, wurde zum Fertigungsbereich III, kurz Werk III.
Der Zusammenschluss war der Versuch, die sozialistische Planwirtschaft durch Konzentration von Betrieben zu rationalisieren und zentraler zu steuern. So sollten Produktion und Absatz effizienter verzahnt, die Produktivität erhöht und staatliche Planziele besser durchgesetzt werden.
Durch die Fusion war in Döbeln eine große wirtschaftliche Einheit entstanden, deren Erzeugnisse weit über die Grenzen der DDR hinaus bekannt waren. Es reifte die Einsicht, dass ein eigenes Warenzeichen den Wiedererkennungswert der Produkte fördern würde. Aus diesem Grund führte man 1957 „DOBLINA“ als Warenzeichen des VEB DBM ein. Der Name DOBLINA wurde für eine Frauenfigur verwendet, die den Schlussstein über dem Rathausportal ziert. Sie legt ihre Arme um das Stadtwappen und gilt als Stadtmutter. Damit stellte der Name einen Zusammenhang mit dem Sitz des Herstellers her. Außerdem entstand eine enge Verbindung mit dem vollen Betriebsnamen „Döbelner Beschläge- und Metallwerke“, da außer dem „I“ alle Buchstaben im Firmennamen enthalten waren. Die drei Ringe verkörperten symbolisch die drei Werke, der zu einem rauchenden Schornstein gestaltete Buchstabe „L" wies auf die industrielle Fertigung hin, der kleine Schraubenkopf kennzeichnete die technische Eigenart. Das neue Warenzeichen stellte auch eine Schutzmarke dar, die der Nachahmung vorbeugen sollte. Den VEB DBM gibt es heute nicht mehr, den Namen „DOBLINA“ allerdings schon. Das Rathausjournal heißt so und die Kundenkarte der Döbelner Stadtwerke GmbH nennt sich doblina®CARD.
DBM Werk I - Schillerstraße um 1993 - Kurz darauf wurden die Fabrikgebäude abgerissen und die Kaufland KG baute eine Filiale auf dem Areal.
© Stadtmuseum Döbeln, Fotograf: Harry Heidl
Weil die Verflechtung der drei Betriebe erfolgreich verlaufen war, fügte man dem VEB DBM 1958 noch ein weiteres Unternehmen hinzu. Schon im Jahr 1948 hatte man die Firma Julius Müller mit der Eisengießerei Paul Schädlich zum VEB Sächsische Feuerlöschgerätefabrik und Eisengießerei zusammengefasst. Seit 1954 hieß der Betrieb VEB Eisengießerei und Metallwerk Döbeln und wurde 1956 völlig auf Maschinenguss umgestellt. So nutzte man auch schon bald die Maschinebauhalle als Formerei und Gießerei. In der Kernmacherei wurde die erste Stufe der halbmechanischen und Kernfertigung und kontinuierlichen Kerntrocknung in Betrieb genommen. Nun wurde der Betrieb zum Fertigungsbereich 4, kurz Werk 4, des VEB DBM.
Damit waren fast alle metallverarbeitenden Betriebe Döbelns Teil des VEB DBM. Die Gesamtproduktionsauflage stieg auf 23,5 Millionen DM, was den Betrieb zu einem bedeutenden Wirtschaftsunternehmen der DDR machte. Und man hatte mit dem neuen Player aus der sächsischen Provinz große Pläne, wollte das Potential des VEB DBM nutzen, um eine Schieflage der DDR-Industrie zu beseitigen.
Nach der Gründung der DDR hatte man, ganz nach sowjetischem Vorbild, die Schwerindustrie priorisiert. Im ersten Fünfjahresplan (1951–1955) flossen die meisten Investitionen in den Bergbau, die Energieerzeugung und die Metallurgie. Die Vernachlässigung der Leichtindustrie führte zu einem Mangel an Textilien, Haushaltswaren und Nahrungsmitteln. Die Unzufriedenheit über die schlechte Versorgungslage und die hohe Arbeitsbelastung waren die Hauptursachen für den Volksaufstand am 17. Juni 1953. Der sogenannte "Neue Kurs" der DDR-Regierung versprach, die Konsumgüterproduktion stärker zu fördern und die Lebensbedingungen zu verbessern.
Auch der VEB DBM sollte hier eine Rolle spielen, z. B. durch die Herstellung von innovativen Küchengeräten, die mit denen des Westens Schritt halten sollten. Schon 1956 verließen die ersten elektrischen Universal-Küchengeräte das Werk 2. Die Küchenmaschine „Imme“ war jedoch schwer und technisch störanfällig, sodass der Absatz schnell einbrach; nach 1500 produzierten Geräten wurde die Fertigung eingestellt. Ihre Nachfolger – die kleineren, handlicheren Geräte „Mixette“ (seit 1957/58) und die Vielzweckmaschine „Libelle“ (seit 1959/60) – fanden größeren Absatz: Bis 1959 wurden 36.000 „Mixetten“ und 15.000 „Libellen“ produziert. Möglich wurde dies durch die Einführung des Fließbandsystems und technische Neuerungen, die die Fertigung optimierten; eine „Mixette“ konnte nun in lediglich 3,25 Minuten hergestellt werden. Auch die Produktion von Auto-, Möbel-, Kühlschrank-, Geschirrbeschlägen, Alkalipatronen und Erzeugnissen aus Grauguss konnte gesteigert werden. Im Jahr 1957 erreichte das Exportvolumen erstmals wieder die Millionengrenze. Nach 1960 waren es immerhin 50 Länder, die aus der DDR Ware mit der DOLINA-Marke bezogen.
