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Denkmäler

Vor hundert Jahren fand der Erste Weltkrieg sein Ende. Er forderte unter den Soldaten fast zehn Millionen Todesopfer und etwa 20 Millionen Verwundete. In ganz Europa ist man schockiert von diesem verheerenden Ausmaß der Vernichtung. Auch in Döbeln hatten viele Familien den Sohn oder den Vater verloren. Um der Gefallenen zu gedenken, wurden in verschiedenen Stadtteilen Denkmale errichtet. Einige von ihnen sind erhalten, andere wurden im Verlauf der weiteren Geschichte wieder abgetragen. Schüler des Leistungskurses Geschichte haben sich unter Leitung ihrer Lehrerin Katrin Niekrawietz das Ziel gesetzt, die Geschichte dieser Denkmale in Döbeln zu erforschen. Unterstützt von den Döbelner Heimatfreunden entstand eine beeindruckende Arbeit, die hier erstmals in Auszügen vorgestellt wird.

Die Döbelner Heimatfreunde unterstützten die Schüler des Gymnasiums bei ihrem Forschungsprojekt.

Emma Grimme: Das Döbelner Nagelwappen

In den Jahren 1915 und 1916 fanden in Österreich–Ungarn und im Deutschen Kaiserreich zahlreiche Kriegsnagelungen statt, um die Heimatfront und den Durchhaltewillen der Bürger während des Ersten Weltkrieges zu stärken. So auch in Döbeln. Der Stadtverordnetenvorsteher und Rechtsanwalt Max Adler bemühte sich seit September 1915 um die Entstehung eines solchen Nagelwappens.

In einem Schreiben an den Stadtrat genehmigt die Königliche Kreishauptmannschaft am 22. Oktober 1915, zunächst auf die Zeit bis Ende Dezember 1915, dass Max Adler zu Gunsten der Unterstützung bedürftiger Krieger, Kriegerwitwen und -waisen die Nagelung eines Schildes mit dem Döbelner und dem sächsischen Wappen vornehmen darf.

Döbelner Nagelwappen

Es wurde ein Ausschuss gebildet, bestehend aus Zigarettenfabrikant Barthel, Kassierer Weißenborn, Porzellanmaler Stein und dem Redakteur des Döbelner Anzeigers Zscherpel. Später kam noch Stadtbaumeister Richter hinzu. Dieser Ausschuss holte Kostenvoranschläge ein und übertrug schließlich die Ausführung der Dresdner Firma G. Udluft & Hartmann.

Das Wappenbild wurde in groben Umrissen auf Lindenholz vorgezeichnet und die Punkte für die Einschlagnägel markiert. Dazu wurden Nägel in fünf verschiedenen Farben und Preislagen angeboten. Gegen Entrichtung einer Spende durften Bürger einen Nagel in das Holz schlagen. Der Erlös war für die Unterstützung bedürftiger ortsangehöriger Kriegsteilnehmer, die sich auf Heimaturlaub befinden, Kriegerwitwen und -waisen bestimmt.

Das Kriegswahrzeichen ist 1,20 m hoch und 0,75 m breit. Es hat eine geschweifte Form mit erhöhtem Rand. Die Umrahmung des Wappens und Teile der drei Torbogen wurden mit schwarzen Nägeln für jeweils 50 Pfennig benagelt, die Mauern der drei Türme mit grauen Nägeln für je 1 Mark und die Dächer und Fahnen mit roten Nägeln für je 3 Mark. Goldene Nägel wurden für den Hintergrund und freie Flächen verwendet und kosteten pro Stück 75 Pfennig. Am teuersten waren die 60 bis 70 Buckelnägel zum Preis von 6 Mark, mit welchen die schwarze Umrandung des Wappens verziert wurde. Alle Spenden trug man in ein Ehrenbuch ein, welches das Stadtmuseum erhielt.

Die erste Nagelung und somit die Weihe dieses Kriegswahrzeichens erfolgte am Sonntag, den 30. Januar 1916, 11 Uhr vormittags auf dem mit Flaggen geschmückten Obermarkt. Das Stadtwappen war vor dem Bismarckdenkmal aufgestellt. Teilnehmer an der Feier waren die Spitzen aller hiesigen Behörden, Mitglieder der städtischen Körperschaften, das Offizierskorps der drei Bataillone mit Herrn Generalmajor de Vaux an der Spitze, die evangelische und katholische Geistlichkeit, Vertretungen des königlichen Realgymnasiums und der städtischen Schulen, Abordnungen der hiesigen Vereine und Innungen, Damen und Herren der Bürgerschaft und zahlreiches Publikum.

Detailaufnahme des Döbelner Nagelwappens

Bis zur Fertigstellung des Nagelwappens wurde es im Rathaus in der Halle des ersten Stockwerkes aufgestellt und war von 10.30 Uhr bis 12.30 Uhr und von 14.30 Uhr bis 16.30 Uhr den Besuchern zur Nagelung zugänglich. Die Beaufsichtigung des Wappens während dieser Zeiten erfolgte durch junge Mädchen. In der übrigen Zeit wurde das Wappen durch einen Umhang verhüllt. An Sonntagen bei schönem Wetter wurde das Nagelwappen während der Platzmusik vor dem Bismarckdenkmal aufgestellt. Jedoch mussten immer wieder Fristverlängerungen beantragt werden, da das Wappen noch nicht vollständig benagelt war, dies ist mit der allgemeinen Notsituation zur Zeit des Ersten Weltkrieges zu begründen. Die Döbelner Einwohnerschaft sei außerordentlich belastet und empfinde eine allgemeine Teuerung von Konsumgütern.

Die Schlussnagelung fand schließlich am 21. Mai 1916 statt, damit war das Kriegswahrzeichen fertiggestellt. Am 25. Mai 1916 wurde das Wappen mit dem Geld im Sitzungssaal des Rathauses an Stadtrat Dr. Mosebach übergeben. Der Reinerlös betrug 4345 Mark und 14 Pfennige. Dieser Ertrag floss der Stadtbehörde zur Unterstützung bedürftiger Kriegerfamilien zu. Das Nagelwappen wurde in der Eingangshalle im Aufgang des Rathauses angebracht.

