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Bäder

Bad, Wein und Weib erquicken den Leib.

Wenn wir uns morgens im heimischen Bad den Schlaf vom Körper duschen oder dieses in einem öffentlichen Schwimmbad tun, so machen wir uns wohl kaum Gedanken darüber, dass diese wohltuenden Annehmlichkeiten noch gar nicht so lange für jedermann nutzbar waren.
Bildliche Darstellungen aus dem Mittelalter zeigen uns Damen und Herren in einem großen Holzzuber beim Baden, dabei vergnüglich dem Wein und leckeren Speisen zugetan. Dies dürfte wohl ein Privileg der Reichen gewesen sein. Man denke nur an das mühsame Heranschaffen des Badewassers in Eimern und Kannen und an die zeitraubende Erwärmung des Wassers über offenem Herdfeuer!

Der Döbelner Chronist Hingst berichtet von zwei Badestuben, die bereits in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts existierten und in denen sowohl gebadet als auch ärztlich versorgt wurde. Die obere Baderei befand sich gleich hinter der Stadtmauer am Obermühlgraben, die untere zwischen dem Niedertor und der Niederbrücke am niederen Mühlgraben. Sie gehörten wechselndem Stadtrat, der Kirche oder dem Kloster. In letzterem gab es sogenannte Seelbäder, die für arme Leute aus Geldspenden „Reicher Sünder“ finanziert wurden. Im übrigen dürfte wohl meist das Baden im Sommer in der Mulde bekannt gewesen sein.

Staupitzbad an der Töpfergasse
Staupitzbad an der Töpfergasse Ansichtskarte von 1874 (www.döbeln.de)

Staupitzbad

Auf dem Staupitzberg, wo heute bei Tanzveranstaltungen bestenfalls ein Schwitzbad erhältlich ist, gründete im Jahre 1862 Carl Gottlob Heerklotz das Bade-Etablissement „Staupitzbad“ für Kiefernadelextrakt-Dampfbäder und Warmwasserbäder nach irisch-römischer Art. Im Laufe der Jahre baulich erweitert und mit Gebäuden für Gastronomie und Unterbringung ausgestattet, zog es Kur- und Badegäste aus nah und fern an.
Vom angrenzenden Kur- und Konzertgarten bot sich ein herrlicher Blick über das romantische Muldental, wie es in einer Werbeschrift des Badbetreibers hieß. Übrigens wurde die Wasserversorgung dieses Bades durch Pumpen der Staupitzmühle gewährleistet.

Flussbäder

Ende des ausgehenden 19. Jahrhunderts entstanden mehrere Flussbäder an der Freiberger Mulde. So erhielt Louis Rößler, er betrieb später auch die Schiffsbrücke nach Sörmitz, die Genehmigung zur Einrichtung einer Muldenbadeanstalt zwischen Sörmitzer Wehr und Eisenbahnbrücke. Diese ab 1882 öffentliche Bade- und Schwimmanstalt oberhalb der Sörmitzer Mühle bestand viele Jahre. Die umfangreichen Holzbauten im und am Wasser fielen oft den Muldehochwassern zum Opfer, besonders dem damaligen Jahrhunderthochwasser 1897!

Städtisches Muldenbad in Sörmitz
Städtisches Muldenbad in Sörmitz 1914 (www.döbeln.de)

Oberhalb dieses Flussbades lag das Militärschwimmbad Döbelns nahe der Roßweiner Straße. Nach Gründung des Döbelner Schwimmverbandes DSV 05 im Jahre 1905 fanden dort oftmals Veranstaltungen mit Schau- und Wettschwimmen statt! Ein Jahr später entstand im Verein eine Damengruppe und an den Schulen wurde der Schwimmunterricht eingeführt. Im Jahre 1927 baute man auf der angrenzenden Liegewiese ein Kinderplanschbecken aus Beton in den Maßen 8x12 Meter, das mit Leitungswasser gefüllt wurde.

Muldenbad
Muldenbad Die Stelle des Döbelner Muldenbades heute

Dieses Becken war bis zum Jahrhunderthochwasser 2003 noch teilweise sichtbar, jetzt verdeckt es der angespülte Schlamm. Übrigens wurde etwas weiter „landeinwärts“ vor kurzer Zeit ein Sport-und Freizeitzentrum eingeweiht, wo in Saunen weiter geplanscht werden kann!

Der Stadtrat richtete 1868 unterhalb des Schießhauses (heute „Volkshaus“) am Weidigt in der Mulde einen Kinderbadeplatz ein. Zehn Jahre später berichtet die Chronik, dass dieser Badebereich mit Leinen und Strohwischen markiert und der Badebetrieb von einem Mann mit Dienstmütze beaufsichtigt wird. An diesem dem späteren Stadtbad gegenüberliegendem Platz durften Kinder bis zum Alter von 14 Jahren kostenlos baden.

Ein paar hundert Meter flussabwärts gab es am Burgstadel gegenüber dem Reichenstein einen weiteren Badeplatz. Aus dem Jahre 1919 wird berichtet, dass das Volksbad in Großbauchlitz zu getrennten Zeiten für weibliche und männliche Badegäste geöffnet habe. In dem Becken mit Holzwänden, gelegen am Mühlgraben der Bauchlitzer Mühle unterhalb der Schule, konnte sogar noch kurze Zeit nach dem 2. Weltkrieg „wild“ gebadet werden!

