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Stadtwerke

115 Jahre Stadtwerke Döbeln - ein Blick zurück

Bliebe noch der Dritte der Jubeltroika, der seit 115 Jahren den Leuten Licht und Wärme frei Haus liefert, die Döbelner Stadtwerke. Dieses „Geburtstagskind“ liegt dabei unserem Verein besonders am Herzen, ist doch der Stadtwerke-Chef, Herr Reinhard Zerge, unser „Vereins-Chef“ (1. Vorsitzender). Bekanntlich geht ja im Westen täglich die Sonne unter. Aber gerade auf seinem Areal, des Westzipfels der Döbelner Muldeninsel, ging 1857 ein besonderes Licht in der Nacht an, die Stadtgasbeleuchtung von Döbeln.

In den früheren Gärten am Salzgraben war eine Gasanstalt errichtet worden. Damit hatte das Kerzen- und Petroleumlampenlicht bei den Bürgern ausgedient und es wurde deutlich heller in den Räumen. Die Gasanstalt, deren Besitzer anfangs eine Berliner Aktiengesellschaft war, wuchs mit den Jahren ebenso wie das Rohrnetz zu den Verbrauchern des Stadtgases. Im Jahre 1897 lief der Konzessionsvertrag aus und die Stadt übernahm das Objekt. So wurden vor 115 Jahren am 31. Dezember 1897 die Döbelner Stadtwerke aktenkundig. Dies war, und das lässt sich unschwer feststellen, ein Ausdruck für die Weitsicht der damaligen Stadtväter, nach deren ersten Mann, Bürgermeister Thiele, eine Straße neben dem Gymnasium benannt ist. Während in der zukunftsträchtigen Staupitzmühle schon seit 1892 eine Wasserturbine über einen Generator elektrischen Strom erzeugte, waren die Stadtwerke dieser Energie zunächst zögerlich gesonnen. Vielleicht dachte man dabei, dass ein elektrischer Funke und Stadtgas eine gefährliche Paarung geben könnten.

Blick aus Richtung Osten vom Salzgraben an der Mulde auf das Scheibengasometer. Heute verläuft hier die verlängerte Ritterstraße, links steht das neue Sparkassengebäude.

Aber ausgerechnet am 1. April 1905 war es dann soweit, das Elektrizitätswerk in der ehemaligen Bismarckstraße nahm mit einem 100-PS-Gasmotor die Stromerzeugung auf. Schnell wuchs nun das „Energieangebot im Stromformat“. Ebenso wurde die Gaserzeugung moderner und effizienter ausgeführt. Zusätzlich konnte ab 1916 Strom von außerhalb bezogen werden. Also waren Strom und Gas weiter auf dem Vormarsch.
Im Olympiajahr 1936 erhielten die Stadtwerke ein neues Kind, das sich bis heute zur Freude aller gut entwickelt hat, das Döbelner Stadtbad.
In dem imposanten Gebäudekomplex gab es ein Hallenbad, Saunaräume, medizinische Bäder und solche für die Körperreinigung. Zwei Jahre später kam ein herrliches Freibad für Groß und Klein mit Sprungturm und einladenden Liegewiesen hinzu, eine Oase in der Stadt, Von Beginn an versorgten die Stadtwerke das Stadtbad aus dem gegenüber der Mulde liegenden Gaswerk mit Wärme. Heute nennt man eine solche energetische Lösung einen Nahwärmeverbund.

Zudem wuchs das Gaswerk weiter. Als dritter und größter Gasometer entstand ein 10.000 Kubikmeter-Scheibengasbehälter, der auf Grund seiner Größe in seinem Umfeld das Stadtbild bis 1984 prägte. Im Jahre 1952 ereilte die Stadtwerke Döbeln durch staatliche Verfügung die Auflösung. Trotzdem lief der Betrieb in gewohnter Weise weiter. Ende der fünfziger Jahre kam immer mehr Ferngas zum Einsatz und im städtischen Umfeld entstanden Umspannwerke für Fernstrom.

Das Döbelner Stadtbad wird derzeit durch ein Lehrschwimmbecken erweitert.

Die Stadtgaserzeugung endete nach 115 Jahren am 30. Juni 1972 und es begann der Rückbau der Erzeugungsanlagen. Als am 19. August 1999 die 45 Meter hohe Esse des Gaswerkes gesprengt wurde, war sprichwörtlich der Ofen aus. Schon seit 1993 hatte sich Erdgas als Marktführer in Döbeln durchgesetzt und die Stadtwerke nahmen seine Verteilung vor. Diese durften nach ihrer Neugründung im Jahre 1991 ihren alten Namen wieder tragen.

