Schokoladenfabrik Clemen & Sohn
Eine unglaubliche Geschichte vorab
Im Jahr 1747 begab sich Johann Gottfried Clemen, der zweite Sohn des Döbelner Tuchmachermeisters Johann Gottlieb Clemen, auf die traditionelle Wanderschaft. Wie seine Brüder hatte er das väterliche Handwerk erlernt und wollte nun außerhalb der Heimat neue Erfahrungen sammeln. Über Freiberg, Chemnitz und Zwickau gelangte er nach Erfurt. In Hildesheim ließ er sich von holländischen Werbern rekrutieren und trat als Soldat in die Dienste der Republik der Vereinigten Niederlande. In der Armee machte er rasch Karriere und erreichte den Rang eines Hauptmanns.
Im Jahr 1750 nahm er an einer militärischen Strafexpedition gegen die einheimische Bevölkerung in Surinam teil, das zur holländischen Kolonie Guyana gehörte. Dort lernte er den wohlhabenden deutschen Großgrundbesitzer Johannes Meys kennen, der ihn aus dem Militärdienst herauskaufte und zum Aufseher seiner Plantagen machte. Von 1756 bis 1763 wirkte Clemen als Direktor der Plantagen und lernte in dieser Zeit die verwitwete Plantagenbesitzerin Anna Juliën kennen, die er 1763 heiratete.
|
|
Die Ölgemälde von Johann Gottfried Clemen (1728-1785) und Anna Juliën Clemen (1705-1779) werden um 1771 vom Meißner Porzellan-, Miniatur- und Porträtmaler Christian Lindner während des Aufenthalts von Johann Gottfried Clemen in Döbeln gemalt. Das Bild von Anna Juliën Clemen, die nicht mit nach Döbeln gereist war, wird nach einem Medaillon mit einem Miniatur-Bildnis gemalt, das sie als junge Frau zeigt. (Quelle: Geische, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons)
Aus dem bettelarmen Döbelner Tuchmachergesellen war ein wohlhabender Plantagen- und Sklavenbesitzer geworden. Zwei neu erworbene Plantagen benannte er „Sachsen“ und „Clemenburg“, der Kauf einer dritten, die den Namen „Döbeln“ tragen sollte, war geplant. Trotz seines Erfolges hatte Johann Gottfried Clemen seine Heimat nie vergessen. Regelmäßig sandte er Briefe und Geld nach Sachsen. Schließlich wurde seine Sehnsucht so groß, dass er sich am 10. Mai 1771 in Paramaribo mit reichlich Proviant und kostbaren Geschenken einschiffte. Sechsundzwanzig Jahre nach seinem Aufbruch aus Döbeln kehrte er am 4. September 1771 mit einer Extrapost, begleitet von zwei Dienern, in die Muldestadt zurück. Die Diener erregten großes Aufsehen, da viele Döbelner noch nie Menschen mit dunkler Hautfarbe gesehen hatten.
Clemen wurde von seiner Familie herzlich empfangen, zumal er Vater und Brüder über Jahre hinweg großzügig unterstützt hatte. Dadurch war es der Familie möglich geworden, das Haus „Am Kornmarkt 5“ (heute Obermarkt), gegenüber dem Rathaus, zu erwerben. Dort wohnte der reiche Sohn und Bruder während seines Aufenthalts in Döbeln. Nach zweimonatiger Überfahrt kehrte Johann Gottfried Clemen am 10. August 1772 nach Paramaribo zurück, wo er 1785 im Alter von nur 57 Jahren verstarb.
Nach seiner Abreise gab einer seiner Brüder, Christian Gottlieb Clemen, das Tuchmacherhandwerk auf und eröffnete am 22. Juni 1781 im Haus Am Kornmarkt 5 einen Kramerladen. Aus der Tuchmacherfamilie wurde eine Kaufmannsfamilie. In dankbarer Erinnerung an den Besuch seines reichen Bruders ließ Christian Gottlieb Clemen zwei „Mohren“ an die Fassade des Hauses malen.
Quelle Foto Grabplatte: Geische, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Möchten Sie mehr über das abenteuerliche Leben des Johann Gottfried Clemen erfahren? Dann lesen Sie den in der Überschrift genannten Artikel von Ralph Gundram (Veröffentlicht in: Neues Archiv für sächsische Geschichte, Bd. 87 (2016), ab S. 235).