Max Adler äußerte an diesem Tag auch die Absicht, später noch das sächsische Staatswappen zu Gunsten des „Heimatdankes Döbeln“ nageln zu lassen. Es sollten Friedensnägel eingeschlagen werden, als Erinnerung an Söhne der Stadt Döbeln, die auf dem Felde der Ehre gefallen seien. Allerdings kam dieses Vorhaben nicht zur Ausführung.

Für den Verbleib des Wappens von 1945 bis 1990 gibt es keine Angaben. Nach 1990 hing es an der Wand des großen Sitzungssaales im Rathaus. Seit November 2014 ist es in der zweiten Etage des Rathaustreppenhauses zu finden, leider wurde das Nagelwappen übermalt. Dadurch sind die ursprünglich farbigen Nägel nicht mehr erkennbar.

Lisa-Marie Kramer: Kriegerdenkmal am Geyersberg

Die Döbelner galten stets als eifrige Denkmalsbauer und Denkmalsstürmer. Mit dem ehemaligen Kriegerehrendenkmal auf dem Geyersberg schuf der Döbelner Bildhauer Otto Rost 1922 das größte dieser Art, welches je in Döbeln existierte. Nach der deutschen Niederlage im Ersten Weltkrieg entstand erst in den 1920er Jahren das Bewusstsein dafür, Kriegsgefallene würdig ehren zu müssen. Die belastende Kriegsschuld und die Ausmaße des Krieges, welche die soziale und wirtschaftliche Situation maßgeblich prägten, machten ein vorheriges Handeln unmöglich.

Stadtansicht Döbelns mit dem Kriegerdenkmal auf dem Geyersberg im Vordergrund.

Obwohl das Denkmal unter ungeklärten Umständen nach 1970 abgerissen wurde, ist und bleibt es für Döbeln und seine Geschichte von großer Bedeutung und so gilt es als „kleines Wunder“, dass 44 Jahre nach seinem Abriss letzte Bruchstücke wiedergefunden wurden. Ein Anstoß also sich zu erinnern und der Geschichte eines steinernen Zeitzeugen auf die Spur zu gehen.

Schon seit Ende des 18. Jahrhundert war Döbeln eine Garnisonsstadt. Das Leben und Wirken der Soldaten in und außerhalb der Quartiere prägte schon damals die Stadt- und Zeitgeschichte und somit die Art und Weise des Gedenkens. Von 1887 bis 1918 galt Döbeln als Garnison des 11. Königlich-Sächsischen Infanterieregiments Nr.139, welches sich im Ersten Weltkrieg an Kampfhandlungen in Nordfrankreich und Flandern beteiligte. Auch nach Ende dieses Krieges blieb die Garnison erhalten.

Im späteren zeitgeschichtlichen Verlauf existierte in Döbeln das Bataillon des Regiments Nr. 37 der neuformierten Reichswehr, welches später als Ausbildungsbataillon des Infanterieregimentes 11 diente. 1935 wurde Döbeln zum Standort des 1. Bataillons des Infanterieregimentes 101, mit Stab in Leisnig. Dieses zog im Rahmen der 14. Infanteriedivision in den Zweiten Weltkrieg und wurde unter anderem in Belgien, Frankreich und Sowjetrussland eingesetzt. Besonders ab 1941 hatte man mit besonders hohen Opferzahlen umzugehen. So forderte auch ein zweiter verlorener Krieg, selbstverständlich in einem ganz anderen Kontext, eine andere Art des Gedenkens durch die einheimische Bevölkerung.

Dass die Ansichten und Denkmalskultur von der jeweiligen Staatsform, insbesondere deren Werten, abhängig sind, verdeutlicht das Kriegerehrendenkmal auf dem Geyersberg sehr deutlich.

Von der Idee bis zur Weihefeier

Die Idee zur Errichtung eines Kriegerdenkmals zur Ehrung der im Ersten Weltkrieg gefallenen Döbelner hatte erstmals der Juwelier Johannes Johnson im Januar 1921. Zu Intentionen seinerseits gibt es jedoch keine Angaben. Nachdem dieser Vorschlag an die Stadtverordnetenversammlung weitergetragen wurde, setzte sich General Einert dafür ein, verschiedene Gremien zur Umsetzung dieses Vorhabens aufzustellen. Daher lud er am 19. März 1921 zu einer Sitzung ein, wobei grundlegende Festlegungen bereits im Vorfeld getroffen wurden. So standen beispielsweise die Standortvorschläge Wettinplatz, Leipziger Straße und Schillerhöhe zur Auswahl, während der den Auftrag erhaltende Bildhauer Otto Rost wohl schon feststand. Neben ihm lud man unter vielen Anderen den damaligen Bürgermeister Müller, Pfarrer Keller, Stadtbaurat Richter und Oberst von Süßmilch ein, um das weitere Vorgehen zu besprechen.

Der Bürgermeister teilte mit, dass die städtischen Kollegien bereit seien, das erforderliche Gelände freizugeben und die Kosten für Untergrundarbeiten und gärtnerische Anlagen zu übernehmen.

Dennoch war die weitere Finanzierung auch von der Spendenbereitschaft der Döbelner Bürger abhängig, welche beispielsweise durch folgenden Aufruf gestärkt werden sollte:

Der Aufruf half. 80 000 Mark sammelen die Döbener für den Bau des Denkmals.

Dass diese Bereitschaft bei den Döbelnern sehr groß war, zeigte sich bei dem Spendenertrag eines Beethovenkonzertes des Döbelner Chorgesangvereines im Schützenhaus, bei welchem über 80 000 Mark zusammenkamen.