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| Gebrauchsanweisung Libelle, 1960 Foto: Staatliche Museen zu Berlin, Museum Europäischer Kulturen /CC BY-NC-SA 4.0 | Gebrauchsanweisung Mixette, 1960 Foto: Staatliche Museen zu Berlin, Museum Europäischer Kulturen /CC BY-NC-SA 4.0 |
Allen war klar, dass man nur mit sehr gut ausgebildeten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern geforderte Qualitätsstandards erreichen kann. Auch deshalb eröffnete man am 1. März 1957 eine Technische Berufsschule (TBS) für die Erwachsenenqualifizierung, die „Qualifizierungslehrgänge für mittlere Kader, Meistervorbereitungs-, Ingenieur- und Finanzökonomen-Vorbereitungslehrgänge [und] Lehrgänge für den Facharbeiternachweis, für Arbeitsnormer, für Schaltberechtigung über 1000 Volt, für Werkstoffprüfer, Gütekontrolleure, Punktschweißer, Polierer, Stanzer und andere“ (15 Jahre DBM, S. 49) durchführte. Allein 1957 nahmen aus dem Kombinat 180 Mitarbeiter an den Qualifizierungsmaßnahmen teil.
Parallel zur fachlichen Ausbildung postulierte die Regierung der DDR im Großen und die Betriebsleitung des VEB DBM im Kleinen noch ein anderes Ziel: „die grundlegende Umerziehung unserer Menschen“ (15 Jahre DBM, S. 26). Sie sollten „zu revolutionären Kämpfern des Marxismus-Leninismus“ herangebildet werden (15 Jahre DBM, S. 27). So mussten Parteilehrjahre besucht und die Beschlüsse von Parteitagen studiert werden. Man erwartete von den Arbeitern auch, dass sie sich „an zahllosen Kundgebungen gegen den Atomtod, für die Sicherung des Friedens, gegen die imperialistische Kolonialpolitik“ (15 Jahre DBM, S. 27) beteiligen.
Ein Höhepunkt des Jahres war die Demonstration am 1. Mai. Max Heeger schrieb dazu im „Betriebsspiegel“ 1958: „Eine geeinte Arbeiterklasse im Bündnis mit den werktätigen Bauern beherrscht jetzt das Straßenbild in machtvollen Demonstrationen. Die Umzüge sind vielseitig ausgestaltet und versinnbildlichen den Aufbau des Sozialismus. An der Spitze marschieren die Kampfgruppen mit den Fahnen der Republik und der Arbeiterklasse, überall ein buntes Bild durch Tanzgruppen, Sportler, Pioniere, Freie Deutsche Jugend und andere mehr. Es bedarf keiner polizeilichen Überwachung des Festzuges wie in früheren Jahren. Unsere Volkspolizei und Armee marschieren im Festzug mit." (15 Jahre DBM, S. 29) Über die Staatspartei SED, die Blockparteien, die Jugendorganisation und die Gewerkschaftsgremien erreichte man eine umfassende Durchdringung mit den ideologischen Leitlinien des sozialistischen Staates. Die verband man geschickt mit sozialpolitischen Intentionen. So forderte die Gewerkschaft für die Mitarbeiter des VEB DBM: „Verbesserung der Werksverpflegung, Versorgung der Werktätigen mit Kleidung, Schuhen und Kohle, Anwendung des Prinzips des Leistungslohnes, Ausbau des Arbeits- und Jugendschutzes, Festlegung der Arbeitszeit für die Jugendlichen, Verbesserung des Urlaubs und Ausbau der ärztlichen Betreuung“. (15 Jahre DBM, S. 30)
Besondere Förderung wurde der Jugend zuteil. Auf ihr ruhten viele Hoffnungen, sie hielt man noch für besonders gut formbar und umwarb sie auch mit vielfältigen Möglichkeiten der Aus- und Weiterbildung. Stolz verkündete man in der Broschüre zum 15. Betriebsjubiläum: „In unseren Betrieben stehen unserer Jugend alle Möglichkeiten der Entwicklung zum qualifizierten Facharbeiter, zum Meister, Techniker und Ingenieur offen. 1951 wurde im damaligen Betrieb Optik neben der schon vorhandenen Betriebsberufsschule Tewa eine weitere Berufsschule eröffnet, die für den Betrieb qualifizierte Facharbeiter heranbildete. Nach der Vereinigung beider Schulen im Werk I trat eine weitere Verbesserung der beruflichen Ausbildung dadurch ein, daß am 1. Januar 1957 Lehrwerkstatt und Berufsschule unter die einheitliche Leitung eines Direktors gestellt wurde.“ (15 Jahre DBM, S. 32) Auch wenn eine gewisse politische Absicht hinter der Förderung der Jugend lag, bleibt sie natürlich etwas Positives. Vielleicht ist auch das ein Grund, weshalb sich viele heute ganz gern an die DDR zurückerinnern.