1982 begann die Fernwärmeversorgung in Döbeln-Nord das entstehende Neubaugebiet mit Heizwärme und Warmwasser zu beliefern. Als eine der ersten Abnahmestellen erfolgte 1991 der Anschluss dieser Heizzentrale an die neue Erdgas-Hochdrucktrasse.
Übrigens war diese Wiedergeburt ebenso feierlich wie die unseres Vereines im gleichen Jahr. Bei uns jedoch etwas im kleineren Rahmen. Auf der Suche nach modernen Energiequellen wurden die Stadtwerke bei den Blockheizkraftwerken (BHKW) fündig. Deren Module bestehen aus Gasmotor, Generator und Wärmetauscher und haben einen Wirkungsgrad von 88%, wenn aus Erdgas Strom und Wärme erzeugt wird. Nahe dem „Holländer“ auf dem Leipziger Berg in Döbeln-Nord kam das erste BHKW schon 1998 zum Einsatz.

Im Blockheizkraftwerk Niederwerder arbeiten seit 2011 zwei moderne Module mit Namen, die Vroni I und II getauft wurden.

In dem imposanten Bau mit dem oktogonalen Grundriss stehen die Module Simone I bis III, so getauft nach den Vornamen von Mitarbeiterinnen der Stadtwerke Döbeln. Als BHKW-Nachfolger zählt jenes, welches auf dem Niederwerder, wo schon 1987 ein normales Heizhaus stand, als zweiter Neubau errichtet wurde. Seit April 2011 arbeiten hier zwei moderne Module mit Namen Vroni I und II, deren Taufpatinnen musikalisch bei der Einweihung mit dem Ständchen „Veronika, der Strom ist da …“ begrüßt wurden.
Darüber hinaus erhielt das „Patenkind Stadtbad“ der Stadtwerke Döbeln eine Verjüngungskur, da es, an der Mulde liegend, sehr stark unter der Flut 2002 gelitten hatte. Seit April 2003 können sich die Badbesucher im sanierten Becken des Hallenbades tummeln und in dem umgestalteten Saunabereich relaxen. Auch das bereits im Juli 1995 neugestaltete Freibad mit 70-Meter-Rutsche, Whirlpool und kleinen Wasserspielen konnte erfolgreich von den Hinterlassenschaften der Flut befreit werden.
Im August 2012 war Baustart für die Errichtung eines neuen Lehrschwimmbeckens im bisherigen ungenutzten Innenhof des Stadtbades. Diese ergänzende Maßnahme ist ein gutes Beispiel für eine maßgerechte und effektive Ausnutzung sich selbst erarbeitender Möglichkeiten, ohne in geldschluckende und überdimensionale Form heutiger „Spaßbäder“ zu verfallen.

Sitz der Stadtwerke in der Rosa-Luxemburg-Straße gleich neben dem Stadtbad.

Aus dem Geschilderten kann ersehen werden, dass alle drei Döbelner Jubilare zur Freude der Bürger auf einem guten Weg sind. Dies berechtigte sie, am 15. September 2012 auf der „Festmeile“ zwischen Stadttheater und Pferdebahnmuseum und auf der Pferdebahntrasse ausgiebig zu feiern. Petrus war gut gelaunt und die Besucher der Feststandorte ließen sich nur schwer zählen. Augen, Ohren und Gaumen der Gäste konnten überall umfassend verwöhnt werden. Allerorten waren Worte des Lobes und der Begeisterung zu hören.
Von früh bis spät zeigte man im Theater und bei den Pferdebahnern ein volles Programm. Eine Schilderung aller Programmangebote sprengt unseren Textrahmen unweigerlich. Während die Theaterleute und die Pferdebahner die Hauptakteure stellten, brachte sich der „Filius der Jubilare“, unsere Stadtwerke, vor allem als unterstützender Sponsor in den großen Festtag ein. Diese Wohltätigkeit im besten Sinne bleibt heute bei allen Festen unverzichtbar.

Sagt nicht doch der Volksmund schon immer treffend: „Ohne Moos – nix los!“ Bei aller Freude und Zufriedenheit bleiben naturgemäß bei Menschen im Besonderen Wünsche und Träume offen. Während man im Theater auf eine gute 140. Spielzeit mit vielen Programmangeboten baut und mit einem nicht versiegenden Zuschauerstrom rechnet, hat bei den Pferdebahnern ein Wunschtraum neue Hoffnung geweckt.
Um den unübersehbaren Nutzen der Pferdebahn noch weiter zu optimieren, wäre eine Verlängerung der Strecke um „schlappe“ 100 Meter vom „Alten Amthaus“ auf dem Obermarkt durch die Kirchgasse bis auf den Lutherplatz optimal. Dort bieten St. Nicolai, Schlossberg und Färberhäuser beste Angebote für noch mehr Besucher in unserer Stadt. Und wie man hören konnte, hat man im Rathaus „wohlwollend“ reagiert, so dass wir in „guter Hoffnung“ sein können.

Gerhard Heruth
"Traditions- und Förderverein Lessing-Gymnasium Döbeln" e.V.
Mitgliederinformation Nr. 43
Dezember 2012