Döbelner Brauereien
Ein Blick in die Geschichte der Döbelner Brauereien zeigt, dass Bier in der Stadt seit Jahrhunderten eine bedeutende Rolle spielte. Bereits aus dem Jahr 1482 ist eine Urkunde überliefert, in der die Kurfürsten Ernst und Albrecht, Herzöge in Sachsen, festlegten, dass innerhalb der Stadt Döbeln und in einem Umkreis von einer Meile ausschließlich Bier der örtlichen Braukommun ausgeschenkt werden durfte. Eine Braukommun – auch Braukommune genannt – war eine besondere Form eines Brauereibetriebs, an dem die Hauseigentümer einer Stadt gemeinschaftlich beteiligt waren.
Im Jahr 1730 soll es in Döbeln insgesamt 17 kleine Brauereien gegeben haben. Bier gehörte damit zu den wichtigsten Volksgetränken der Region. Allerdings wurde der kurfürstliche Erlass immer wieder gebrochen. Besonders während der Wirren des Siebenjährigen Krieges und später während der Befreiungskriege verschlechterte sich die Lage der Döbelner Brauereien erheblich. Fremdes Bier wurde innerhalb der Bannmeile verkauft, und in zahlreichen umliegenden Dörfern braute man illegal.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts gaben schließlich drei traditionelle Döbelner Brauhäuser – Tübels Haus am Obermarkt, Haupts Haus in der Ritterstraße 7 sowie Mölbers Haus am Niedermarkt – ihren Betrieb auf. Da Döbeln jedoch ohne eigenes Bier unvorstellbar war, entstanden bald drei neue Brauereien: die Vereinsbrauerei A.G. in der Bäckerstraße, die Feldschlösschenbrauerei von Paul Fischer in der Waldheimer Straße sowie die Döbelner Unionsbrauerei in Großbauchlitz.
Der Bierbrauprozess in einer Brauerei besteht aus mehreren aufeinander abgestimmten Arbeitsschritten. Zunächst wird das Malz geschrotet, also grob zerkleinert, um die enthaltene Stärke zugänglich zu machen. Anschließend erfolgt das Maischen: Das geschrotete Malz wird mit Wasser vermischt und erhitzt, sodass Enzyme die Stärke in vergärbare Zucker umwandeln.
Nach dem Maischen wird die Flüssigkeit, die sogenannte Würze, vom festen Treber getrennt. Diese Würze wird dann im Sudkessel gekocht und mit Hopfen versetzt, der dem Bier seine Bitterkeit und sein Aroma verleiht. Nach dem Kochen wird die Würze abgekühlt und in einen Gärbehälter geleitet. Dort wird Hefe hinzugefügt, die den Zucker in Alkohol und Kohlendioxid umwandelt – dieser Prozess wird Gärung genannt.
Ist die Hauptgärung abgeschlossen, folgt die Reifung oder Lagerung, bei der das Bier seinen endgültigen Geschmack entwickelt und sich klärt. Zum Schluss wird das Bier gefiltert (je nach Sorte), abgefüllt und ist dann bereit für den Verkauf und den Genuss.
Vereinsbrauerei A.G.
Die Vereinsbrauerei stellte die Fortsetzung der alten Braukommun dar. Mitte der 1810er Jahre suchte und fand man in der Bäckerstraße ein neues Grundstück, auf dem die neue „Stadtbrauerei“ errichtet wurde. Bereits 1816 entstand dort ein Sud- und Malzhaus. Die Brauerei wurde an den Sörmitzer Mühlenbesitzer Müller verpachtet. Dieser ließ 1819 ein langes Kellergebäude an der Brauhausgasse errichten und blieb etwa zwanzig Jahre Pächter des Betriebs.