Klar war den Regierenden auch, dass es in den Betrieben ohne die Frauen nicht geht. Man brauchte einerseits ihre Arbeitskraft, andererseits war die Gleichberechtigung der Frau ein altes Anliegen der Arbeiterbewegung, dem man sich verpflichtet fühlte. So war es in der DDR normal, dass Frauen in derselben Position genauso entlohnt wurden wie Männer. Dabei war dem Staat eines klar: „Der Einsatz unserer Frauen in unseren Betrieben neben ihren sonstigen Verpflichtungen als Hausfrau und Mutter konnte nur dann erfolgreich sein, wenn sie durch besondere soziale Maßnahmen von den letztgenannten Verpflichtungen zeitlich befreit wurden und dafür besondere Erleichterungen geschaffen wurden. Die Betreuung der Kinder erfolgt im Betriebskindergarten durch geschulte Kindergärtnerinnen, Konsum- und HO-Verkaufsstellen in den Betrieben und sanitäre Anlagen schaffen die Voraussetzung für die Mitarbeit unserer Frauen im Arbeitsprozeß.“ (15 Jahre DBM, S. 34 f.)
Auch um die Kinder der Werktätigen kümmerte man sich. Der Betrieb ermöglichte Ferienlager „in den schönsten Gegenden unserer Heimat“ (15 Jahre DBM, S. 38), es wurde jedes Jahr eine Kinderweihnachtsfeier organisiert und für alle schulpflichtigen Kinder ein Fest am Internationalen Kindertag. Die Zusammenarbeit mit den Schulen war wichtig. Jede Klasse hatte eine Patenbrigade, um die Verbundenheit zu den Werktätigen der Republik zu stärken. Auch wurden die Betriebe für die polytechnische Ausbildung der Jugendlichen verantwortlich gemacht.
Auch die sogenannte „kulturelle Massenarbeit“ (15 Jahre DBM, S. 35) spielte im Betrieb eine wichtige Rolle. Nach Einschätzung der Verantwortlichen entwickelte sich eine neue „Volkskultur“ und in der Tat waren die Möglichkeiten der kulturellen Teilhabe so vielfältig, dass man sich fragen kann, ob das wirklich alles Aufgaben eines Industriebetriebes sein können. So gab es im Betrieb eine Tanzgruppe, einen dramatischen Zirkel, einen Männerchor, einen gemischten Chor, eine Zithergruppe, einen Jugendchor, einen Fotozirkel, einen Schalmeienzug und ein Jugendtanzorchester. Die Mitarbeiter besuchten gemeinsam Vorstellungen des Kreistheaters Döbeln, die der Betrieb bezuschusste. Auch in der Leipziger Oper war man, „wo Hunderte […] Kolleginnen und Kollegen Tschaikowskis ‚Dornröschen‘ sahen“ (15 Jahre DBM, S. 37). Wer keine Lust auf Oper oder Schauspiel hatte, konnte sich kostenlos in einer eigens gegründeten Betriebsbibliothek Bücher ausleihen.
Natürlich gab es auch eine Betriebsorganisation der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft. Auch der letzte Arbeiter sollte erkennen: „Von der Sowjetunion lernen, heißt siegen lernen.“ Um sich der Begeisterung für die Sowjetunion anzuschließen, musste man eine beeindruckende geistige Beweglichkeit mitbringen. Immerhin hatte der ehemalige Kriegsgegner gleich zweimal den Betrieb demontiert und den Arbeitern jahrelang Entschädigungslieferungen aus der Produktion abverlangt, was dazu führte, dass die Versorgung der eigenen Bevölkerung nur sehr langsam gesteigert werden konnte. Vom Installieren des stalinistischen Zwangssystems in der DDR ganz zu schweigen. Die großartigen Erfolge beim Aufbau des Sozialismus habe man nur durch die großzügige und uneigennützige Hilfe und Unterstützung der großen Sowjetunion erreicht, schwadronierte die Propaganda, und viele der Werktätigen haben das sicher als puren Hohn empfunden. Aber letztlich fügten sich die meisten dem System. Gerade die zahlreichen kulturellen Aktivitäten erhöhten die Bindung an den Betrieb und damit auch an den Staat. Viele DDR-Bürger hatten in den 1960er-Jahren auch in Döbeln das Gefühl, dass es aufwärtsgeht. Sie bezogen eine neue Wohnung in der Arbeiterwohnungsgenossenschaft in Ost I, die Lebensmittelkarten wurden abgeschafft, Preise und Steuern wurden gesenkt und die Sozialleistungen verbesserten sich.