Online verfügbar ist der Artikel unter https://www.wikiwand.com/de/Johann_Gottfried_Clemen
Von der Kolonialwarenhandlung zur Schokoladenmanufaktur
Am 22. Oktober 1784 wurde Christian Gottlieb Clemen in die Döbelner Kramerinnung aufgenommen und erhielt die Berechtigung zum Handel mit Kolonialwaren. Am selben Tag eröffnete er die „Clemen’sche Kolonialwarenhandlung“. Einen Monat später erwarb sein Sohn August Friedrich Clemen das Haus Obermarkt Nr. 9, genau gegenüber dem väterlichen Geschäft.
Im Jahr 1823 trat dessen Sohn Carl Friedrich Clemen als Teilhaber in die Firma ein. Das Unternehmen firmierte nun als „Clemen & Sohn“ und stellte im Manufakturbetrieb Lacke (essbare Überzugsmittel), Firnis (natürliches Mittel z.B. aus Leinöl zur Pflege und zum Schutz von Holzoberflächen, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen) und Schokolade her. 1880 ließ Carl Friedrich Clemen die sogenannten Mohrenbildnisse vom Haus auf Werbeblechtafeln übertragen, um sie dauerhaft zu erhalten. Diese Tafeln wurden später lange Zeit im Döbelner Altertumsmuseum aufbewahrt, das Motiv entwickelte sich zur Schutzmarke der Firma. Auch ein Porträt Johann Gottfried Clemens, das während dessen Besuchs in Döbeln entstanden war, gelangte ins Museum.
(1) Am Obermarkt liegen die Ursprünge der Firma Clemen & Sohn. August Friedrich Clemen kauft 1784 das Haus am Obermarkt Nr. 9.
(2) Ansicht des Clemen-Hauses im Jahr 2015. Noch heute kann man den Namenszug am Giebel des Hauses lesen.
Als Carl Friedrich Clemen 1880 verstarb, trat sein ältester Sohn August Julius Clemen die Nachfolge an. Der konzentrierte sich auf das Geschäft an der Einmündung der Königstraße, das noch heute als Clemenhaus bekannt ist. Das Haus auf der gegenüberliegenden Seite des Obermarktes verkaufte man. Im Jahr 1890 erwarb es der Bäckermeister C. Wolf und nannte sein Geschäft „Mohrenbäckerei“. So blieb die Erinnerung an den denkwürdigen Besuch Johann Gottfried Clemens samt seiner schwarzen Diener in Döbeln lebendig.
Der neue Chef der Firma „Clemen & Sohn“, August Julius Clemen, betrieb weiter emsig das Ladengeschäft, in dem er Kolonialwaren verkaufte. Verstärkt widmete er sich aber auch der Herstellung von Schokolade. Von seinem Vater hatte er Rezepte geerbt, die bis ins Jahr 1825 zurückreichten. Im Manufakturbetrieb stellt er im Hinterhof unter dem Namen „Solid“ Schokolade her.
Die Rohkakaobohnen gelangten über Amsterdam aus Afrika, Süd- und Mittelamerika sowie aus Surinam nach Döbeln. Sie wurden sorgfältig verlesen, geröstet, entschält und in eisernen Mörsern von Hand gemahlen. Die fettreiche Masse erwärmte man in Kupferkesseln und vermischte sie mit Rohzucker. Ein wichtiger Schritt war das sogenannte Conchieren, bei dem die Masse über Stunden hinweg gerührt und erwärmt wurde, um Geschmack und Konsistenz zu verfeinern. Zum Schluss wurde die fertige Schokoladenmasse in Formen gegossen, von Hand geglättet und zum Abkühlen gelagert. Beim Abfüllen der warmen Masse war Eile geboten, weshalb die gesamte Familie mithalf. Die zähflüssige Schokolade wurde in 150-Gramm-Portionen in mit einem Anker verzierten Zinnformen gegossen, die von Hand weitergereicht und immer wieder auf den Tisch geschlagen wurden, um eine gleichmäßige, bläschenfreie Masse zu erhalten. Zum Abkühlen brachte man die Formen in den Keller.
August Julius Clemen, Ehrenbürger der Stadt Döbeln, starb am 29. Mai 1902. Er hatte 32 Jahre als Stadtverordneter und Kirchenvorsteher gewirkt. Die Leitung der Firma übernahm sein Sohn Carl August Clemen. War es das Verdienst seines Vaters, dass er erkannte, dass Schokolade sich zu einem wichtigen Genussmittel entwickeln würde, sah sein Sohn voraus, dass Schokolade nicht mehr das besondere Extra für Gutbetuchte sein wird, sondern dass es ein Massenprodukt für jedermann werden würde. Diese Entwicklung wurde durch eine Kombination aus technologischem Fortschritt, industrieller Massenproduktion und neuen Rezepturen ermöglicht. Gleichzeitig verbesserten sich der weltweite Handel und die Versorgung mit Kakao und Zucker, sodass Schokolade für immer mehr Menschen erschwinglich wurde. Darüber hinaus veränderten sich die Lebensgewohnheiten der Menschen. Mit der Urbanisierung und dem Entstehen einer arbeitenden Mittelschicht stieg die Nachfrage nach schnell verfügbaren, energiereichen Nahrungsmitteln. Schokolade erfüllte diese Anforderungen und wurde zudem durch geschickte Werbung als genussvolles und zugleich kräftigendes Lebensmittel vermarktet.
