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Eine Döbelner Erfolgsgeschichte: Der Aufstieg der PARTZSCH Unternehmensgruppe

Anzeige zur Geschäftseröffnung 1954

Von der DDR-Nische zum modernen Familienunternehmen

1954 gründete Werner Partzsch in der Leipziger Straße 1 seinen „Reparaturbetrieb für elektrische Maschinen und Apparate“. Der kleine Betrieb besetzte in der DDR-Zeit eine unternehmerische Nische und erfüllte in der Region Döbeln bei der Instandhaltung von Elektromotoren und Generatoren kleinerer und mittlerer Leistung eine wichtige Funktion. Trotz teilweise schwierigen Bedingungen und Materialknappheit in der DDR-Mangelwirtschaft wuchs das Reparaturwerk und hatte 1980 sieben Mitarbeiter. Schon in dieser Zeit entstand der Grundsatz der Firma, möglichst unabhängig von Zulieferern zu arbeiten und den Kunden alles aus einer Hand zu liefern.

Von 1954 bis 1989 hatte die Firma ihren Sitz an der Leipziger Straße. Die Logistik war hier mitunter schwierig.
1989 Übergabe der Geschäftsleitung an die nächste Generation

Generationenwechsel und der Sprung in die Moderne

1989, im Jahr der politischen Wende und der Friedlichen Revolution in der DDR, übergab der Gründer das Unternehmen an seinen Sohn Thomas Partzsch. Der Diplom-Ingenieur für Elektrotechnik hatte schon seit Längerem im Unternehmen des Vaters gearbeitet. Nun nutzte er die neuen wirtschaftlichen Möglichkeiten, die sich nach der Wiedervereinigung eröffneten. In einem ersten Schritt wurde 1992 die PAMO Reparaturwerk GmbH in Bitterfeld gegründet, die mit ihrer Kompetenz für Gleichstrom das Angebotsspektrum der Firma ergänzte.

Neustart in Döbeln Ost: Baubeginn einer Produktionshalle im Jahr 1993

„Nicht kleckern, klotzen“: Expansion im Gewerbegebiet Döbeln-Ost

Während in Döbeln zahlreiche Betriebe Insolvenz anmelden mussten, begann für die Partzsch Elektromotoren GmbH ein furioser Aufstieg. „Nicht kleckern, klotzen“ lautete das Motto von Thomas Partzsch. Er verabschiedete sich von den beengten Verhältnissen in der Leipziger Straße und zog mit seiner Firma 1993 in das Gewerbegebiet Döbeln-Ost, wo für das Unternehmen die ersten Fertigungshallen errichtet wurden. In den folgenden Jahren entstanden insgesamt 20 Produktionshallen mit 40 000 Quadratmetern Fläche, die Zahl der Mitarbeiter wuchs auf ca. 600. Insgesamt wurden bisher 125 Millionen Euro in das Familienunternehmen investiert. Wer sich Döbeln von Osten näherte, kommt am blauen Schriftzug „PARTZSCH“ nicht vorbei. Der Aufstieg der Partzsch Elektromotoren GmbH zu einem großen Dienstleister für Elektromotoren und Generatoren wurde zu einer echten Döbelner Erfolgsgeschichte, von denen es in der Nachwendezeit nicht viele gab.

Kontinuierliche Innovation: Neue Kompetenzen und Technologien

Der Erfolg war möglich, weil sich das Unternehmen kontinuierlich neue Kompetenzen erarbeitete. 1995 konnte man erstmals VPI-Wicklungen anbieten. Die Vakuum-Druck-Imprägnierung ist ein hochwertiges Isolationsverfahren für Wicklungen in elektrischen Maschinen wie Motoren und Generatoren. Dabei wird die Wicklung in einem speziellen Prozess mit Kunstharz imprägniert, um die Isolation zu verbessern, Hohlräume zu füllen und die Wicklung gegen Feuchtigkeit und Schmutz zu schützen. Durch die neue Technologie konnte die Fertigung flexibler gestaltet werden und die Kosten für die Kunden verringerten sich. 1996 baute das Unternehmen den ersten Motor mit frequenzumrichterfester Wicklung, 1999 entwickelte man die 6,6-kV-Runddrahtwicklung. Ebenfalls in den 1990er Jahren kam die Fertigung von Spezialdrähten hinzu. Heute werden jährlich rund 10 000 Tonnen Draht bei PARTZSCH gefertigt.