Für all das erwartet man allerdings Loyalität gegenüber der DDR und dem Sozialismus. Die konnte man z. B. zeigen, indem man sich bei den „Kampfgruppen der Arbeiterklasse“ engagierte. Durch diese paramilitärische Organisation von Beschäftigten in Betrieben der DDR sollte die „Diktatur des Proletariats“ auch militärisch manifestiert werden. Zu verschiedenen Anlässen marschierte auch eine Hundertschaft des VEB DBM durch die Döbelner Straßen.
Bei all diesen Aktivitäten fragt man sich, ob überhaupt noch Zeit für das Eigentliche – die Industrieproduktion – übrig war. Immerhin sollte der Betrieb ein großer Player unter den Zulieferbetrieben für den Fahrzeugbau der DDR werden und zum Beispiel Autobeschläge für die Automobilwerke Zwickau herstellen. Auch die Produktion von Kinderfahrzeugen im Werk 2 sollte ausgebaut werden, weil die sich gut ins Ausland verkaufen ließen. 1959 wurden 59.600 Dreiräder und 48.000 Roller hergestellt; luftbereifte Straßenroller gingen unter anderem in die Niederlande, die Tschechoslowakei, nach Österreich, Dänemark und Island. Insgesamt lieferte der VEB DBM in rund 40 Länder und erwirtschaftete damit dringend benötigte Devisen.
Doblina Dreiräder (re. Typ Rakete*) / Werbekarte luftbereiferter Doblina Kinderroller, um 1960
Kinderroller und Dreiräder waren allseits beliebt. Die schon bald im Werk 2 anlaufende Rüstungsproduktion war es eher nicht. Vieles erinnert plötzlich wieder an die Zeit, als man bei Grossfuss tausendfach das MG 42 herstellte. 1960 erhielt der VEB DBM den Auftrag zur „Speziellen Produktion“ für militärtechnische Zwecke, darunter Teile für das Sturmgewehr AK-47: ab 1960 Magazine für 31 Patronen aus Blech, später Laufaufnahmeteile mit Mantel und Gehäuse, ab 1980 Magazine aus Kunststoff sowie Bajonette mit Scheide und Nachtsichtvisieren. Zudem fertigte der Betrieb ab 1970 Hand- und Fußfesseln und ab 1980 Minensuch- und Entsorgungsgeräte.
Die Produktpalette wurde immer anspruchsvoller und damit stieg die Notwendigkeit, die Mitarbeiter der Firma zu motivieren. Die DDR führte ein umfangreiches Wettbewerbswesen ein. 1960 wurde die Jugendbrigade „Roter Oktober“ des VEB DBM mit dem Ehrentitel „Hervorragende Jugendbrigade“ ausgezeichnet, nachdem sie in Vorbereitung des 10. DDR-Jahrestages den Plan mit 105,2 Prozent erfüllt und einen ökonomischen Nutzen von 30.074 Mark erzielt hatte. Der VEB DBM ergriff auch selbst die Initiative und initiierte einen DDR-weiten Wettbewerb um das „Goldene Steckenpferd“. Dadurch sollten die ökonomischen Aufgaben des Jahres 1961 schneller gelöst werden. Immerhin 69 Brigaden und 31 Arbeitsgemeinschaften bemühten sich um den Titel „Brigade der sozialistischen Arbeit“ (ab 1962 „Kollektiv der sozialistischen Arbeit“). An der Urkunde und der Medaille aus Blech hatte man weniger Interesse. Dafür umso mehr an den 500 Mark Prämie. Das entsprach ungefähr der Höhe eines Monatseinkommens. Auszeichnungen errangen neben der Jugendbrigade „Roter Oktober“ die Brigaden „Ernst Thälmann“, „10. Jahrestag“ und „Bruno Leuschner“. Interessant ist auch, dass man sich bei staatlichen Auszeichnungen mit anderen Döbelner Betrieben verglich. So blickte man etwas neidvoll auf den VEB Landmaschinenbau „Rotes Banner“, der mit dem Orden „Banner der Arbeit“ ausgezeichnet worden war, und verwies darauf, dass diese Erfahrungen nun schnell schöpferisch auf das eigene Unternehmen angewandt werden müssten.
Die kleinen Aufmunterungen des Wettbewerbswesens der DDR waren hilfreich, aber sicher nicht der wesentliche Grund für die innovativen Produkte, die im VEB DBM entwickelt wurden. Viel eher sollte man davon ausgehen, dass Ingenieure und Arbeiter ein hohes Arbeitsethos hatten und das, was sie machten, gut machen wollten. 1962 präsentierte der Betrieb auf der Leipziger Frühjahrsmesse ein neues Pkw-Einheitsschloss und ein Jahr später entwickelte er gemeinsam mit wissenschaftlichen Instituten einen Pkw-Sicherheitsgurt.
