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Kneipen

Im Juni diesen Jahres feiert Döbeln sein 8. Heimatfest und im nächsten Jahr ist die Stadt gar Ausrichter des Tages der Sachsen! Feste feiern bedeutet Gäste einladen und diese und ihre Gastgeber wollen bei solch einem Anlass auch festlich Essen und Trinken. Und wer nach dem Feiern müde ist, der braucht zur Nacht noch eine gute Lagerstatt! Alles zusammengenommen wird dies eine große Herausforderung für die Döbelner Gastronomie!

Die Gastlichkeit hat seit langem eine gute Tradition. C.W. Hingst, der Chronist Döbelns, schreibt in seiner 1872 erschienenen Chronik über die Gasthäuser seiner Zeit: Es gäbe nicht weniger denn 44 Lokale und Bierwirtschaften in Döbeln – vorrangig vom männlichen Geschlecht besucht – darunter 8 Gasthöfe: Hotel „Goldene Sonne“, Hotel „Stadt Altenburg“, „Besser´s Hotel Garni“, die Hotels „Stadt Dresden“, „Stadt Leipzig“, „Stadt Chemnitz“, sowie die Gasthäuser „Zum Trompeterschlößchen“ und „Feldschlößchen“! Die beiden erstgenannten Hotels, auch früher als Ober- und Niedergasthof bezeichnet, hatten schon im 16. Jh. und noch eher Privilegien für Ausspannung und Herberge sowie Bierausschank, während der Weinausschank dem Ratskeller vorbehalten war!

Der industrielle Aufschwung Ende des 19. und Anfang des 20. Jh. förderte auch das Gaststättengewerbe. Es gab Zeiträume, in welchen in Döbeln bis zu 60 Hotels, Lokale und Cafes ihre Dienste anboten. Alle hatten regen Zuspruch, denn das „Bier zum Fernsehen“ gab es noch nicht!

Dato bietet Döbeln in der Innenstadt 21 Gaststätten und 13 Biergärten. Straßenbauliche Veränderungen in der Zeit vor 30 bis 40 Jahren ließen auch einige Gaststätten unter den Abrisshammer kommen. Andererseits ist nach der Wende viel Neues auf diesem Gebiet entstanden. Bei den Lokalnamen tauchten immer mehr „Anglizismen“ auf und in Döbeln kann man in zahlreichen Lokalitäten chinesisch, türkisch, griechisch oder italienisch speisen – um nur einiges aus dem „babylonischen Sprachgewirr“ zu nennen!

Kneipenbummel
Kneipenbummel

Ich habe einen kleinen „Kneipenbummel“ auf den Spuren der Döbelner Pferdebahn unternommen, die von 1892 bis 1926 ein unverkennbares Döbelner Flair war. Sie führte vom Hauptbahnhof über insgesamt 11 Stationen bis zur Endhaltestelle Schankstätte „Weißes Kreuz“, wo wir unseren Bummel beginnen!

Schwarze Sau
Schwarze Sau

Das „Weiße Kreuz“ gibt es nicht mehr, aus verkehrstechnischen Gründen entfernte man das Haus 1976. Nahebei in der St. Georgenstraße 16 stand der „Goldene Apfel“, wo die Pferde und Wagen der Pferdebahn bis zur Fertigstellung des Depot zur Nacht eingestellt wurden. Heute hat in diesem Wohnbereich ein Autohändler mehr Pferdestärken im Angebot und weiterhin gibt es dort das Pilspub „Black Horse“ und ein Billard-Center „Schwarze Sau“.

Old Town Pub
Old Town Pub

Über die Oberbrücke gelangen wir in den platzartig erweiterten Teil der Ritterstraße. Seit 1963 liegt hier das 1. Hotel Döbelns, die „Goldene Sonne“ im Dornröschenschlaf und wartet auf einen „finanziell gut gerüsteten“ Ritter, der die ehemalige Burgherberge wiederbelebt. Daneben steht ebenso unbelebt „Kadens Weinstube“. Aber nur ein paar Schritte weiter lebt die Gastronomie: Eine urige Kneipe, benannt „Old Town Pub“ sowie eingangs der Sattelstraße die Pizzeria „Bella Alleppo“. In der Mitte der Sattelstraße können wir in der „Akropolis“ griechisch speisen.

Kartoffelhaus
Kartoffelhaus

Wir erreichen den östlichen Teil des Obermarktes. Hier dicht bei dem Alten Amtshaus stiegen früher die Gäste im Hotel „Reichshof“ ab. Gegenüber diesem Gebäude wird im „Red Devil“ eingeschenkt; während eingangs zur Großen Kirchgasse im Kartoffelhaus oder „Drei Schwäne“ zur Mittagspause aufgetischt wird.

Ratskeller
Ratskeller

Wir biegen rechts ab und kommen zum Rathausvorplatz. Im „Döbelner Brauhaus“ in den Räumen des Ratskellers können die Gäste die kupfernen Hauben der beiden Braukessel bewundern indes sie dem schäumenden Inhalt derselben in ihren Gläsern zusprechen! In der Marktstraße neben dem Rathaus hat das Hotel „Bavaria“ die Zeitenwende überstanden. Beide Restaurationen betreiben auf dem Platz vor den Gebäuden je einen Biergarten.