Das neue Kellergebäude beherbergte mehrere Lagerkellerabteilungen sowie zwei Malztennen mit Gerstenweichen. In der ersten Etage über den Lagerkellern richtete man einen Gärkeller ein, während sich über den Malztennen ein Schrotboden und drei Malzsilos befanden. Diese Silos reichten bis in die dritte Etage und konnten maximal 80 Tonnen Braumalz aufnehmen. Der östliche Teil des Kellergebäudes diente der Einlagerung von Natureis. Zu diesem Zweck hatte die Brauerei im heutigen Bürgergarten zwei Teiche angelegt, die in den Wintermonaten regelmäßig zur Eisgewinnung genutzt wurden. Das gewonnene Eis wurde das ganze Jahr über verwendet, um den Gärkeller und die Lagerkeller zu kühlen und so die Qualitätsstandards der Bierproduktion sicherzustellen.
(1) Das Areal der Brauerei umfasst die Grundstücke Bäckerstraße 8 und 9. Zahlreiche Gebäude werden entlang der Brauhausgasse errichtet (Ausschnitt aus einer Werbeanzeige 1910). (2) Foto kurz vor dem Abriss der Brauerei 1992. (3) Am Standort der alten Brauerei wurde ein Parkhaus errichtet (Foto 2023).
(1) Blick Richtung Brauerei, im Vordergrund das Torschreiberhaus, das 1976 dem Straßenbau weichen musste (2) Blick in die Brauhausgasse (3) Blick von der Staupitzstraße Richtung Salzgraben. Einige Gebäude der Brauerei befanden sich zwischen Salzgraben und Brauhausgasse. Diese gewachsene Struktur muss 1976 der Verlängerung der Ritterstraße weichen.
Das gesamte Brauereiareal umfasste die Grundstücke Bäckerstraße 8 und 9. In der heute nicht mehr existierenden Brauhausgasse standen auf der rechten Seite parallel zum Niedermarkt mehrere Nebengebäude: Garagen, eine Fassböttcherei mit Fasspichanlage – beim sogenannten Pichen dichtet man die Fässer mit Brauerpech ab –, ein Pferdestall sowie ein Wagenschuppen. Diese Gebäude wurden abgerissen, als im Jahr 1976 die Ritterstraße bis zur Rudolf-Breitscheid-Straße verlängert wurde.
Um das Haus Bäckerstraße 8 rankten sich zudem zahlreiche Geschichten. Es soll ursprünglich als Tagungshaus der Döbelner Freimaurer errichtet worden sein. Im Erdgeschoss befand sich die sogenannte Brauschänke mit einer großen Küche und einem Fahrstuhl, über den Speisen und Getränke in alle drei Etagen transportiert werden konnten. An der Schnittstelle zum Haus Bäckerstraße 9 soll sich ein großer fensterloser Raum befunden haben, den die Freimaurer für ihre Rituale genutzt hätten.
Bäckerstraße 8 und 9 im Jahr 2024
Nachdem der Pächter Müller ausgeschieden war, übernahm die Braukommun den Betrieb selbst. Die Einführung des untergärigen Bieres, eine in Bayern entwickelte Braumethode, führte zu tiefgreifenden Veränderungen in der Branche. In Döbeln wurde dieses Verfahren im Jahr 1847 eingeführt. In diesem Zusammenhang ließ man einen Felsenkeller in den Schlossberg treiben, da sich Müllers Keller an der Brauhausgasse nicht für die Lagerung des Biers eignete.
Aus der Braukommun ging 1860 eine Braugenossenschaft hervor. Nachdem 1873 das Brauurban – also das staatlich garantierte Braurecht – für 8000 Mark abgelöst worden war, wandelte sich die Genossenschaft 1880 in eine Aktiengesellschaft um.
(1) und (2) Postkarten vom Niedermarkt mit Blick Richtung Bäckerstraße 8 (nach 1912) - An der Fassade sieht man die Werbung für die Vereinsbrauerei.
(3) Blick über die Dächer Döbelns Richtung Staupitzmühle (rechts) und Staupitzstraße; vorn links die Gebäude der Vereinsbrauerei
Parallel zu diesen Entwicklungen gründete Adolf Schröder im Jahr 1862 die Leipziger Bierbrauerei zu Reudnitz. 1871 ging das Unternehmen in den Besitz von Kommerzienrat Adolf Riebeck über. Unter seiner Leitung entwickelte sich die Brauerei zur größten Sachsens und zur viertgrößten Deutschlands. Riebeck ließ das größte Sudhaus der Welt errichten und wandelte das Unternehmen ebenfalls in eine Aktiengesellschaft um.