Ab Juli 1921 stand nun auch der Geyersberg oberhalb des Steinbruchs als möglicher Standort zur Debatte, da die Denkmalsanlage die größte Döbelns werden sollte und der unbebaute Geyersberg dafür alle Voraussetzungen erfüllte. Auch drei verschiedene Modelle des Bildhauers Rost standen zu dieser Zeit zur Auswahl. Jedoch geht aus zahlreichen Dokumenten eine gewisse Uneinigkeit zwischen den Verantwortlichen in Fragen der Gestaltung, Material, den anfallenden Kosten und sogar einer möglichen Wettbewerbsausschreibung zur Gestaltung des Denkmals, als Alternative zu dem kostenintensiven Angebot Rosts hervor.

Trotz der Tatsache, dass noch ein paar Unklarheiten bestanden, kam es am 28. August 1921 zur feierlichen Grundsteinlegung. Da dieser Tag gleichzeitig der Regimentstag des 139. Infanterieregiments war, verband man beide Anlässe. Dabei schien es dem Bürgermeister Müller ein Anliegen zu sein, dass „[…]die Grundsteinlegungsfeier auf dem Geyersberg kein militärischer Akt, sondern eine Weihestunde für die gesamte Bürgerschaft Döbelns und die erschienen auswärtigen Gäste sein [soll]“.

So wurde die Grundsteinlegung durch einen Festzug des Ausschusses des 139er Regiments, vorbei an bestehenden Denkmälern, dem Parkfriedhof und einer abschließenden Kranzniederlegung ergänzt. Im März 1922 genehmigte der Gesamtausschuss schließlich die Errichtung des Denkmals aus Rochlitzer Porphyr, sodass man am 15. September 1922 mit dem Aufbau des Denkmals, unter der Leitung von Otto Rost beginnen konnte. Vorangegangen war diesem Schritt eine Begutachtung durch die Landesberatungsstelle für Kriegerehrungen. Dieses Werk ist sein bis dahin größtes gewesen und so erhielt er Unterstützung von Architekt Franz und Bildhauer Hempel. Zu berücksichtigen ist, dass man mit der Errichtungszeit in eine schwierige wirtschaftliche Lage geraten war, denn ab 1922 prägten Warenmangel und eine steigende Inflation das Zeitgeschehen. Aus der Jahreschronik von 1922 und 1923 geht hervor, dass sich die Inflation in allen Bereichen der Wirtschaft, des Geschäftslebens der Stadt und nicht zuletzt auch bei den Bürgern auswirkte. So stieg der Goldmarkkurs bis zum 15.11.1923 auf über 200 Milliarden Papiermark.

Obwohl die Weihezeremonie des Denkmals im Rahmen der Wiedersehensfeier der 139er schon am 24. September 1922 erfolgen konnte, hatten diese Umstände einen Einfluss auf die Stimmung in der Stadt und erschwerten die Finanzierung des Denkmals, welche durch einen fehlerhaften Kostenanschlag Rosts unterschätzt wurde.

Die Endkosten des Denkmals beliefen sich auf rund 967.300 Mark, wobei Rost einen Teil der Kosten aufgrund seiner Fehlkalkulation selbst tragen musste. Eine besondere Würdigung erlangte das Denkmal und somit auch Otto Rost durch die Fertigung geprägter Porzellan-Münzen seines Werkes in der Porzellanmanufaktur Meißen. Die Verkaufserlöse wiederum kamen dem Denkmalsfond zugute, was angesichts der Geldentwertung hilfreich war.

Nachträglich wurde dem Denkmal im Jahr 1924 ein Heldenbuch der gefallenen Soldaten des Infanterieregiments 139 zugefügt, da es aufgrund der großen Opferzahlen nicht möglich war, diese auf dem Denkmal zu verewigen.

Drei historische Ansichten des heute nicht mehr existenten Denkmals auf dem Geyersberg.

Die Denkmalsanlage

Auf einem Sakrophag als Unterbau bildet ein Obelisk aus Porphyrblöcken den Mittelpunkt der Anlage. In diesen eingehauen ist die Kolossalgestalt eines deutschen Soldaten mit leicht gesenktem Kopf, Mantel und Stahlhelm, während er die Hände auf den Lauf eines Gewehres gestützt hat. Modell stand dafür der Sohn des Gärtnereibesitzers Dietze, Unteroffizier Dietze. An beiden Seiten war jeweils eine Frau zu sehen, auf der einen Seite eine trauernde Frau, welche stellvertretend für das trauernde Volk steht, und auf der anderen Seite eine Frau mit einem Kleinkind, welche als Hoffnungsträgerin gelten kann.

Auf einer vorgelagerten Steinplatte war die Widmung „ Den gefallenen Helden des Inf.-Regts. und der Stadt in einmütiger Dankbarkeit. 1914-1918“ zu lesen. Imposanter erschienen jedoch die in Stein gehauenen Ludendorff-Worte: „Die Toten führen zum Aufstieg“, welche möglicherweise Anlass für den späteren Abriss waren.

Das Denkmal, welches laut Aussagen von Zeitzeugen, vom Sockel bis zum Ende der Stehle, mindestens fünf Meter gemessen haben muss, hatte zu dieser Zeit für die Bevölkerung Döbelns und die Angehörigen der Gefallenen eine große Bedeutung des Gedenkens.

Von der Denkmalspflege bis zum Abriss

Bedauerlicherweise erhielt das Denkmal keine Würdigung von langer Dauer. Es wurden Mahnungen an Eltern und Erzieher verhängt, da Kinder die Denkmalsanlage als Spielplatz nutzten. 1938 erwägt der Städtische Baurat, „das Ehrenmal an einen besseren Platz zu verlegen und dabei eine Verbindung mit dem Urnenhain des Krematoriums“ herzustellen. 1939 kam auch der Wettinplatz wieder als geeigneter Standort in Betracht. Die Akte des Denkmals endet abrupt und über das weitere Bestehen der Gedenkstätte bis zu seinem Abriss fehlen jegliche Dokumente. Man kann davon ausgehen, dass das Denkmal in den 60er Jahren, vor dem Hintergrund der DDR-Regierung und des Umgangs mit dem Ersten Weltkrieg, immer mehr an Bedeutung verlor. Keiner kümmerte sich mehr um die Pflege der Denkmalsanlage, umstehende Bäume wurden heimlich zu Brennholz umgesägt, teils soll sogar Baumaterial am Denkmal abgetragen worden sein.

