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Gedichte

Lied an Döbeln

Vom Geyersberge schau ich nieder
Ins Muldental voll Sonnenschein,
Durch Flur und Wald erklingen Lieder,
Und tausend Blumen blühn im Hain,

Tief drunten, wo die Wellen gleiten,
Erglänzt des Flusses silbern Band —
Wie bist du schön zu allen Zeiten,
Mein Döbeln du, mein Heimatland.

Weit durch die Welt bin ich gezogen.
Sah morgenlicht die Alpen glühn,
Sah fern im Süd die blauen Wogen
Weißschäumend gegen Felsen sprüh'n.

Und doch — im Schatten der Cypressen,
Im Brandungssturm am nord‘schen Strand
Hab deiner nimmer ich vergessen,
Mein Döbeln du, mein Heimatland.

Und wenn auf deine grünen Matten
Dann wieder hat mein Blick geschaut,
Wenn mich umrauscht dein Waldesschatten,
Dein Himmel über mir geblaut:

Dann fühl ich tief, daß all mein Streben
Kein Glück in weiter Ferne fand,
In deinem Tale nur mag's leben,
Mein Döbeln du, mein Heimatland.

Konrad Müller, Döbeln, 1914

In: Pressauschuss für das Heimatfest (Hg.): Festschrift zum Heimatfest Döbeln 1914. Döbeln 1914, S. 5

Mein Döbeln

Ich grüße Dich wieder, Du traute,
Du Stadt meiner Jugendzeit.
Ich suche die Dächer, die Fenster,
Die Stätten voll glücklicher Zeit.

Hoch ragen die grünenden Hügel
Heraus aus dem schwellenden Land.
Der Fluß im fruchtbaren Tale
Legt glänzend sein Silberband.

Dort stand mein' Wiegel — Das Schulhaus
Da droben, es grüßt mich von fern;
Im Gotteshause am Berge
Empfing ich den Segen des Herrn.

Ich weiß noch die Straßen, die Gassen!
Im Wirtshaus bei Bier und bei Wein
Da könnt ich im Kreise von Freunden
Ein lustiger Zecher sein.

So manches ist anders geworden
Seit dem's in die Fremde mich trieb;
Die Sehnsucht nach Dir, mein Döbeln,
In treuer Seele verblieb.

Die duftenden Coniferen
Am Friedhof beschatten manch Grab.
Da legten viel liebe Bekannte
Beiseite den Wanderstab.

Ich segne Dich still, traute Stätte,
Der Himmel schirme Dein Bild!
Das Streben nach sonniger Höhe
Befruchte hinfort Dein Gefild.

Und wenn ich mich wieder umsehe,
Wenn Jahre vergangen sind,
Dann grüßt Dich in neuem Liede
Dein glückliches, dankbares Kind.

Paul Thomas, Schuldirektor, Schlettau/Erzg.

In: C. Schwender (Hg.): Wanderungen durch Döbeln und Umgegend. Döbeln 1924, S. 10f.

Meine Heimat

Meine Heimat hat viel blum’ge Auen,
Über die ich oft als Kind gegangen,
Und so weit die Augen können schauen.
Liegt die Welt in sommerlichem Prangen.

Fern am Flusse stehen dunkle Wälder,
Die sich weithin in die Ferne ziehen,
Und am Horizont die Ährenfelder
Blinken hell wie Gold im Sonnenglühen.

Und die Nächte sind so traumversunken,
Wenn in Blut die alten Linden stehen,
Wenn die Nachtigall so sehnsuchtstrunken
Ihre Liebesfeier will begehen.

Meine Heimat ist in meinem Leben
Doch der liebste Ort auf dieser Erden,
Und von Heimatluft und Duft umgeben
Möchte‘ ich einst einmal begraben sein.

Robert Thallwitz, Döbel, 1924

In: C. Schwender (Hg.): Wanderungen durch Döbeln und Umgegend. Döbeln 1924, S. 5

Gruß aus Döbeln

Industrie in hoher Blüthe,
Biere, Kaffee, erste Güte;
Und vor allem: hübsche Mädchen
Zieren dieses Muldenstädtchen
Und man fühlt sich urgemüthlich,
Weil in Sachsen dies so üblich.
Da wird kostbar bald die Zeit.
Und man hält gedruckt bereit,
Damit du nicht brauchst lang zu warten
Diese bunten Ansichtskarten.
Willst Du noch Näh’res wissen
Wirst du „Brockhaus“ fragen müssen.

Verfasser unbekannt, Postkartenaufdruck, 1898