Neue innovative Produkte verlangten nach gut ausgebildeten Arbeitern und Ingenieuren. Am 23. August 1964 schlossen 28 Schüler der ersten Klasse „Werkzeugmacher mit Abitur“ ihre Ausbildung in der Straße der Befreiung (heute Bahnhofstraße) erfolgreich ab. 1965 baute man das Hauptgebäude der ehemaligen Silberwarenfabrik Gebr. Köberlin in der Bahnhofstraße 43 zur Betriebsschule um.
v.li.n.re.: Theoretischer Fachunterricht in den Grundlagenfächern, Ausbildung an Werkzeugmaschinen im Ausbildungsberuf "Zerspanungsfacharbeiter", jährlich 800 bis 1000 Schülerinnen und Schüler der 7. bis 10. Klassen der POS erhalten ihren polytechnischen Unterricht in den modernen Lehrkabinetten oder an Ausbildungsplätzen in der Produktion *
Auch soziale Standards waren wichtig für die Motivation der Mitarbeiter. Hier hatte der VEB DBM einiges zu bieten. 1965 richtete der Betrieb in der Otto-Johnsen-Straße einen betriebseigenen Kindergarten ein und betrieb in der Schillerstraße einen Kinderhort. Den Mitarbeitern standen Urlaubsquartiere in der DDR (Glowe/Rügen, Schildau, Kallinchen) sowie im sozialistischen Ausland (CSSR, VR Polen, VR Ungarn) zur Verfügung. In Schildau unterhielt man zudem ein Kinderferienlager.
Im Juli 1968 entstand das VEB Kombinat Schlösser und Beschläge Döbeln; der VEB DBM war dessen Stammbetrieb. Zum Kombinat gehörten Zylinderschlösser Potsdam, Beschläge Luckenwalde, die Sächsische Schlossfabrik Pegau, Metallwaren Schmerbach, Baubeschlag Elsterwerda und die Schloss- und Metallwarenfabrik Brandenburg. 1970 kamen vier weitere Betriebe hinzu, sodass das Kombinat nahezu 5000 Mitarbeiter beschäftigte.
Diese Aufwertung Döbelns sollte sich auch in entsprechenden Gebäuden verdeutlichen, die man für eine Modernisierung und Erweiterung der Produktion brauchte. Am 23. Oktober 1972 erfolgte an der Ecke Belojannisstraße (heute Burgstraße) und Reichensteinstraße durch Kombinatsdirektor Willi Schirrschmidt der erste Spatenstich für ein neues Produktionsgebäude.
Dem Neuen sollte Altes Platz machen. Das Werk IV hatte zwar in den Jahren 1973 bis 1975 mit 3100 Jahrestonnen Grauguss beste Ergebnisse erbracht, sollte jedoch zu einer Aluminiumgießerei für die Fertigung des neuen Kupplungsgehäuses für Wartburg und Trabant umprofiliert werden. Die Mitarbeiter der Graugießerei wussten, was zu tun ist. Durch viele Eingaben an staatliche Plankommissionen, den Ministerrat und die Kombinatsleitung wurden die Pläne vereitelt.
Schon 1974 wird auf dem Areal an der äußeren Burgstraße Baufreiheit geschaffen. Der Neubau des Werks V läßt noch ein paar Jahre auf sich warten (Fotos 2 und 4*)
Am 1. Januar 1979 wurde der VEB DBM ein Betrieb des VEB IFA-Kombinat Personenkraftwagen Karl-Marx-Stadt. Das Unternehmen stellte fortan Fahrzeugschlösser, Fahrzeugbeschläge und Zünd-Anlass-Lenkschlösser für die gesamte PKW-Palette der DDR her und produzierte später auch die Doblina-Sicherheitsgurte (Statiksicherheitsgurte und Automatiksicherheitsgurte), die in den Pkws Trabant und Wartburg verbaut wurden. Diese neue Struktur war eine allgemeine Tendenz. Mit der Bildung großer Kombinate wollte die DDR die Voraussetzungen für eine schnelle und bedeutende Erhöhung der ökonomischen Effektivität schaffen. Leider ging dieser Plan nicht auf. Die Kombinate in der DDR scheiterten vor allem an den Strukturen der sozialistischen Planwirtschaft. Produktion und Investitionen wurden zentral vorgegeben und orientierten sich nicht an Angebot und Nachfrage, sondern an der Erfüllung von Planzielen. Dadurch fehlten Anreize für Effizienz, Qualität und Innovation. Die Kombinate waren zudem oft zu groß und schwerfällig, Entscheidungsprozesse dauerten lange und wirtschaftliche Probleme konnten kaum flexibel gelöst werden. Hinzu kamen politische Einflussnahme, mangelnde technische Modernisierung sowie Rohstoff- und Materialengpässe. Insgesamt erwies sich das System der Kombinate als langfristig wirtschaftlich nicht überlebensfähig.
Am 1. Oktober 1979, nach langer Bauzeit, wurde in Döbeln das neue Druckgussgebäude an der Belojannisstraße (heute Burgstraße) übergeben, das durch seine plastbeschichtete, verzinkte Stahlblechfassade auffiel und im Volksmund „Blaues Wunder“ genannt wurde. In diesem neuen Werk 5 des VEB DBM wurden unterschiedlichste Druckgusserzeugnisse aus Aluminium und Zink hergestellt. Am Eingang befand sich ein Wandrelief des Dresdner Bildhauers Michael Stephan.