Die Vereinsbrauerei Döbeln AG wurde später unter Beibehaltung ihrer Selbständigkeit der Riebeck-Brauerei AG angeschlossen. Für den Mutterkonzern vertrieb man unter anderem auch Nürnberger Siechen-Bier.
Ein dauerhaftes Problem stellte die Kühlung des Bieres mit Natureis dar. Im Jahr 1897 zerstörte ein Hochwasser große Teile der Eisvorräte der Brauerei – insgesamt etwa 750 Tonnen. Da der folgende Winter ungewöhnlich mild verlief, gelang es 1898 nicht, die Eiskeller wieder vollständig zu füllen. Daher kaufte man für 4500 Mark Eis, das aus dem Erzgebirge, dem Fichtelgebirge sowie sogar aus Norwegen und Russland nach Döbeln transportiert wurde. Von den 15 Tonnen Eis aus Norwegen, die über den Hafen von Stettin nach Döbeln gelangten, schmolzen jedoch während der dreitägigen Fahrt bereits 2,4 Tonnen. Dennoch reichte der Vorrat weiterhin nicht aus, um die Keller das ganze Jahr über ausreichend zu kühlen. Insgesamt benötigte die Brauerei jährlich rund 2000 Tonnen Eis.
Der Bierabsatz konnte sich dennoch sehen lassen. Im Geschäftsjahr 1896 verkaufte man 9778 Hektoliter Bier, 1897 sogar 10 002 Hektoliter. Da ein Fernabsatz wirtschaftlich jedoch kaum sinnvoll war, produziert man vor allem für den lokalen Markt. Die an die Anteilseigner ausgeschüttete Dividende lag in der Regel bei etwa acht Prozent, in schwierigeren Jahren – insbesondere bei Problemen mit der Eisbeschaffung – bei etwa vier Prozent. Viele Döbelner fanden in der Brauerei Arbeit: So zahlte das Unternehmen im Jahr 1898 insgesamt 17 803,03 Mark an Gehältern.
Die Anlagen der Brauerei wurden im Laufe der Zeit immer wieder modernisiert und erweitert. Als Quellwassergebiet nutzte man das obere Bärental. Um das Jahr 1900 verlegte man von zwei dort befindlichen Quellkammern eine Wasserleitung bis in die Bäckerstraße, die etwa bis 1965 in Betrieb blieb. Das Wasser eignete sich sowohl für helle als auch für dunkle Biere. Als Spezialitäten braute man unter anderem Biere nach Münchner Art (Klosterbräu) und nach Pilsener Art (Ratsbräu). Ständig im Angebot waren außerdem helles und dunkles Schankbier.
Nach dem Ersten Weltkrieg gerieten viele kleinere Brauereien unter Druck, da immer mehr Großbrauereien den Markt dominierten und durch Massenproduktion niedrigere Preise anbieten konnten. In Döbeln überlebte letztlich nur die Vereinsbrauerei diesen Konkurrenzkampf. Ihr stärkster Konkurrent war die Dresdner Felsenkeller-Brauerei.
Zwangswirtschaft und Geldentwertung während der wirtschaftlich schwierigen Nachkriegszeit führten zunächst zu einer Stagnation der Produktion, und notwendige Investitionen blieben aus. Erst in der zweiten Hälfte der 1920er Jahre verbesserte sich das Geschäftsklima wieder.
Zwischen 1925 und 1930 ersetzte man schließlich die anfällige Natureiskühlung durch eine moderne Ammoniakkompressionsmaschine mit Verdampfer, Kompressor, Kondensator und entsprechenden Verbindungsleitungen. Dadurch wurde eine künstliche Kälte- und Kunsteiserzeugung möglich. Der bisherige Eiskeller konnte nun als vierter Lagerkeller genutzt werden, wodurch die Produktion weiter gesteigert wurde.