Stadtbad

Im Jahre 1899 wurde in der „Goldenen Sonne“ der Verein „Volksbad“ gegründet, der sich für den Bau eines ganzjährig nutzbaren Stadtbades für Döbeln einsetzte. Vorsorglich kaufte der Vorstand Bauland südlich der Thielestraße. Baupläne für ein prächtiges Bauwerk wurden erstellt, das Platz für ein Hallenbad, für Saunen, sowie für Wannen- und Kurbäder bieten sollte. Sogar Gastronomie und Übernachtungsmöglichkeiten für Kurgäste sah man vor.

Doch die Stadt kaufte das Bauland zurück und ließ darauf den Güterbahnhof Ost entstehen. Zwei Jahre zuvor im Jahre 1903 verlor man auch den Bauplatz am Niederwerder. Dort wurde eine sogenannte Kleinkinderbewahranstalt errichtet. Zum Vorhaben Stadtbad geschah dann Jahrzehnte nicht viel, außer dass am „Grünen Stiefel“ und am Leipziger Berg Licht-, Luft- und Sonnenbäder entstanden. Diese Entwicklung der Ereignisse ist vor allem der Jahre des l. Weltkrieges und der nachfolgenden Wirtschaftskrise geschuldet.

Anfang der dreißiger Jahre mehrten sich die Rufe nach einem Stadtbad. Ein zusätzlicher Grund war die Verschmutzung der Mulde durch die enorm wachsende Industrie. Als Bauplatz wurde die Becksche Aue am Elektrizitätswerk favorisiert.

Richtfest beim Bau des Hallenschwimmbades
Richtfest beim Bau des Hallenschwimmbades 1935 (www.döbeln.de)

Außen- und Innenansichten des Hallenbades 1936 (www.döbeln.de)

Im November 1934 begannen die Bauarbeiten und schon im Juli 1935 konnte Richtfest gefeiert werden. Und im Olympiajahr 1936 entstand der Bau komplett. Am 25. Oktober konnte der damalige Oberbürgermeister Dr. Gottschalk das Hallenbad seiner Bestimmung übergeben.

Schon von außen betrachtet machte das Bauwerk einen imposanten Eindruck. Ebenso überraschte die vielgestaltige Inneneinrichtung: Schwimmhalle mit 25-Meter-Becken, Dusch- und Umkleideräume in Vielzahl, ein umfangreiches Saunaangebot sowie Wannenbäder und eine große Abteilung für Physiotherapie.

Ebenso bemerkenswert die architektonische und künstlerische Gediegenheit im Ganzen und im Detail. Genannt seien hier nur der Döbelner Architekt Werner Retzlaff und der Künstler Otto Rost, dessen Skulpturen uns noch heute erfreuen!

Freibad

Wenige Jahre später begann der Bau des Gartenschwimmbades, auch Freibad genannt. Der Platz dafür bot sich auf dem Gelände hinter dem Hallenbad an. Hier wurde auch dank der großen Muldenlaufregulierung am nördlichen Bereich der Schießwiese (Steigerhausplatz) Land für das Bad gewonnen.

Freibad
Freibad (www.döbeln.de)

Im Juli 1939 konnte die prächtige Anlage mit einem Schwimmfest eröffnet werden. Ein 50-Meter-Becken für Schwimmer und Nichtschwimmer, Drei- und Fünf-Meter-Sprungturm sowie eine Rutschbahn und ausgedehnte Liegeplätze zum Sonnen ließen kaum Wünsche offen - und dieses über mehrere Jahrzehnte!

Sanierung von Frei- und Hallenbad

Als im Jahre 1993 die Stadtwerke Döbeln das Stadtbad unter ihre Führung nahmen, begannen größere Rekonstruktionsmaßnahmen zum Erhalt der Einrichtung. Neben Sanierungsarbeiten stand die komplette Modernisierung des Freibades an. Das Ergebnis dieser Bemühungen konnte im Juli 1995 bestaunt werden. 5000 Besucher zum Eröffnungsfest nahmen neue Attraktionen wie die 70-Meter-Rutsche, den Strömungskanal und die Wasserspiele in Besitz.
Im Jahre 1997 kamen neue Außenbereiche hinzu. Nachdem die Finanzierung geklärt war, begann 2002 die Umgestaltung des Hallenbades im Komplex: Neue Sauna, erweiterte Umkleidemöglichkeiten, Auskleidung des Beckens mit Edelstahl, Kinderbecken, Whirlpool, neue Wasser- und Lüftungstechnik, und und und..

Badfest des Lessing-Gymnasiums im Jahr 2011.

Das Hochwasser im August 2002 hielt die Arbeiten nachhaltig auf und verursachte neue Kosten. Doch im April 2003 wurden alle Anstrengungen belohnt mit der festlichen Wiedereröffnung des Hallenbades - von den Döbelner herbeigesehnt!
Was nun noch fehlt, ist ein frisches „Make-up“ für die Gebäudefassade. Doch wir kennen ja den altbewährten Ausspruch: Alles neu macht der Mai! In diesem Sinne kann man den Döbelnern stets eine Handbreit Wasser „unterm Bauch“ und ein feuchtes Vergnügen wünschen!

Gerhard Heruth
"Traditions- und Förderverein Lessing-Gymnasium Döbeln" e.V.
Mitgliederinformation Nr. 24
Mai 2003