(1) Das Druckgußgebäude mit der markanten blauen Fassade wird das Werk V des VEB DBM (Foto 1978). (2) Zuletzt ist die "Döbelner Süßwarenmanufaktur in dem Gebäude angesiedelt. Die Fassade wurde auf der Vorderseite grau gestrichen. (3) Aus DBM-Zeiten ist noch das Relief Michael Stephans erhalten. (4) An der Rückseite erkennt man noch heute, warum das Gebäude früher als "blaues Wunder" bezeichnet wurde. (Fotos 2-4: 2023)
Einblicke in die Produktion - (1) Neue Schmelzerei im Werk V, (2) Fertigungsmittelbau Koordinatenbohrwerk, (3) Neue Produktionsanlagen im Werk V, (4) Fertigung von Zünd-Anlaß-Lenkschlössern (Fotos KI-gestützt restauriert)*
In den 1980er Jahren wurde die Krise der DDR immer offensichtlicher. Der Widerspruch zwischen der Propaganda des Staates und der Realität war für alle sichtbar. Stolz verkündet man immer noch: „Mit übererfüllten Plänen und guten Ergebnissen des Betriebes im Gepäck, nahm die Genossin Jutta Sümmchen als Parteitagsdelegierte unserer Grundorganisation am X. Parteitag der SED teil, der vom 11. bis 16. April 1981 in Berlin stattfand.“ (30. Jahre DBM, S. 44) Gleichzeitig stellten viele DDR-Bürger, auch in Döbeln, einen Ausreiseantrag und kehrten dem Arbeiter- und Bauernstaat den Rücken. Der Fachkräftemangel wurde immer bedrückender. Auch aus diesem Grund starteten 1982 52 kubanische Arbeiter im VEB DBM und im VEB Stoßdämpferwerk Hartha mit ihrer Facharbeiterausbildung. Sie wohnten im Heim in der Straße der Befreiung (heute Bahnhofstraße) auf dem DBM-Gelände. Auch Gastarbeiter aus Vietnam erhielten im DBM eine Ausbildung und sicherten die Arbeitsfähigkeit des Betriebs. In der Öffentlichkeit verkaufte man diese Maßnahme als Zeichen einer funktionierenden „sozialistischen ökonomischen Integration und der bestehenden brüderlichen Zusammenarbeit“ (30. Jahre DBM, S. 47) zwischen der DDR, der Republik Kuba und der Sozialistischen Republik Vietnam. Auch die langjährigen Beziehungen zu den Partnerbetrieben „SLEVARNA“ Liberec und „ROSTEX“ Visko in der CSSR sowie Elektromontaz Nr. 2 Krakow in der Volksrepublik Polen sah man als wichtigen Beitrag zum „proletarischen Internationalismus“.
Delegation kubanischer Werktätiger vor ihrem Wohnheim*
Durch diese Unterstützung mit Fachkräften aus anderen Ländern konnte die Produktion stabilisiert werden. Am 1. März 1985 wurde im Werk 1 der einmillionste Pkw-Automatik-Sicherheitsgurt produziert. 1986 wurde die ehemalige Firma Zwanziger aus Radeberg als Fertigungsbereich 6 zugewiesen. Nunmehr arbeiteten über 2000 Mitarbeiter im VEB DBM. In der Broschüre zum 30. Betriebsjubiläum (1956–1986) preist man die enorme Leistungssteigerung des Betriebs: „Die Arbeitsproduktivität beträgt 1986 das 8,15-Fache zum Jahr 1956. Die Entwicklung zeigt beeindruckend, welcher Leistungsstand in den 30 Jahren erreicht wurde. 1956 produzierten wir an einem Tag Erzeugnisse im Wert von 61 000 M, im Jahr 1985 in Höhe von 674 200 M. Das Produktionsvolumen des Jahres 1956 konnten wir somit im Jahre 1985 in 23 Tagen realisieren. Betrachtet man die Arbeitsleistung eines einzelnen Produktionsarbeiters, so ergibt sich, daß nur 31 Tage erforderlich sind, wofür 1956 ein ganzes Jahr benötigt wurde.“ (30 Jahre DBM, S. 9)
In der Festschrift zum 30. Geburtstag des VEB DBM verweist man auch stolz auf die vielen sozialpolitischen Maßnahmen, die man exklusiv im Betrieb für seine Mitarbeiter organisiert. Es existierten Volkssportmannschaften im Fußball, die sich im Punktspielbetrieb bewährten. Die betriebseigene Kegelbahn würde monatlich von über 60 Kollektiven genutzt. Zwei Frauensportgruppen und die allgemeine Sportgruppe der FDJ führten ihren Übungsbetrieb durch, eine aktive Volleyballmannschaft hätte sich gerade gebildet. Die seit Jahren angebotene wöchentliche Schwimmstunde im Stadtbad würde genutzt. Die Popgymnastik und die Lauftreffs erfreuten sich allgemeiner Beliebtheit. Auch kulturell war einiges los. Es gab ein DOBLINA-Blasorchester, die Tanzgruppe der FDJ sowie die Singegruppe und das Kulturensemble der Betriebsschule „Friedrich Engels". Auch Hobby-Ausstellungen, Exkursionen, Besuche von Theater- und Filmveranstaltungen sowie Ausstellungen über Malerei und Grafik standen auf dem Programm.
