Sie sind hier: Startseite » Sagen

Die Kegelspieler zu Döbeln

Die Kegelbrüder wurden 1992 am Eingang zur Ritterstraße in unmittelbarer Nähe der Oberbrücke aufgestellt.

Ein Wahrzeichen der Stadt Döbeln an der Mulde nennt man zwei steinerne Köpfe, welche man am zweiten Stock des ersten Hauses an der Stadtmauer zur rechten Hand des Obertores, wenn man über die Brücke hereinkommt, hervorragen sieht. Der eine von ihnen schaut mit dicken Backen und fröhlichem Gesichte über den Zwinger, auf die Mulde, die Oberbrücke und lacht gleichsam das ihm entgegenkommende Volk an, der andere aber sieht innerhalb der Mauer und Stadt gegen Mittag im Winkel, ein wenig hinter dem Torturm, mit seitwärts gebogenem betrübtem, niedergedrücktem Gesichte, und hat beide Hände auf dem Haupte, als wollte er darin kratzen oder sich die Haare ausraufen.
Die Entstehung dieses Denkmals soll aber folgende sein: Zwei Brüder waren Erben zu diesem Hause und wurden eins, darüber zu losen oder zu spielen, und zwar soll’s auf ein Kegelspiel angekommen sein, weil inwendig im Hause sich zwei Hände mit Kugeln präsentieren, auch Kegel an den Pfeilern im Hause sich befinden. Sie setzten das ganze Haus auf ein Los, das andere aber war ein leeres. Da musste es nun nicht anders werden, es musste der verspielende und leer ausgehende Teil betrübt werden und sich am Kopfe kraulen, der andere, der Gewinner, war desto fröhlicher und soll dem Vorgeben nach zum Andenken an diese Begebenheit die beiden Köpfe haben einmauern lassen. Das Haus ist ganz steinern und führt die Jahrzahl 1504.

nach Grässe "Sagenschatz des Königreichs Sachsen"
G.Schönbergs Verlagsbuchhandlung - Dresden Ersterscheinung: 1854

Die beiden Sandsteinfiguren schuf der Chemnitzer Bildhauer Harald Stephan.

Ein Gedicht über die am Hamannschen Hause befindlichen Köpfe aus dem Jahre 1854 lautet:

Das Wahrzeichen

Stand nicht an jener Brücke
jüngst noch ein dunkles Haus;
Es schauten aus den Mauern
zwei Köpfe stumm heraus?

Von Stein wohl waren beide,
der eine frohen Blicks,
der andre rauft das Haar sich,
ob traurigen Geschicks.

Die beiden waren Brüder,
doch Brüder nur vom Blut:
Als Feinde sie sich stritten um
ihr geerbtes Gut.

Ein jeder wollte Alles,
ihm gnügte nicht sein Theil:
So suchte kecke Habsucht
im Loose dann ihr Heil.

Die beiden Brüder traten
hin auf die Kegelbahn
und setzten gleich ihr Ganzes
auf den Gewinner an.

Und sieben schob der Eine:
Für eine Kugel gut!
So ruft er laut zum Bruder
voll Hohn und frechem Muth.

Da schallt es: Neune! wieder:
Schau! Neune warf ich um!
Geh Du mit Deiner Sieben
nun um das Haus herum!

So sprach er und verzerrte
laut höhnend das Gesicht;
der Bruder aber schonte
der bösen Flüche nicht.

Er rauft sein Haar, der andre
zieht lachend in das Haus:
Da wuchsen jene Köpfe
nachts aus der Wand heraus.