Während des Zweiten Weltkriegs brachen auch für die Brauerei schwierige Zeiten an. Weil die Männer vielfach im Krieg waren, fehlte es an Mitarbeitern. So wurden zwischen 1939 und 1945 eine Person zur Zwangsarbeit in der Vereinsbrauerei eingesetzt. Die Brauerei selbst überstand den Krieg jedoch ohne größere Schäden und konnte ihre Produktion fortsetzen.
Bis 1949 firmierte das Unternehmen unter dem Namen „Riebeck-Vereinsbrauerei Döbeln AG“. Danach folgte die Überführung in Volkseigentum.
VEB Döbelner Brauerei
Nach 1949 wurde der Betrieb als VEB Döbelner Brauerei weitergeführt und versorgte die Bevölkerung mit Bier sowie alkoholfreien Getränken. Bis 1952 stand die Brauerei in Trägerschaft der Stadt Döbeln (VEB G – G für Gemeinde), bis 1963 unterstand er dem Kreis Döbeln (VEB K) und bis 1968 dem Bezirk Leipzig (VEB B).
In den 1950er Jahren erholte sich die Produktion langsam. Es gelang, den schlechten Ruf der früheren Riebeck-Biere abzulegen, und die Bierproduktion stieg zwischen 1950 und 1954 um 411 Prozent. Gleichzeitig zeigten sich jedoch zunehmende Verschleißerscheinungen an den technischen Anlagen, sodass entschieden werden musste, ob der Betrieb modernisiert oder stillgelegt werden soll. Letztlich entschied man sich für den Erhalt der Brauerei.
Einblicke in den Brauereialltag (1950er Jahre)*
Bierflaschen der Vereinsbrauerei Döbeln und des VEB Döbelner Brauerei Döbeln mit Bügelverschluss (Fotos: D. Bleicher, nachbearbeitet)
Ab 1954 investierte man rund 550 000 Mark in umfangreiche Modernisierungsmaßnahmen. Unter anderem stellte man die bisherige Direktbeheizung der Maischpfanne, der Würze- und Braupfanne sowie der Warmwassererzeugung von Kohle auf Stadtgas um. Ein neues Vier-Geräte-Sudhaus für direkte Gasbeheizung wurde errichtet, bestehend aus Maischbottich, Maischpfanne mit Rührwerk, Läuterbottich mit Aufhackmaschine und Anschwänzvorrichtung, Würzpfanne sowie Maische- und Würzepumpe. Zusätzlich wurden zwei Warmwasseraufbereitungskessel installiert, die man unter anderem für die Flaschenreinigung benötigte. Auch eine komplette Bierfiltrationsanlage sowie ein Vier-Zylinder-Ammoniakkompressor mit einer Kälteleistung von 100 000 kcal pro Stunde gehörten zur neuen Ausstattung. Ergänzt wurde diese Technik durch einen Gegenstrom-Bündelrohrkondensator, der die Leistungsabstimmung der Kompressoren sowie der neuen Blockeiserzeugungsanlage sicherstellte.
Die Brauerei beschäftigte zwischen 35 und 40 festangestellte Mitarbeiter. In den Sommermonaten halfen zusätzlich Schüler im Rahmen von Ferienarbeit oder Arbeitskräfte anderer Betriebe aus, um den erhöhten Bedarf an Getränken zu decken. Dank der verbesserten technischen Ausstattung erreichte der Betrieb gute Produktionskennzahlen. Im vierten Quartal 1958 erhielt die Brauerei den Titel „Beste Brauerei des Bezirks“, verbunden mit einer Wanderfahne, und verteidigte diesen Titel auch im Jahr 1959. Da Wanderfahnen allein nicht ausreichten, um die Mitarbeiter zu motivieren, verdoppelte man zusätzlich die Jahresendprämie und organisierte verschiedene Kulturveranstaltungen.
Darüber hinaus übernahm die Döbelner Brauerei auch außerbetriebliche Aufgaben. So übertrug die Staatsbank der DDR ihr die staatlichen Anteile der halbprivaten Brauerei Richzenhain sowie der Simonbräu in Leisnig. Die Döbelner Brauerei fungierte dort jeweils als staatlicher Gesellschafter.