v.li.n.re.: Auftritte der Singegruppe zum kulturellen Leistungsvergleich im Kreis Döbeln, Schriftsteller Helmut Richter im Gespräch mit den Mitarbeitern des Fertigungsbereichs V*
Die anfangs bescheidenen betrieblichen Urlaubszentren hatte man immer mehr ausgebaut. Viele Betriebsangehörige konnten hier mit ihren Familien Urlaub machen. Das DBM unterhielt seit 1971 in Kallinchen am Motzensee im Kreis Zossen 14 Bungalows (jährlich 140 Belegungen), in Glowe auf der Insel Rügen sechs Wohnwagen (jährlich 54 Belegungen) und seit 1980 in der Gneisenaustadt Schildau am Neumühlenteich fünf Bungalows (jährlich 50 Belegungen).
Für all diese sozialen Maßnahmen setzte der Betrieb mittlerweile erhebliche finanzielle Mittel ein. Für die Mitarbeiter war das sicher schön. Konnte es sich der Betrieb leisten? Sicher nicht. Viel zu viele Beschäftigte kümmerten sich nicht um eine wettbewerbsfähige Produktion, sondern um die sozialen Belange der Mitarbeiter. Wie lange konnte das noch gutgehen? Wie wir heute wissen: nicht mehr lange. Die Friedliche Revolution 1989 und die Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten leiteten den Niedergang des VEB DBM ein. Der Betrieb war nicht zu retten, hatte viel zu lange von der Substanz und auch über seine Verhältnisse gelebt.
Döbelner Beschläge- und Metallwerke GmbH
Aus dem Betrieb wurde wieder eine Firma, die unter dem Namen „Döbelner Beschläge- und Metallwerke GmbH“ auf dem gesamtdeutschen Markt Fuß zu fassen versuchte. Der Versuch scheiterte jedoch. Die Treuhand ordnete den Betrieb der Kategorie 6 zu. Das bedeutete die Liquidation. Die Gründe waren vielfältig: Die Automobilindustrie war weitgehend im Westen angesiedelt und verfügte dort über zahlreiche eigene Zulieferbetriebe. Der DBM litt unter gravierenden Produktivitätsproblemen und beschäftigte laut Treuhand fünfmal so viele Mitarbeiter wie notwendig. Die Produktionsflächen waren überdimensioniert, die Maschinen veraltet. Zwar besaß der militärtechnische Bereich die beste Substanz, doch legten die Zwei-plus-Vier-Verträge fest, dass es im Osten keine Rüstungsindustrie geben dürfe. Zusätzlich belasteten Schulden, ökologische Altlasten und Rückforderungsansprüche den Betrieb.
Werbe- und Informationstafeln aus der Nachwendezeit © Stadtmuseum Döbeln, Fotograf: Harry Heidl
Am 29. Juni 1990 wurde allen 130 vietnamesischen Arbeitern gekündigt; die kubanischen Arbeiter waren bereits zurückgekehrt. Am 18. Januar 1991 hatte die DBM GmbH noch 1700 Beschäftigte, von denen 800 in vollständige Kurzarbeit mussten. Die Einstellung der Wartburg-Produktion in Eisenach am 30. Juni 1991 führte zu weiterem Personalabbau. Von ursprünglich 2300 Mitarbeitern blieben nur 700 in Beschäftigung; im Laufe des Jahres wurde die Produktion vollständig eingestellt.
1992 zerfiel der Großbetrieb in die Firmen SAQ-Zweigstelle, Bau Tec, Hülsbeck & Fürst, Autoliv GmbH und Lunke & Sohn. Am 14. Dezember 1992 beschloss der Stadtrat die Aufstellung eines Bebauungsplans für das DBM-Gelände in der Schillerstraße, dessen Umsetzung sich mangels städtischen Eigentums jedoch schwierig gestaltete.
1995 wurde auf dem ehemaligen DBM-Gelände, Werk 1, ein 30 Meter hoher Schornstein gesprengt. Am 16./17. Dezember 1995 löste man den DBM-Nachfolger SKM Doblina auf; die letzten 60 Mitarbeiter wurden arbeitslos. 1996 folgte die Sprengung des 42 Meter hohen Schornsteins des Werks 3; einen Monat später wurden sämtliche Gebäude abgerissen. 2002 wurden weitere ehemalige DBM-Gebäude an der Grimmaischen Straße und der Schlachthofstraße abgetragen. 2004 fiel die Tümmlersche Villa in der Schillerstraße, die in der DDR als Kindergarten gedient hatte, dem Abriss zum Opfer. 2005 erwarb die Kauflandstiftung & Co. KG das Gelände. Zwischen 2007 und 2008 wurden verbliebene DBM-Bauten des Werks 1 abgerissen und ab Februar 2008 eine Kaufland-Filiale errichtet, die am 26. November 2008 eingeweiht wurde. Zur Erinnerung an die frühere Industriestätte gestaltete man einen kleinen Erinnerungsplatz mit Relikten aus der alten Tümmler-Fabrik. Die Fußgängerbrücke zur Innenstadt wurde zum Robert-Tümmler-Steg.