Ende der 60er Jahre gab es eine Kampagne in der Leipziger Volkszeitung gegen das Denkmal, bei welcher die Bürger angeblich den Abriss forderten. Der Vorwurf lautete „Verhöhnung“ der Opfer durch die Sockelaufschrift mit dem Zitat von General Erich Ludendorffs „Die Toten führen zum Aufstieg“. Man wartete schließlich den Tod Rosts ab, um noch im selben Jahr 1970 das einst zur Würdigung zahlreicher Gefallener errichtete Ehrenmal durch NVA-Soldaten entfernen zu lassen. Die steinernen Überreste wurden auch nicht sorgfältig aufbewahrt und so lagen sie laut Aussagen eines Zeitzeugen längere Zeit an einer Mauer in der Nähe des Krematoriums.

Durch NVA-Soldaten wurde das Denkmal 1970 entfernt.

Dass die Steine im Jahr 2014 zufällig wiederentdeckt wurden, grenzt an ein kleines Wunder. Die Bruchstücke lagen mittlerweile auf dem ehemaligen Kasernengelände, welches vom städtischen Bauhof genutzt wurde. Der Tipp über den Lagerort der Überreste kam damals von Rene Eichelmann, welcher daraufhin das Stadtarchiv und das Döbelner Stadtmuseum informierte. Ein Wiederaufbau des Denkmals wäre ihm zufolge jedoch nicht mehr zeitgemäß und würde wohl auch an der Finanzierung scheitern.

„Politik ist oft stärker als Kunst, auch wenn Politik selbst meist viel kürzer überlebt“, so heißt es in einer Sammlung zu Otto Rosts Werken und seinem Wirken.

Trotz des Abrisses werden die Angehörigen die Geschichten ihrer Verwandten in Ehren halten und an die Nachwelt weitergeben. Nachfahren- oder gar Zeitzeugengespräche im Unterricht wären dabei ein gelungener Ansatz.

Der Zeitzeuge Waldfried Rödel erinnerte sich noch genau, wie die Anlage und das Umfeld damals ausgesehen haben. Manche seiner Kindheitserinnerungen verbinden sich damit:

„Über einen geschlängelten Weg gelangte man vom unteren Steinbruchgelände aufwärts, vorbei an Gruppen von Fichten und Wiesenhängen. Auf der Straßenseite des Steinbruchs verlief ebenfalls zwischen den schon großen Laubbäumen ein etwas steiniger Weg in die Höhe. Oben angekommen stand man vor der schönsten Denkmalanlage Döbelns, errichtet zum Gedenken der Gefallenen des Ersten Weltkrieges. Der Obelisk aus Rochlitzer Porphyr zeigte auf drei Seiten Bildnisse: einen Soldaten, eine trauernde Mutter und Frau mit Kind. […] Hinter dem Denkmal erstreckte sich ein großer Platz mit Ruhebänken. Hier durften sich Kinder nur in Begleitung Erwachsener aufhalten.

Chantal Elfert: Felix Gleisberg

Kriegsopfer und Teil der regionalen Erinnerungskultur

Geboren wurde der Sohn des Döbelner Metallwarenfabrikanten Moritz Emil Gleisberg am 22. November 1890 in Döbeln und erhielt die Vornamen Felix Albert.

Er wohnte gemeinsam mit seiner Mutter Lina Marie Johanna Gleisberg und seiner Schwester Margarete bei seinem Vater in der Salzgasse 11.

Über seinen Bildungsweg ist leider nur bekannt, dass er zu Ostern im März 1902 mit elf Jahren auf das Königliche Realgymnasium in Döbeln wechselte. Zu seinen schulischen Leistungen gibt es aus dem Jahr 1906 erhaltene Aufzeichnungen im „Censur-Buch für die Obertertia“, das ist die Jahrgangsstufe 9. Gleisbergs Klassenlehrer Prof. Dr. Stiehler, der ihn ebenfalls in Englisch und Französisch unterrichtet, notiert allein in diesem Jahr 14 Einträge im Notenbuch und vergab die schlechtesten Fleiß- und Betragensnoten. Mit einem Notendurchschnitt von 2,75 war Felix Gleisberg ein eher mittelmäßiger Schüler. Dies zeigten später auch die Prüfungsergebnisse der „außerordentlichen Reifeprüfung“, auch Notprüfung genannt, an welcher er 1911 teilnahm. Wie auch Pfarrer Keller in der Trauerrede später ausführte, war Felix Gleisberg einer der Ersten, die sich freiwillig zum Kriegsdienst meldeten. Die Prüfung, an der insgesamt zehn Schüler teilnahmen, schloss er mit der Note drei ab und er verließ das Gymnasium am 29. September 1911, an Michaelis.

Seinen Beruf als Ingenieur gibt er zu Kriegsbeginn auf und wird schließlich Leutnant des Reserve-Infanterie-Regiments 139. Verwundet kehrt er nach Döbeln zurück. Zu eben dieser Zeit wurde auch die erste Beerdigungsfeier auf dem neu gegründeten Kriegerehrenplatz auf dem Niederfriedhof abgehalten. Felix Gleisberg war dabei der Erste, welcher die „militärischen Ehren“ erhält. Kurze Zeit später zieht es ihn wieder in den Krieg. Gleisberg, nun Kompanie-Führer in einem Ersatz-Regiment, beschreibt seiner Familie in Briefen oft seinen Kameraden und Burschen Walter Polster mit „echter deutscher Mannestreue“. Und eben diese Mannestreue machte die Geschichte der beiden Soldaten unvergessen.

Grabmal auf dem Niederfriedhof.