Die Nachfrage nach Döbelner Bier war so groß, dass die Produktion häufig ausverkauft war. Hergestellt wurden Malzbier als Einfachbier, helles Bier, Doppelkaramelmalzbier sowie Deutsches Pilsner als Vollbier. Darüber hinaus braute man helles und dunkles Bockbier als Starkbier. Bei Bedarf kaufte die Brauerei zusätzlich Biere anderer Betriebe – etwa der Löwenbrauerei Mittweida, der Brauerei Krostitz oder von Sachsen-Bräu Leipzig – auf und lieferte sie an die eigene Kundschaft aus.
Auch die Palette der alkoholfreien Erfrischungsgetränke wurde kontinuierlich erweitert. Man produzierte verschiedene Brausen und Limonaden mit Frucht- oder Kräutergeschmack. Brausen unterscheiden sich von Limonaden dadurch, dass sie künstliche oder naturidentische Aroma- und Farbstoffe enthalten. Besonders beliebt waren die Fruchtsaftlimonade Orange, für die man den Zitrussaft aus China importierte, sowie das koffeinhaltige Erfrischungsgetränk Quick.
Trotz dieses Erfolgs verlor die Brauerei im Jahr 1968 ihre juristische Selbständigkeit und wurde ein Teilbetrieb des VEB Getränkekombinat Leipzig, das dem Rat des Bezirks Leipzig unterstand.
VEB Getränkewerk Döbeln
Um dem gestiegenen Bedarf gerecht werden zu können, wurde die Flaschenabfüllung von der Bäckerstraße 9 in die Eichbergstraße 3 verlegt. Dort hatte das Leipziger Getränkekombinat eine Niederlassung eingerichtet. Die neue Flaschenabfüllung war auch nötig, weil sich die Bedarfsgewohnheiten der Kunden verändert hatten. Lag früher der Verbrauch von Bier und alkoholfreien Getränken aus der Flasche bei 20% und 80% kamen aus dem Fass, war schon 1970 das Verhältnis fast umgekehrt – 70% der Getränke wurden aus der Flasche konsumiert und nur 30% aus dem Fass. Immerhin 38 000 bis 44 000 Flaschen verließen täglich im Durchschnitt die Döbelner Brauerei, die Spitzenleistung an heißen Tagen lag bei 52 000.
Im Juli 1990 erfolgte die Umwandlung des Betriebes zur Getränkewerk Döbeln GmbH, zunächst im Aufbau. Seit November 1992 befand sich die Gesellschaft jedoch bereits in Liquidation, und im Jahr 2002 wurde sie schließlich im Handelsregister gelöscht.
Im Zuge der Innenstadtsanierung riss man 1992 die alten Brauereigebäude ab. Auf dem Gelände der ehemaligen Vereinsbrauerei entstanden später das Parkhaus an der Ritterstraße sowie eine neu errichtete Einkaufspassage, die von der Ritterstraße zur Bäckerstraße führt.
(1) Eingang zum Brauereiareal, Bäckerstraße Anfang 1990er Jahre (Foto: D. Bleicher)
(2) Heute gelangt man hier zum Parkhaus und zur verlängerten Ritterstraße. (2024)
Feldschlösschen-Brauerei
Die Feldschlösschen-Brauerei an der Waldheimer Straße wurde von Theodor Eckelmann gegründet. Nach seinem Tod im Jahr 1889 führten seine Söhne den Betrieb zunächst weiter, verkauften ihn jedoch 1895 an Paul Fischer.
Anfangs wurde in der Brauerei lediglich Einfachbier gebraut. Nach einer technischen Modernisierung im Jahr 1892 kamen jedoch Lagerbier sowie Biere nach böhmischer und bayerischer Brauart hinzu. Paul Fischer investierte weiter in den Betrieb, schaffte Dampf- und Eismaschinen an und ließ eine Licht- und Kraftanlage installieren.