Abriss Werk III des ehemaligen VEB DBM in der Burgstraße (Fotos: D. Bleicher, 23.08.1996)
Abriss Werk II in der Grimmaischen Straße (Fotos: Dieter Löbeth, Dezember 2002)
Abriss Werk I in der Schillerstraße (Fotos: Matthias Müller, 2008)
Autoliv Sicherheitstechnik GmbH Döbeln
Ein Bereich des ehemaligen VEB DBM hielt sich noch eine Weile. Am 1. Juli 1991 übernahm der schwedische Konzern Autoliv an der Eichbergstraße 10–13 das Gebäude der früheren Plastspritzerei des DBM unter dem Namen Autoliv Sicherheitstechnik GmbH Döbeln. 27 Mitarbeiter produzierten zunächst Sicherheitsgurte für den Golf III. 1993 wurde der Standort erweitert, indem die frühere DBM-Immobilie der Wareneingangskontrolle und des Rationalisierungsmittelbaus als Gebäude 2 übernommen wurde. 1995 begann die Fertigung von Höhenverstellern und Schlössern.
1996 und 1998 folgten weitere Erweiterungen: 1996 kam die Härterei des früheren VEB DBM als Gebäude 3 hinzu, 1998 der ehemalige Teilbereich Spritzdruckguss als Gebäude 4. Im selben Jahr startete die Herstellung pyrotechnischer Schlossstraffer. Bereits 1998/99 lagerte das Unternehmen besonders arbeitsintensive Tätigkeiten wie das Nähen der Gurte nach Osteuropa aus. In Rumänien (Brașov) arbeiteten 120, in Polen (Jelcz-Laskowice) 110 Mitarbeiter. In Döbeln waren 1999 noch 196 Personen beschäftigt, die Sicherheitsgurte, Höhenversteller und Schlossstraffer für die Automobilindustrie fertigten.
2002 erfolgte eine erneute Erweiterung durch die Übernahme eines weiteren Bereichs der Spritzdruckgussabteilung des früheren DBM als Gebäude 5. Zu dieser Zeit beschäftigte Autoliv 495 Mitarbeiter, erzielte 124 Millionen Euro Umsatz und produzierte täglich 20.000 Gurte, 51.000 Höhenversteller sowie 30.000 Schlösser und pyrotechnische Gurtstraffer. Autoliv war damit der größte Arbeitgeber der Stadt.
2003 wurde der Turmkuppelbau an der Ecke Grimmaische Straße/Eichbergstraße saniert – das letzte erhaltene Gebäude der ehemaligen Grossfuss-Werke, später Werk 2 des VEB DBM. Die Immobilie samt 6000 Quadratmetern Fläche ging von der Stadt in den Besitz Autolivs über, das dort ein Schulungszentrum (Gebäude 6) einrichtete. Am 1. März 2004 wurde eine neue Laborhalle zur Prüfung von Gurten, Höhenverstellern und Gurtstraffersystemen eingeweiht.
2013 kündigte der schwedische Konzern schließlich an, den Standort Döbeln bis 2014 zu schließen und die Produktion nach Rumänien zu verlagern – was im Folgejahr umgesetzt wurde. Damit schloss in Döbeln der letzte Betrieb, der sich noch in der Tradition der alten DBM-Produktion sah. Vom stolzen DDR-Kombinat und von den bedeutenden Vorläufern Tümmler, Grossfuss, H. W. Schmidt und Julius Müller existiert nur noch die Erinnerung. Es ist sicher nicht übertrieben, wenn man konstatiert, dass mit dem Zusammenbruch dieser langen Tradition der metallverarbeitenden Industrie in Döbeln das industrielle Rückgrat der Stadt brach. Die Muldestadt hat sich von diesem Schlag bis zum heutigen Tag nicht erholt. Mit ihm einher ging ein gravierender Verlust an Bedeutung, Döbeln ist seitdem keine Industriestadt mehr.
© Michael Höhme, "Traditions- und Förderverein Lessing-Gymnasium Döbeln" e.V.
Quellen:
VEB DBM (Hg.): 30 Jahre DBM. Döbeln 1986
Materialsammlung Karlheinz Enzmann (nicht veröffentlicht)
Hoyer, Jens: Wie Herr Scheunert ein Stück DBM rettete. In: Sächsische Zeitung 03.07.2015
Bildnachweis:
Foto Druckgußgebäude 1978 – Stadtarchiv Döbeln
Alle Abbildungen/Fotos ohne Vermerk stammen aus der „Sammlung Döbeln“ von Michael Höhme.
* KI-gestützt restauriert
Die Zeichnungen der drei Werke wurden auf der Grundlage von Fotos KI-generiert.
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