Meilensteine und der Weg zu Europas größtem Komplettdienstleister

Die Firma erschloss sich immer wieder neue Geschäftsfelder. Seit dem Jahr 2000 ergänzt ein Windgeneratorenservice das Angebot des Komplettdienstleisters, der auf die Wartung und Instandsetzung von Windenergieanlagen spezialisiert ist. 2002 gelangen die erste Roebelstabfertigung und die erste Litzenwicklung. Die Fertigung von Roebelstäben ist ein spezialisierter Prozess im Elektromaschinenbau, der zur Reduzierung von Wirbelstromverlusten in den Wicklungen von Großgeneratoren und Hochleistungsmotoren dient. 2003 setzte man erstmals eine Laserschneidanlage und ein Lichtmesstisch ein. 2011 stellte das Unternehmen eine Wucht- und Schleuderanlage fertig, die für Läufer von bis zu 32 Tonnen Gewicht ausgelegt ist. Sie ist heute eine der zentralen Anlagen des Unternehmens. 2015 konnte der erste Nachbau eines 7,8-MW-Motors vermeldet werden. Grundlage war die Maßaufnahme der Originalmaschine. Diese Maschine stellte den bis dahin größten Nachbau einer kompletten Maschine in der Firmengeschichte dar. 2016 produzierte man den ersten im eigenen Haus gefertigten Generator, vier Jahre später folgte ein Generator, der im Unternehmen selbst entwickelt worden war.

Globale Expertise für rotierende elektrische Maschinen

Diese Meilensteine der Firmengeschichte zeigen, dass Geschäftsführer Thomas Partzsch durch mutige Investitionsentscheidungen aus dem kleinen Familienbetrieb einen großen Dienstleister für Elektromotoren und Generatoren geformt hatte, der stolz damit wirbt, „Europas größtes herstellerunabhängiges Reparaturwerk für elektrische Maschinen“ zu sein. 2021 übergab Thomas Partzsch das Unternehmen an die nächste Generation. In der neuen Geschäftsführung arbeitet auch sein Sohn Thomas Partzsch. Aus der bisherigen Rechtsform e.K. wurde eine GmbH. Die PARTZSCH Unternehmensgruppe gliedert sich seitdem in folgende Bereiche: die PAMO Reparaturwerk GmbH, die PARTZSCH Elektromotoren GmbH, die PARTZSCH Spezialdrähte GmbH und die PARTZSCH Windgeneratoren Service GmbH.

Logistische Meisterleistungen: Herausfordernde Praxisbeispiele

Die Firma versteht sich als Komplettdienstleister rund um rotierende elektrische Maschinen und bietet eine ganze Reihe von Leistungen an: Instandsetzung und Wartung, Sonder- und Nachbau, Engineering, Wuchten und Schleudern, mechanische Bearbeitung, Prüffeld und Vor-Ort-Service. Diese Bandbreite überzeugte bisher über 1500 Kunden, die der jahrzehntelangen Erfahrung, der Expertise und der Fertigungstiefe der PARTZSCH Unternehmensgruppe vertrauen. Die Kunden kommen aus der Industrie, der Marine- und Schiffstechnik, dem Schienenverkehr, von Stadt- und Kraftwerken, aus den Bereichen Wasser- und Windkraft, Aufzugsantrieb und Beschleunigermagnettechnik. Lieferungen und Serviceleistungen bietet man mittlerweile global an. Die Kunden kommen aus ganz Europa, aber auch aus den USA, Mexiko, Brasilien, Argentinien, Ägypten, Saudi-Arabien, dem Iran, Japan, Südkorea und Indonesien.

Einige Aufträge blieben in Erinnerung. So wurde 2022 für einen Kunden aus der norwegischen Stahlindustrie ein Asynchronmotor mit einer Leistung von 12 500 kVA instandgesetzt. Trotz zahlreicher Defekte am Gleitlager, dem Wandler und den Stillstandsheizungen konnte der 27 Tonnen schwere Motor in nur sechs Monaten repariert und wieder an den Kunden ausgeliefert werden. Eine echte Herausforderung war auch die Expressinstandsetzung eines Synchronmotor, der auf einer Fähre Feuer gefangen hatte. Mittels Sondertransport wurde der 34 Tonnen schwere Generator von einer dänischen Werft abgeholt und nach Döbeln gebracht. Hier griff dann ein eingeübtes Räderwerk. Schon nach einer Woche war der wieder instandgesetzte Generator zurück in Dänemark. Ein drittes Beispiel wäre der Nachbau eines kompletten Dipolmagneten mit einem Gewicht von 4200 kg. Da keine Zeichnungen vorlagen, musste die Maßaufnahme am Originalteil durchgeführt werden, bevor der Nachbau des Giganten beginnen konnte.