Das Ende Gleisbergs und Polsters

Am 06. Mai 1915 steht die Kompanie der beiden Soldaten bei Roszkowa Wola, im heutigen Polen, nahe dem Fluss Pilica. Gleisberg und sein Bursche Walter Polster befinden sich auf vorgeschobenem Posten, als Leutnant Felix Gleisberg einen tödlichen Lungenschuss erlitt und starb. Seinen Leichnam bergend, wird auch Polster, welcher sich über Gleisberg beugt, von einem Geschoss tödlich getroffen. Felix Albert Gleisberg stirbt mit nur 24 Jahren. Walter Polster ist sogar nur 19 Jahre alt.

Auf einer Geschäftsreise will Emil Gleisberg seinen Sohn besuchen, kann allerdings nur noch dessen und Polsters Überführung nach Döbeln veranlassen. Rund einen Monat später treffen die Leichname in Döbeln ein und werden am Mittwochnachmittag des 10. Juni 1915 um 17.00 Uhr auf dem Niederfriedhof beigesetzt. Berichtet wird von einer außergewöhnlich großen Beteiligung an der Trauerfeier, insbesondere die Teilnahme der Schülerschaft des Königlichen Realgymnasiums mit der Schulfahne wird gewürdigt.

Felix Gleisberg erhält postum das Ritterkreuz Zweiter Klasse des Albrechtsordens mit Schwertern und Walter Polster die Friedrich-August-Medaille. Zudem erhalten beide das Eiserne Kreuz Zweiter Klasse.

Das Grabmal Gleisbergs

Das vom Döbelner Bildhauer Prof. Otto Rost geschaffene Grabmal ist auch heute noch im oberen Teil des Niederfriedhofes zu sehen. Dargestellt sind zwei Soldaten mit Stahlhelm; Gleisberg und Polster. Einer der beiden liegt mit schmerzverzerrtem Gesicht, während sich der andere Soldat über ihn beugt und versucht zu helfen.

Detailaufnahme des Grabmals.

Die Darstellung zeigt also den Moment vor Polsters Tod. Das Grabmal kennzeichnet heute die Stelle an der die beiden Gefallenen nebeneinander bestattet wurden.

Auch heute finden sich noch Zeichen der Erinnerung in Form von Kerzen und Kränzen, welche am Grabstein niedergelegt werden. Die Grabinschrift lautet: „Ich hat einen Kameraden“ und auf der Rückseite steht der Satz „Sie stürmten-siegten und fielen für uns“. Das Mahnmal wurde von der Familie Gleisberg in Auftrag gegeben, von denen es heute keine bekannten Nachfahren mehr gibt, so dass das Grab von der Stadt Döbeln gepflegt wird.

Exkurs: Otto Rost

Während sich ein Denkmal nicht den jeweiligen Staatsideologien der wechselnden politischen Machthaber anpassen kann, gelang es Otto Rost beispielslos.

Der am 16. Juni 1887 in Keuern bei Döbeln geborene Bildhauer durchlebte vier Staatsformen. Geboren wurde er als Sohn einfacher Arbeiter im Königreich Sachsen. Das Interesse Rosts an der Kunst wurde durch einen Besuch im Arbeiterfortbildungsverein in Döbeln gestärkt und so begann er seine künstlerische Ausbildung an der Kunstgewerbeschule in Dresden. Dank eines Stipendiums der Stadt Döbeln gelang ihm der Abschluss an der Kunstschule unmittelbar zu Beginn des Ersten Weltkrieges. Er bestritt einen freiwilligen Militärdienst, wurde dann vom Dienst freigestellt und konnte so im Jahr 1916 sein Studium bei Prof. Georg Wrba beginnen. Dieser galt als einer der bedeutendsten deutschen Bildhauer des 20. Jahrhunderts. Nach einer Unterbrechung durch Fronteinsatz und Gefangenschaft in Frankreich konnte er 1919 sein Studium fortsetzen.

Nun stellte die Weimarer Republik den Rahmen für sein künstlerisches Betätigungsfeld dar. Trotz der aufkommenden künstlerischen Moderne erhielt er zu dieser Zeit eine solide handwerkliche Ausbildung im alten Stil. In dieser Zeit entstand nun auch sein bis dahin größtes Werk, das Kriegerehrendenkmal in Döbeln, aber auch viele weitere Arbeiten von ihm sind in der Stadt zu finden, so auch die Plastiken vor dem Döbelner Stadtbad.

Seine wirtschaftliche Lage verbesserte sich in Zeiten der NS-Regierung, dort erhielt er zahlreiche Staatsaufträge, was auf seinen NSDAP-Beitritt im Jahr 1933 zurückzuführen ist. Während dieser Zeit arbeitete er als Lehrer für Bildhauer an der Kunstakademie in Dresden. Diese wurde im Zuge der Bombardierungen zum Ende des Zweiten Weltkrieges zerstört.

Dass er sich stets politisch anpasste, um seine künstlerische Tätigkeit fortsetzen zu können, wird auch während der sowjetischen Besatzungszeit und in der DDR deutlich. Von der sowjetischen Besatzungsmacht erhielt er viele Aufträge für Ehrendenkmäler.

Im Alter von 72 Jahren kehrte er in seine Heimatstadt Döbeln zurück. Dort wurden ihm im Feierabendheim in der Nordstraße und mit einem eigenen Atelier im Rathaus günstige Bedingungen für einen Ausklang seiner Karriere geboten.

Elaine Tichy: Denkmal für die gefallenen Turner

„Denkmalweihe. Wer am Sonntag Vormittag seinen Weg nach dem Bärental nimmt, wird Musik und Gesang […] vernehmen. Auf dem Turnplatz aber findet eine weihvolle Feier statt“.

Mit diesem Artikel kündigt der Döbelner Anzeiger und das Tagesblatt die Weihung eines Denkmals auf dem Turnplatz der Bärental-Turnhalle in Döbeln an. Im Rahmen der 75. Jubiläumsfeier des Allgemeinen Turnvereins Döbeln soll am 03. September 1922 das Ehrenmal für die 70 gefallenen Turner aus Döbeln seine Bestimmung erhalten.