Aufgrund des stetig wachsenden Absatzes entschied Carl August Clemen, die Schokoladenherstellung zu mechanisieren. Im September 1908 begann mit 14 Arbeitern die fabrikmäßige Produktion von Kakao und Schokolade, wofür sämtliche Räume der Häuser Obermarkt 9 und Königstraße 1 genutzt wurden. Das Geschäft entwickelte sich äußerst erfolgreich.
Da der Platz im Stadtzentrum bald nicht mehr ausreichte, verlegte man die Schokoladenfabrik an den Stadtrand. Auf dem Burgstadel an der Reichensteinstraße entstand 1911 eine neue Produktionsstätte. Zahlreiche Arbeiten wurden an Döbelner Firmen vergeben, darunter die Elektroinstallationen, die Zentralheizung und die Transmissionstechnik. Die Fabrik wurde mit modernsten Maschinen ausgestattet. Konsequent setzte man auf technische Innovation. Effiziente Walzwerke ermöglichten eine schnellere und feinere Zerkleinerung der Kakaobohne. Eingebaut wurde eine hydraulische Kakaopresse, die es ermöglichte, den Fettgehalt (Kakaobutter) des Kakaos zu reduzieren. Dies führte zu feinerem Kakaopulver, das leichter zu verarbeiten und kostengünstiger war. Auch moderne Conchier-Maschinen gehörten zur Ausstattung. Sie konnten die Schokolade über Stunden rühren und walzen. Dies machte die Schokolade zartschmelzend, glatt und verhinderte das körnige Mundgefühl früherer Schokoladensorten. Die Erfindung der Milchschokolade 1875 durch Daniel Peter Henri Nestlé in der Schweiz führte dazu, dass durch die Mischung von Kakaomasse mit Milchpulver eine süßere, mildere Variante von Schokolade entstand, die den Massengeschmack besser traf als dunkle Schokolade.
Alle technischen Innovationen wären natürlich nichts ohne engagierte Mitarbeiter und geschäftstüchtige Vertreter. Sie sorgten bei der Döbelner Schokoladenfabrik von Anfang an für gute Umsätze. 1914 beschäftigte das Unternehmen 32 Arbeiterinnen und Arbeiter.
Der Erste Weltkrieg hatte gravierende Auswirkungen auf die Firma, da die notwendigen Rohstoffe nicht mehr importiert werden konnten. Die Produktion kam nahezu zum Erliegen, und die Söhne des Inhabers, Julius Eduard und Carl Friedrich Clemen, wurden zum Kriegsdienst eingezogen. Am 26. Februar 1918 besuchte König Friedrich August die Fabrik, um Mut zu machen und Wertschätzung auszudrücken. 1919 verlieh die Stadt Döbeln Carl August Clemen die Ehrenbürgerwürde.
Nach der Rückkehr der Söhne aus dem Krieg übergab Carl August Clemen das Unternehmen an Julius Eduard und Carl Friedrich Clemen. Ab 1919 normalisierten sich die Verhältnisse allmählich. Erste Importe von Kakaobohnen und Rohrzucker über Holland wurden wieder möglich. Im August traf nach jahrelanger Unterbrechung die erste Rohkakaolieferung am Döbelner Hauptbahnhof ein, weitere folgten rasch. Die Produktion wurde schrittweise hochgefahren, und die heimgekehrten Mitarbeiter wieder eingestellt.
Vorderansicht und Rückansicht einer Schokoladenverpackung der Firma (Fotos Archiv Stadt Döbeln). Mit dem Porträt Johann Gottfried Clemens, teilweise auch im Verbund mit einer Darstellung der beiden Diener aus Surinam, mit denen er Döbeln besuchte, machte die Firma Werbung.