Der Faktor Mensch: Gesundheit, Teamgeist und soziales Engagement

Der Erfolg des Unternehmens wird durch viele fleißige Mitarbeiter möglich, die die Ideen der Geschäftsführung umsetzen und sich für ihre Firma engagieren. Das PARTZSCH-Team weiß zu schätzen, dass das Unternehmen großen Wert auf betriebliches Gesundheitsmanagement legt. Sensoren helfen bei der Erstellung von Arbeitsplatzanalysen, und Bewegungsabläufe werden durch Physiotherapeuten optimiert. 2025 organisierte das Unternehmen zusammen mit der AOK PLUS, der Gesundheitskasse für Sachsen und Thüringen, zwei Gesundheitstage für alle Mitarbeitenden. Auch sportliche Betätigung fördert die Firma. Zahlreiche Mannschaften der PARTZSCH Unternehmensgruppe nehmen in jedem Jahr am „Lauf mit Herz“ des Lessing-Gymnasiums teil. Sie werden von ihrer Firma gesponsert. So profitiert die Gesundheit der Mitarbeitenden, der Teamgeist wird gestärkt und man tut etwas für einen guten Zweck. Empfänger der Spendengelder ist der Sonnenstrahl e.V. Dresden, der krebskranke Kinder und deren Familie unterstützt.

Sommerfeeling im Werk: Gemeinschaft stärken beim Familientag

Gemeinsinn und Corporate Identity ist auch das Ziel bei den jährlich stattfindenden Familientagen, zu denen die Firma ihre Mitarbeitenden und deren Familien einlädt. Hier lässt sich das Unternehmen immer etwas Besonderes einfallen. 2025 verwandelte sich zum Beispiel das Firmengelände in eine sommerliche Wohlfühloase mit aufgeschüttetem Sandstrand und einer Beachbar. Nach einer wertschätzenden Ansprache durch die Geschäftsführung trat der Welcome Wellness Sport- und Tanzverein Döbeln e. V. auf. Beim entspannten Zusammensein war viel Zeit für Gespräche und echtes Sommerfeeling. Die Kinder freuten sich über einen Badebereich, auch Kinderschminken, Ballsportaktionen, Kinderkino und eine Hüpfburg waren im Angebot. All diese Aktivitäten folgen der Einsicht, dass man sich um die Motivation und die Gesundheit der Mitarbeitenden als Firma kümmern muss.

Vom Kraftwerk bis zum CERN: Vielseitige Einsatzbereiche

Motivierte Mitarbeiter sind die Voraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg. Die PARTZSCH Unternehmensgruppe erschloss sich in den letzten Jahren immer mehr Geschäftsfelder rund um rotierende elektrische Maschinen. Elektromotoren und Generatoren fanden sich in Kraftwerken, Windkraftanlagen, Müllverbrennungsanlagen, Papierfabriken, Wasserkraftanlagen, Chemieparks und in der Zementindustrie. Große Elektromotoren des Unternehmens kamen beispielsweise in Industriemaschinen, Drehbänken, Pressen, Förderbändern oder Aufzügen zum Einsatz. Seit einiger Zeit wurden hier auch Magnete gefertigt, unter anderem für den Teilchenbeschleuniger im CERN. Immer dann, wenn Elektrotechnik auf Maschinenbau trifft, ist die Firma PARTZSCH eine gute Wahl. Auch größere Anlagen – einzelne Stücke wogen bis zu 125 Tonnen – konnte das Unternehmen bearbeiten.

Das PARTZSCH-Erfolgsrezept: Alles aus einer Hand und echte Handarbeit

Ein entscheidender Vorteil besteht darin, dass alle Arbeitsgänge, von der eigenen Drahtfertigung bis zur Blechbearbeitung, im eigenen Haus stattfinden und dadurch optimal ineinandergreifen können. Das ermöglicht kürzere Lieferzeiten – ein klarer Vorteil gegenüber Konkurrenten, die auf Subunternehmer oder externe Lieferanten angewiesen sind. Hinzu kommt, dass viele Mitarbeiter auf jahrelange Erfahrung zurückgreifen können. Bei PARTZSCH trifft Industrie häufig auf Handwerk: In großen Anlagen steckten mehrere tausend Stunden Handarbeit, die sich nicht auf Maschinen übertragen lassen. Gerade diese Mischung machte die Arbeit für viele Beschäftigte interessant.

© Michael Höhme, "Traditions- und Förderverein Lessing-Gymnasium Döbeln" e.V.

Quellen:
Reichelt, Cathrin: Ich bin verliebt in meinen Beruf. In: Döbelner Anzeiger 3. August 2017
PARTZSCH Unternehmensgruppe (Hrsg.): PARTZSCH – Über uns. URL: https://de.partzsch.de/unternehmen (12.06.2026)
PARTZSCH Unternehmensgruppe (Hrsg.): PARTZSCH – Power für your vision (Imagebroschüre). 2024
Landkreis Mittelsachsen (Hrsg.): Sowas wie PARTZSCH gibt’s weltweit nicht nochmal. URL: https://www.wirtschaft-in-mittelsachsen.de/unternehmen/unternehmen-des-monats/sowas-wie-partzsch-gibts-weltweit-nicht-nochmal.html (12.06.2026)


Bildnachweis:
* Foto KI-gestützt restauriert
** Darstellung KI-generiert

Alle Abbildungen stammen von der PARTZSCH Unternehmensgruppe.