Turnhalle des Turnvereins Döbeln im Bärental um 1917.

Das Denkmal ist 3,80m hoch und hat einen Durchmesser von 4,40m. Sein Sockel besteht aus zwei steinernen Stufen von jeweils 20cm Höhe. Das Fundament ist einen Meter tief. Der Hauptteil des Denkmals besteht aus Porphyr. Es erinnert vom Aufbau her an eine Pyramide. Neben der Inschrift befinden sich das Eiserne Kreuz und das Turnzeichen mit Eichenlaub umrankt.

Skizzen des Denkmals nach einem Entwurf von Werner Retzlaff.

Kurz nach dem Ende des Ersten Weltkrieges gab es einen Aufruf des Allgemeinen Turnvereins Döbeln, welcher 1847 gegründet wurde. Folgendes schrieb der Turnrat im März 1922: „Heuer muss es wahr werden! Oft schon haben wir alle davon gesprochen. Auch wir wollen unseren Toten aus dem Weltkriege – 70 Döbelner Turnbrüder – ein [Ehrenmal] auf unserem Bärental-Turnplatz setzen. Turnbrüder, Turnschwestern, wir wollen sie nicht vergessen! […]. Durch Pflicht- und freiwillige Beiträge sollen die Mittel aufgebracht werden“. Daraufhin gründete sich ein Ausschuss, der für die Planung und Erbauung des Denkmals verantwortlich war.

Im Mai 1922 kam es erstmals zu einem gemeinsamen Treffen. Johannes Bose, Vorsitzender des Turnvereins, berichtete ausführlich über die Planung des Denkmals. Es erfolgte eine einstimmige Annahme aller, dass es einen Aufruf zur freiwilligen Mithilfe geben sollte. Außerdem wurden dem Turnrat sowie dem Ausschuss dann erstmals die Entwürfe für das Denkmal vorgelegt. In Folge dieses Treffens entschied man sich für den Entwurf vom Turnvereinsmitglied Architekt Werner Retzlaff.

Der Architekt Werner Retzlaff war selbst Mitglied im Turnverein. Sein Entwurf überzeugte und das Denkmal entstand nach seinen Plänen.

Werner Franz Ferdinand Retzlaff wurde am 19. April 1890 in Wiehle bei Bromberg geboren. Er studierte an der Hochschule für bildende Kunst in Dresden und schloss sein Studium erfolgreich als Diplom-Architekt ab. 1919 gründete er sein sehr erfolgreiches Architekturbüro mit Sitz in Döbeln sowie Leipzig und Berggießhübel. Seit 1919 war er Mitglied des Bundes Deutscher Architekten und trat in den darauffolgenden Jahren in die NSDAP ein. Retzlaff gestaltete 1922 den Entwurf für das Turner-Denkmal sowie zahlreiche weitere Entwürfe für Gebäude in Döbeln, z.B. die Schokoladenfabrik und das Centraltheater. 1939 siedelte er dann nach Berlin über und erstellte nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges Gutachten zu kriegszerstörten Gebäuden. Am 8. Februar 1960 verstarb Retzlaff in Berlin-West.

Insgesamt kam durch Spenden eine Summe von 528311,05 Mark zusammen. Für den Bau des Denkmals wurden jedoch nur 116873,60 Mark benötigt. Der Überschuss an Geld kam dem Allgemeinen Turnverein Döbeln zugute.

Im Juli 1922 wurde dem Bildhauer Diettrich die Aufgabe erteilt, die Schrift des Denkmals zu gestalten. Dieser besaß ein Bildhauer- und Steinmetzgeschäft in Döbeln und gehörte zu den Werkstätten für Denkmals-Kunst. Für die Inschrift gab es zwei Textvorlagen. Der Ausschuss entschied sich für: „Dem ehrenden Gedenken unserer siebzig gefallenen Turnbrüder. Den Lebenden zur Mahnung“.

In den darauffolgenden Tagen begannen die Bauarbeiten für das Denkmal. Baumeister Eulitz sowie zahlreiche freiwillige Helfer beteiligten sich am Bau. Turner und Turnerinnen begannen mit den Erdausschachtungen, der Herstellung des Fundaments, halfen beim Verladen und Abladen von Sand, Kies und Steinen und fuhren nach Rochlitz, um den benötigten Porphyr abzuholen. Viele verwendete Materialien stammten aus Döbelner Firmen oder wurden von ihnen gesponsert. So stellte z.B. Reinhold Wagner, dessen Blumen- und Gartengeschäft noch in weitergeführter Generation bis 2017 bestand, Grassamen zur Verfügung. Steine und Kies bezahlte Karl Clemen, der die Schokoladen-, Kakao- und Nährmittelfabrik besaß.

Vom 01.- 04. September 1922 fanden die Veranstaltungen anlässlich des 75. Jubiläums des Allgemeinen Turnvereins Döbeln statt. Am 03. September 1922 wurde dann das Ehrenmal geweiht. Ernst und feierlich fanden sich die Erwachsenen und Kinder am Turnplatz am Bärental ein. Pfarrer Hoffmann wurde damit beauftragt, eine Weiherede zu halten. Er würdigte in dieser den Frieden, ließ den Tod der Mitglieder zur Mahnung werden und erwartete eine Umsetzung in eine ergreifende Tat. Seine Rede beendete er mit den Worten: „Friede sei mit Dir, oh Du Ehren-Denkstein der Turngemeinde“. Nach der Weiherede wurden zahlreiche Kränze am Denkmal niedergelegt. Viele davon beinhalteten die Inschrift „Ihr starbt für uns“. Diese sollte den dankbaren Sinn aller, die die Weihstunde miterleben durften, widerspiegeln.

Das Turner-Denkmal heute. Seit 2000 wird die benachbarte Turnhalle nicht mehr genutzt. Momentan verfällt das Denkmal daneben leider Stück für Stück.