Dennoch musste die Brauerei im Jahr 1919 ihren Betrieb einstellen. Die Gebäude wurden anschließend von Max Habenicht erworben, der dort Stickrahmen sowie Transportschachteln aus Sperrholz produzierte.
(1) Historische Postkarte von der Feldschlösschen-Brauerei in der Waldheimer Straße.
(2) Zahlreiche Gebäude sind bis heute erhalten. Bier wird hier allerdings nicht mehr gebraut.
Döbelner Unionsbrauerei
Als man im Jahr 1840 plante, in einem Gebäude der Beckschen Lederfabrik in der Staupitzstraße eine Brauerei einzurichten, berief sich die Braukommun auf ihr verbrieftes Monopol. Die neuen Bierbrauer wichen deshalb nach Großbauchlitz aus, wo das Brauurban nicht mehr galt. Dort errichtete Daniel Beck im Jahr 1845 eine Brauerei, deren Betreiber Robert Kiesel, ehemaliger Braumeister der Stadtbrauerei, wurde.
Seit der Mitte der 1870er Jahre arbeitete die Brauerei mit Dampfkraft und stellte untergäriges Bier nach böhmischer Brauart her. Der Betrieb wurde mehrfach erweitert und zunächst als Handelsgesellschaft geführt. Betreiber war Paul Röder.
Fotos 1-2: Areal der ehemaligen Brauerei in Großbauchlitz im Jahr 2023, Foto 3: 1967 wurde das alte Brauereigebäude abgerissen. Es befand sich hinter dem Hauptgebäude an der Leipziger Straße.*
Im Jahr 1895 wandelte man die Brauerei in eine Aktiengesellschaft um, die jedoch bereits 1913 wieder liquidiert werden musste. Nach einer Phase des Stillstands ging der Betrieb 1914 in Genossenschaftsbesitz über und firmierte fortan unter dem Namen Unionsbrauerei Döbeln e.G.m.b.H. Die Leitung übernahmen Direktor Bruno Löwe und Braumeister Hermann Finzel.
In den 1920er Jahren musste jedoch auch diese Brauerei den Betrieb endgültig einstellen. Die Gebäude wurden anschließend Drahtstiftfabrik Artur Meier (ehemals Wapler), später von der Armaturenfabrik Rudolph Neider übernommen.
© Michael Höhme, "Traditions- und Förderverein Lessing-Gymnasium Döbeln" e.V.
Quellen:
Pressausschuss für das Heimatfest (Hg.): Aus der Heimat. Festschrift zum Heimatfest. Döbeln 20.-22. Juni 1914, S. 96f.
Stockmann, Gottfried: Die Stadt Döbeln als Standort der Industrie. Borna Leipzig 1928, S. 119ff.
Materialsammlung Karlheinz Enzmann (nicht veröffentlicht)
Enzmann Karlheinz/Funk, Roland: Brauhausgasse und Salzgraben – zwei fast vergessene Straßen in Döbeln. In: Stadt Döbeln (Hg.). Döbelner Mosaik 2011. Beucha 2021. S. 112-130
Bildnachweis:
Stadtplan von 1911 - Schwender, Carl Clemens: Döbeln und seine Umgebung. Döbeln 1911
Werbeanzeigen 1910 - Schwender, Carl Clemens: Döbeln in Sachsen in Wort und Bild. Döbeln 1910
Ansichten Brauhausgasse/Salzgraben – Sammlung Ettrich URL: www.döbeln.de (24.02.2023)
Abb. Eiskeller – Stadtarchiv Döbeln
Werbeanzeige 1914 - Pressausschuss für das Heimatfest (Hg.): Aus der Heimat. Festschrift zum Heimatfest. Döbeln 20.-22. Juni 1914
Alle Abbildungen/Fotos ohne Vermerk stammen aus der „Sammlung Döbeln“ von Michael Höhme.
* KI-gestützt restauriert
Grafische Darstellung Bierherstellung KI-generiert
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Döbeln und seine Traditionsbetriebe
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Döbeln und seine Industriegeschichte
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Döbeln und seine Industriepioniere
