In den Jahren 1922 und 1923 entstand nach Entwürfen des Architekten Werner Retzlaff auf dem Betriebsgelände an der Reichensteinstraße ein monumentaler Fabrikneubau, der mit seinen hohen, dekorativen Giebeln die Umgebung dominierte. Die qualitativ hochwertige Milch- und Sahneschokolade entwickelte sich zum Verkaufsschlager. Täglich lieferten umliegende Güter frische Milch. In den 1920er Jahren wurde Schokolade zunehmend zum Genussmittel für breite Bevölkerungsschichten, was den Absatz weiter steigerte. Zusätzlich stellte man hochwertige Speiseschokolade und feine Desserts her.
1925 führte das Unternehmen die neue Firmenbezeichnung „Deutsche Schokoladen-, Kakao- u. Nährmittelfabrik Clemen & Sohn“ ein. Zu diesem Zeitpunkt beschäftigte man etwa 240 Mitarbeiter. Aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten musste das Unternehmen jedoch 1934 Konkurs anmelden. Carl August Clemen lebte als letztes Mitglied der Familie bis zu seinem Tod am 10. Oktober 1947 in Döbeln.
Falken Kakao- und Schokoladenwerke
Im Jahr 1935 erwarb Fritz Pflug aus Falkenstein im Vogtland bei einer Zwangsversteigerung die Fabrik für 162.000 Reichsmark. Unter dem Namen „Falken Kakao- und Schokoladenwerke“ produzierte er in Döbeln Tafelschokolade, Pralinen, Trinkkakao, Konfekt, Riegel, Stangen, Geleeartikel und Bonbons. Einen Teil seiner Arbeitskräfte brachte er aus dem Vogtland mit. Die Firma „Falken“ war bereits 1921 gegründet worden und hatte ihre Produkte vor allem in Schlesien und Ostpreußen abgesetzt.
Pflug etablierte sich in Döbeln als sozial engagierter Arbeitgeber. Er ließ Wasch- und Duschräume sowie einen Frauenruheraum einrichten, gründete Laienspiel- und Sportgruppen und gestaltete das Fabrikgelände mit Grünflächen, Blumenrabatten und Sitzbänken. Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges beschäftigte das Unternehmen rund 400 Mitarbeiter.
Kriegsbedingt kam es zu erheblichen Rohstoffengpässen, weshalb man sich zunehmend auf die Herstellung von Zuckerwaren, insbesondere Komprimaten verlegte. Das sind feste Zuckerwaren, die durch Pressen von pulverförmigen Zutaten in kleine, formstabile Stücke hergestellt werden. Die Fabrikgebäude überstanden den Krieg unbeschadet, jedoch erschwerten Demontagen und Plünderungen im Mai 1945 den Neustart erheblich. Am 19. September 1947 stimmten die Mitarbeiter in einer Wahl mehrheitlich gegen die Enteignung des Inhabers, dennoch wurde diese durchgeführt. Der Betrieb firmierte fortan als VEB Süßwarenfabrik Falken. 1948 produzierte man täglich 12.000 Kilogramm Kunsthonig und 15.000 Kilogramm Kaffeeersatz.
Die Fotos zeigen einen Messestand und den Arbeitsalltag im VEB Süßwarenfabrik Falken (Ende der 1940er/Anfang 1950er Jahre).
Puddingpulver, Eukalyptus-Bonbons und Feine Desserts gehörten nach dem Krieg zu den ersten süßen Spezialitäten, die die Falkenwerke wieder herstellten (Stadtmuseum Döbeln).
Immer mehr wurde der Betrieb auch ideologisch vereinnahmt. So gründet man zum Beispiel Betriebsgruppen der FDJ. Die neuen Machthaber lassen keinen Zweifel daran, dass das Unternehmen volkseigen bleiben soll. Unternehmer Pflug wird angefeindet.
Fritz Pflug geht in den Westen – aus „Falken“ wird „Falkenpflug“
Fritz Pflug nahm zunächst eine kaufmännische Tätigkeit im Großhandel an. Als am 11. Januar 1949 auch sein Privatbesitz beschlagnahmt wurde, verließ er die DDR und ging in den Westen. Den Firmennamen „Falken“ konnte er dort nicht weiterführen, da er bereits geschützt war. Er benannte sein Unternehmen daher „Falkenpflug“, ein Kompositum aus seinem Namen und seiner vogtländischen Heimat.