Seit dem Jahr 2000 steht die Bärental-Turnhalle leer. Das Denkmal existiert noch auf dem Gelände neben der Turnhalle. Es ist jedoch in Vergessenheit geraten und macht heute einen sehr verwahrlosten und traurigen Eindruck.

2014 wurde das Gelände von Herrn Marcel Schliebe gekauft. In der einstigen Turnhalle sollen nun im historischen Flair bis zu 36 Oldtimerfahrzeuge von privat untergestellt, gewartet und gepflegt werden. Die Zukunft des Denkmals ist jedoch immer noch ungewiss. Ihm sollte jedoch wieder mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden, damit den 70 gefallenen Turnern des Allgemeinen Turnvereins Döbeln weiterhin Ehre erwiesen werden kann.

Hanna Rose Bergmann: Ehrenmahl am Gymnasium

Als im Sommer 1914 der Erste Weltkrieg begann, bestand vielerorts an einem raschen und für das Deutsche Reich siegreichen Ausgang kein Zweifel. Die Kriegsbegeisterung führte dazu, dass sich in den ersten Kriegsmonaten viele Männer und auch Schüler freiwillig meldeten, um für ihre Heimat zu kämpfen. Jedoch dauerte es nicht lange, bis der Kriegsalltag immer stärker in das Leben der Zivilbevölkerung eingriff. Die ersten Gefallenen sind zu beklagen und die Hoffnung auf einen schnellen Sieg des Deutschen Reiches schwindet immer mehr. Zahlreiche Schüler waren nun der Gefahr ausgesetzt an die Front zu kommen.

Auch die Schüler des „Staats-Realgymnasiums und der höheren Landwirtschaftsschule zu Döbeln“ waren vom harten Kriegsalltag betroffen und wurden an die Front geschickt. Somit hat die Doppelanstalt, wie zahlreiche andere Schulen, auch Gefallene zu beklagen.

Zur Aufstellungsgeschichte des Ehrenmals

Anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Einrichtung kam es am 5. Juli 1919 zur Einweihung des Ehrenmals für die gefallenen Schüler der Schule. Diese fand unter großer Anteilnahme der Bevölkerung (1600 Gäste) statt.

Einweihung des Denkmals 1919

Das Ehrenmal wurde von ehemaligen Schülern der Doppelanstalt gestiftet und befindet sich links vor dem Haupteingang des Gymnasiums.

Der Architekt Franz Oswin Hempel
Der Architekt des Denkmals, Oswin Hempel, ist ebenfalls ein ehemaliger Schüler des „Staats-Realgymnasiums und der höheren Landwirtschaftsschule zu Döbeln“. Geboren am 13. Februar 1876 in Oberlützschera bei Döbeln und gestorben am 19. August 1965 in Dresden, war er ein deutscher Architekt und Hochschullehrer an der Technischen Hochschule Dresden.
Von Franz Oswin Hempel liegt eine Geburtsurkunde vom Standesamt Kiebitz vor, welche am 15. Februar 1876 verfasst wurde. Von dieser lässt sich entnehmen, dass seine Eltern Agnes Minna Hempel geb. Nietzsche und der Gutsbesitzer Hermann Franz Hempel waren. Beide gehörten der evangelischen Konfession an und waren wohnhaft in Oberlützschera Nr.3. Jedoch lässt sich aus einem Vermerk in der Geburtsurkunde erkennen, dass es nicht sicher gewesen ist, ob die Mutter Hempels auch wirklich bei seinem Vater wohnte. Weiterhin kann man aus ihr entnehmen, dass die Hebamme Hempels Franziska Erfurth geb. Tümmler gewesen ist, welche in Obersteina Nr. 23 wohnhaft war.
Weitere Vermerke geben außerdem auch Auskunft über die Eheschließungen Franz Oswin Hempels. Die erste Ehe wurde am 23. März 1912 in Dresden geschlossen und ist in einer Urkunde des Standesamtes Dresden XI Nr. 13 / 1912 vermerkt. Der Name der Frau ist nicht bekannt. Am 2. Juli 1859 wurde seine zweite Ehe mit Pauline Mather geb. Pass in Dresden geschlossen. Dies lässt sich auch in einer Urkunde des Standesamtes Ost Dresden unter der Nummer 454 / 1959 nachweisen. Ein weiterer Vermerk zeigt, dass sich seine Sterbeurkunde im Standesamt Mitte Dresden Nr. 1209 / 1965 befindet.
Franz Oswin Hempel ist mit der Nummer 1047 im Hauptbuch der Schule vermerkt und besuchte diese von Ostern 1886 bis Ostern 1892. Unter dem Stichpunkt „Bestimmung“, welcher angibt, welchen Beruf man später ergreifen möchte, ist der Landwirt angegeben. Unter dem Punkt „Bemerkung“ steht, dass er ein „Freiwilligenzeugnis“ erhalten habe.
Von Hempels Leben ist weiterhin bekannt, dass er ab 1897 Architektur an der Technischen Hochschule Dresden und an der Akademie der Bildenden Künste Dresden studierte. Unter anderen zählten Paul Wallot und Karl Weißbach zu seinen Lehrern. Außerdem absolvierte Hempel in München ab 1901 ein Malereistudium. In Dresden war er ab 1903 Mitarbeiter der Deutschen Werkstätten für Handwerkskunst. Ab 1904 arbeitete er als Assistent an der Hochbau-Abteilung der Technischen Hochschule Dresden. In dieser Zeit unternahm er zahlreiche Studienreisen, unter anderem nach England und Belgien. Ab 1907 lehrte er als Professor an der Technischen Hochschule Dresden und übernahm dort 1920 die Professur für Freihand-, Ornament- und Figurenzeichen von Fritz Schumacher.
Er wirkte bis 1945 als Professor an der Hochschule. Außerdem war Hempel Ehrendoktor der Technischen Hochschule Dresden und Mitglied im Deutschen Werkbund (DWB) und im Bund Deutscher Architekten (BDA).