Im Haus Obermarkt 8 an der Einmündung der Straße des Friedens zum Markt ist das 3. Döbelner China-Restaurant „Shanghai“ im 1. Stockwerk etabliert. Weiter zur Bäckerstraße hin im Haus Obermarkt 4 existierte vor 8 Jahrzehnten die „Bärenschänke“, berühmt beim Publikum wegen der dort oftmals aufgetretenen Damenkapelle. 1924 wird daraus das „Café Astoria“, vier Jahre später wurde das „Rathaus-Café“ geboren. Heute ist in den Räumen ein Drogerie-Markt.

Wir durchschreiten die Bäckerstraße in Richtung Niedermarkt. Am Ende der Straße eröffnet im Jahre 1877 das „Gambrinus“-Restaurant. Nach einem Brand 1920 eröffnet 2 Jahre später die in der Nähe ansässige Vereinsbrauerei das Lokal als „Brauschänke“. Aus dieser entsteht im letzten Viertel des vorigen Jahrhunderts die „Vyskover Weinstube“. 1995 nach größeren Umbauten steht dort das Hotel „Döbelner Hof“, welches in diesem Jahr das „Inside“ mit „American Food and Drinks“ eröffnete!

Dem früheren Verlauf der Pferdebahngleise folgend geht es nach einem Stück Breite Straße nach rechts zum Niedermarkt. An dessen südöstlicher Ecke entstand 1926 aus dem vorherigen „Theater-Restaurant“ das „Stadt-Café“. Nachdem bis heute im besagten Haus Textilien gehandelt werden, liebäugelt man mit dem Gedanken, dort wieder Kaffee und Kuchen in „Döbelns Guter Stube“ – also auf dem Niedermarkt – zu servieren!

An der südwestlichen Ecke des Marktes bestanden über viele Jahre zwei bekannte Gasthäuser: das dem Markt zugewandt Hotel „Stadt Altenburg“ und zur Bahnhofstraße das „Alt-Kulmbach“. Leider wurden diese beiden altbekannten Häuser im Jahre 1963 abgerissen. Lange Zeit war an gleicher Stelle ein freier Platz mit einigen Ruhebänken.

Prinz Albert Inn
Prinz Albert Inn

Im Zuge der Neugestaltung des Niedermarktes nach der Wende entstanden einige neue Gebäude und dort, wo vorher „Alt-Kulmbach“ stand, eröffnete Mitte 1993 ein Restaurant im englischen Stil: „Prinz Albert Inn“! Übrigens: Ende 1991 besuchte Prinz Albert von Sachsen mit Gattin Elmira das Döbelner Stadttheater. Neben selbigem und gegenüber dem „Prinz Albert Inn“ eröffnete zwei Wochen nach diesem das Restaurant und Barcafé „Da Capo“. Hier gibt es regelmäßig Kleinkunst zu genießen und im Sommer eine Freisitzfläche mit französischem Flair.

Dacapo
Dacapo

Wir sind nun in der Bahnhofstraße am Stadttheater. Nach links biegt die Theaterstraße ab. Im Gebäude gegenüber dem Theater war früher das Lokal „Zur Goldenen Krone“. Dies ist schon fast vergessen, aber ein Blick in die Theaterstraße hinein zeigt uns in den unteren Räumen der früheren Niedermühle zwei gastronomische „Exoten“: Einmal das Karibische Restaurant „Rancho Caribe“ und „Zum Rumpelstilzchen“!

Rancho Caribe
Rancho Caribe

Gegenüber eingangs der Albertstraße entstand nach dem Brand des Schießhauses im Jahr 1877 das Restaurant „Deutscher Kaiser“, aber auch der alte Adel ist lange verblichen, denn heute ist dort das italienische Lokal „Mediterraneo“. Am anderen Ende der Albertstraße, für uns nicht sichtbar, liegt das 1. Döbelner Wasser-Betten-Hotel „Albertschlößchen“!

Volkshaus
Volkshaus

Während unsere „virtuelle Pferdebahn“ auf der Bahnhofstraße der nächsten Station – An der Kaserne – zustrebt, noch ein Blick zum Eckhaus Burgstraße / Am Steigerturm. Hier lebt in Form des bekannten „Döbelner Volkshauses“ alte Döbelner Gastronomie-Tradition – außen und innen baulich aufgefrischt – zu unser aller Freude weiter.

Als Abschluss heute noch eine Schmunzette von damals: So wurde einst ein Stadtratsbeschluss kundgetan, dass Hauseingänge von Schankwirtschaften beleuchtet werden müssen, sofern sie nicht durch Mondschein genügend erleuchtet sind!

Bleibt mir noch eins: Mögen die Beschlüsse unserer heutigen „Stadtväter“ immer von Erleuchtung geprägt sein!

Gerhard Heruth
"Traditions- und Förderverein Lessing-Gymnasium Döbeln" e.V.
Mitgliederinformation Nr. 20
Mai 2001