1950 gründete er gemeinsam mit dem Inhaber einer befreundeten Firma in Bruchsal ein neues Unternehmen, das sich auf die Herstellung kleiner, massiver Schokoladenstücke wie Napolitains, Rondellen, Täfelchen, Katzenzungen und Mokkabohnen spezialisierte. „Falkenpflug“ gehörte zu den ersten Herstellern zuckerfreier Schokolade und Kuvertüre. Um die Produktion auszuweiten, zog das Unternehmen 1953 nach Karlsruhe-Durlach um. Nach dem Tod Fritz Pflugs führten seine Nichte und sein Großneffe den Betrieb weiter. 1963 übernahmen sie die Anteile der Dresdner Firma Rüger und gründeten die „Farüchoc“ Schokoladenfabrik. 1998 wurde das Unternehmen verkauft; die Farüchoc Schokoladenfabrik GmbH & Co. KG hat heute ihren Sitz in Osnabrück und ist für Private-Label-Schokoladenproduktionen bekannt.
VEB (K) Süßwarenfabrik Frumi
Am 20. Dezember 1953 wurde der VEB Süßwarenfabrik Falken in den VEB (K) Süßwarenfabrik Frumi, kurz für Fruchtmilch, umgewandelt. Produziert wurden Vitaladetafeln mit und ohne Gebäck. Bereits 1955 verließen täglich 2.500 Geschenkpackungen mit Pralinen das Werk, außerdem stellte man Tannenzapfen, Schokoladenherzen und Schokoladennüsse her. 1957 präsentierte das Unternehmen auf der Leipziger Messe Stielbonbons, Zuckerstangen sowie eine mit Bonbons gefüllte „Wiener Hutschachtel“.
Schachteln für Vollmilch-Ecken und Kakao-Nuss-Bonbon der Firma Frumi (1950er-Jahre)
Die Fotos zeigen einen Messestand, die Teilnahme an einer Demonstration zum 01. Mai und den Arbeitsalltag im VEB Süßwarenfabrik Frumi (Mitte/Ende der 1950er Jahre). Quelle: Sammlung Sven Ettrich
Am 31. Dezember 1962 wurde die Süßwarenproduktion eingestellt, und der VEB Elektromotorenwerk Hartha übernahm die Fabrik als Werk IV. ELMO Hartha fertigte Kleinmotoren, unter anderem für Plattenspieler, Tonband- und Kassettengeräte. Das Unternehmen hatte bis 1200 Mitarbeiter. Nach der Wiedervereinigung ging der Betrieb in die Zwangsvollstreckung. Während es in Hartha bald wieder bergauf ging und die Pierburg GmbH das Werk in Hartha übernahm, blieb die Döbelner Niederlassung ungenutzt und verfiel. Niemand hatte Interesse an der ehemaligen Schokoladenfabrik.
Am 6. November 2003 titelte der Döbelner Anzeiger „Wieder ein Denkmal weg“. Trotz intensiver Bemühungen des Denkmalschützers Jörg Liebig wurde der monumentale Industriebau schließlich abgerissen, da er einer Gewerbeansiedlung im Wege stand.
© Michael Höhme, "Traditions- und Förderverein Lessing-Gymnasium Döbeln" e.V.
Quellen:
Pressausschuss für das Heimatfest (Hg.): Aus der Heimat. Festschrift zum Heimatfest. Döbeln 20.-22. Juni 1914, S. 95
Stockmann, Gottfried: Die Stadt Döbeln als Standort der Industrie. Borna Leipzig 1928, S. 116ff.
Materialsammlung Karlheinz Enzmann (nicht veröffentlicht)
Gundram, Ralph: Sächsische Kolonialherren in Übersee? Eine Spurensuche am Beispiel des Johann Gottfried Clemen aus Döbeln. In: Neues Archiv für sächsische Geschichte, Bd. 87, Dresden 2016. S. 235ff. – auch unter: URL: https://www.wikiwand.com/de/Johann_Gottfried_Clemen (23.12.2022)
Bildnachweis:
Grabplatte Johann Gottfried Clemens - Geische, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Porträt Carl August Clemen - Festausgabe des Döbelner Anzeigers und Tageblatt zur Grundsteinlegung des neuen Rathauses 30.05.1910
Werbeanzeige 1914 - Pressausschuss für das Heimatfest (Hg.): Aus der Heimat. Festschrift zum Heimatfest. Döbeln 20.-22. Juni 1914
Besuch des Königs – Sammlung Ettrich URL: www.döbeln.de (05.06.2022)
Alle Abbildungen/Fotos ohne Vermerk stammen aus der „Sammlung Döbeln“ von Michael Höhme.
* KI-gestützt restauriert
Grafische Darstellung Schokoladenherstellung KI-generiert
-
Döbeln und seine Traditionsbetriebe
-
Döbeln und seine Industriegeschichte
-
Döbeln und seine Industriepioniere