Zu seinen Werken zählen unter anderem:

  • 1913: Villa der Textilfabrikanten-Familie Wolf mit Park in (Freital-)Hainsberg
  • 1914: architektonische Gestaltung des Schillerdenkmals auf dem Albertplatz
  • 1925-1930: Ehrenmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs auf dem alten Friedhof in Wurzen
  • 1927-1929: Apostelkirche mit Gemeindezentrum in Dresden-Trachau
  • 1934-1937: Holzhäuser in Hellerau
  • 1937: Mitarbeit an der Evangelischen Lutherkirche in Crimmitschau-Leitelshain
  • 1961-1962: Anstaltskirche des Diakonissenhauses in Dresden-Neustadt

Beschreibung des Denkmals
Das Ehrenmal, welches aus Sandstein besteht, ist aufgebaut aus fünf Tafeln, welche die Namen der gefallenen Schüler enthalten. Darüber befindet sich ein Gebälk, welches von zwei Säulen gestützt wird. Somit enthält das Denkmal architektonische Elemente aus der griechischen Architektur korinthischer Ordnung. Weiterhin sind aber auch typische Elemente des Jugendstils (ca. 1880 – 1920) zu erkennen, wie die Ornamente im oberen Teil der Sockel und am oberen Teil des Gebälks. Hier wurden außerdem zwei Figuren angebracht. Zum einen ein Engel, welcher eine Fackel hält und zum anderen ein Soldat, erkennbar an der Kopfbedeckung, welcher ein Schwert hält. Diese beiden Figuren stellen den Mut der Soldaten für das Heimatland zu kämpfen und das Gedenken an diese dar. Außerdem ist auch das Ehrenkreuz erkennbar, welches auf Bestreben des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg gestiftet wurde und die erste staatliche Auszeichnung zur Erinnerung an den Ersten Weltkrieg war. Des Weiteren kann man an der linken Außenseite den Namen des Architekten Franz Oswin Hempel erkennen.

Inhalt des Denkmals
Das Denkmal enthält die Namen aller gefallenen Schüler des „Staats-Realgymnasiums und der höheren Landwirtschaftsschule zu Döbeln“ von 1914 bis 1918. Insgesamt fielen 174 Schüler der Schule dem Ersten Weltkrieg zum Opfer.
1914 fielen 34 Schüler, 1915 27 Schüler, 1916 25 Schüler, 1917 28 Schüler und 1918 50 Schüler an der Front. Außerdem ist bekannt, dass 1915 insgesamt 352 Schüler und 1916 374 Schüler und zehn kriegsbeurlaubte Schüler an der Schule waren. Diese Zahlen sind im folgenden Diagramm dargestellt.

Ehrungen
Besonders in der Zeit der Weimarer Republik, aber auch später, war das Gedenken an die gefallenen Schüler der Schule ein fester Bestandteil im Schulalltag. Es gehörte zur Tradition, dass die Abiturienten nach bestandener Reifeprüfung in ehrendem Gedenken Kränze vor das Ehrenmal legten. Außerdem haben die seit 1991 wieder durchgeführten Vereinstreffen mit einer Kranzniederlegung vor dem Denkmal begonnen.

Erhaltung
Das Ehrenmal besitzt einen besonderen Stellenwert, denn es hat als einziges Gefallenendenkmal Döbelns die Zeitläufe überdauert, obwohl es auch Versuche der Beseitigung gab. Dies ist vor allem dem Verein „Ehemalige Realgymnasiasten … „ zu verdanken, welcher sich der Erhaltung des Ehrenmals angenommen hat. Auch Spenden vor allem aus den alten Bundesländern und die Unterstützung durch das Schulamt Döbeln und die Denkmalschutzbehörde Leipzig sorgten dafür, dass das Denkmal immer in einem ehrwürdigen Zustand erhalten blieb.

Einige Namen der gefallenen Schüler am Denkmal.

Die Bedeutung des Denkmals heute
Das Denkmal ist heute vor allem als Mahnmal zu verstehen. Es gibt Hinweise auf die gesellschaftlichen Hintergründe und wird so zum zeitgeschichtlichen Zeugnis. Der Betrachter wird dazu angehalten sich aktiv mit der Vergangenheit, im speziellen der des Gymnasiums, auseinanderzusetzen und über den dargestellten Inhalt des Denkmals nachzudenken. Besonders bei Ehrungen wird versucht den Bezug zu dem gegebenen Anlass und den davon betroffenen Opfern aufzuzeigen. So soll ein symbolischer Dialog zwischen dem mahnenden „Stein“ und jenen Bürgern, die sich bewusst zur Ehrung eingefunden haben, entstehen.

Ehrungen finden zum Vereinstreffen des Traditions- und Förderverein e.V. Ende September/ Anfang Oktober jeden Jahres und zu Jubiläen statt. Teil nehmen, dem Anlass entsprechend, angereiste Mitglieder des Vereins. Dazu kommen ehemalige Schüler, die an der Verleihung des Goldenen und Diamantenen Abiturs teilnehmen. Hinzu kommen weitere Gäste.

Zu den Ehrungen erfolgt eine Gedenkansprache, wo auf aktuelle Bezugspunkte in Verbindung mit dieser Ehrung hingewiesen wird. Danach erfolgt die Kranzniederlegung durch Mitglieder des Vorstandes. Das Gedenken an den Ersten Weltkrieg spielt somit im Traditions- und Förderverein des Gymnasiums noch immer eine Rolle.

Heute, einhundert Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkrieges und nach dem Zweiten Weltkrieg, steht neben der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit auch das Pflegen von Partnerschaften zwischen europäischen Staaten und auch Schulen im Mittelpunkt. Zu erwähnen ist hier der Besuch französischer Schüler aus Evron am Gymnasium. Vor einhundert Jahren wäre das undenkbar gewesen. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg hat es großer Anstrengungen bedurft, um das freundschaftliche Verhältnis zu entwickeln. Heute gestaltet die Partnerschaft von Paris und Berlin die europäische Idee.

Das Denkmal heute. (Feb. 2018)