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Seifenfabrik Hermann Otto Schmidt

Vorgeschichte

  • Hans Christian Schmidt (1690-1738) ist der erste Seifensieder der Familie Schmidt in Pößneck. Die Seifensiedekunst wird seitdem in der Familie von Generation zu Generation weitergegeben.
  • Der Vater Hermann Otto Schmidts, der später in Döbeln eine Seifenfabrik errichtet wird, Carl Hermann Schmidt (1812-1891) veredelt als erster seine Produkte mit importiertem Kokosöl. Auf der Pariser Weltausstellung 1855 erhält er dafür eine Preismedaille. Der herzogliche Hof in Meinigen machte ihn daraufhin zum Hoflieferanten.
  • Hermann Otto Schmidt wird am 22. Dezember 1847 in Pößneck geboren. Schön früh hilft er im Geschäft seines Vaters mit. Damit das möglich ist, lässt der Vater für seinen Sohn extra kleines Handwerkszeug anfertigen. Dass es nicht reicht, gute Seife herzustellen, sondern, dass man diese auch verkaufen muss, lernt er beim Besuch der bekannten Jahrmärkte in Altenburg. Hier finden die Produkte der Schmidts einen guten Absatz.
  • Nach der Schulzeit beginnt Hermann Otto Schmidt eine Seifensieder-Lehre und eine kaufmännische Ausbildung in Plauen/Vogtland. Danach begibt er sich auf Wanderschaft.
  • 1873 kehrt er nach Pößneck zurück und arbeitet einige Jahre im väterlichen Geschäft. Er heiratet Johanna Braun, die Tochter Eduard Brauns, der in Chemnitz eine Seifensiederei betreibt und hier sogar Stadtrat ist.
  • Die Krise der Tuch- und Lederbranche in Pößneck hat auch Auswirkungen auf die alte Seifensiederei Schmidt. Der Familienbetrieb wird aufgegeben.
  • Hermann Otto Schmidt wechselt zu seinem Schwiegervater nach Chemnitz, der in der Inneren Johannisstraße eine kleine Seifenfabrik betreibt.

Gründung der Firma in Döbeln

Firmengründer Hermann Otto Schmidt * 1847 | † 1927
  • 1876 übernimmt Hermann Otto Schmidt (geb. 22.12.1847 in Pößneck) die Seifensiederei von Eduard Lippmann am Niedermarkt 2. Die Bedingungen sind schwierig. Es existieren nur zwei Siedekessel mit direkter Feuerung. Als Kraftquelle kommt ein Gasmotor zum Einsatz. Schmidt verkauft anfangs seine Erzeugnisse im eigenen Ladengeschäft und auf regionalen Märkten. Tatkräftig unterstützt von seiner Frau, baut das Geschäft immer mehr aus, Arbeiter werden eingestellt, ein junger Kaufmann übernimmt den Vertrieb.
  • Zur Produktpalette gehören "Döbelner weiße Schmierseife" aus Leinöl und Hanföl sowie "Eschweger Seifen" aus tierischen Fetten, Kokos- und Palmöl. Im Wissen um die Reinigungswirkung von Terpentinöl und Salmiak wird die "Döbelner Salmiak-Terpentin-Schmierseife" erfunden. Sie entwickelte sich zum Verkaufsbestseller.
Werbeanzeige aus dem Jahr 1876
Etwas Seifensieder-Poesie gefällig? Lesen Sie das Gedicht "Der Seifensud zu Döbeln" (Abb.: ‘Der Seifensieder’, altkolorierte Lithographie b. Schreiber in Esslingen, 1855)
Erstes Geschäftshaus am Niedermarkt 2.
  • Am 07. Oktober 1890 wird die Döbelner Seifenfabrik ins Handelsregister eingetragen.
  • Die beengten Verhältnisse am Niedermarkt behindern immer mehr das Wachstum der Firma. Irrationale Ängste vor den Dämpfen, die bei der Seifenfabrikation entstünden, und daraus abgeleitete Forderungen der Gewerbe- und Baupolizei verzögern den Bau einer Fabrik von 1890 bis 1902.
  • Zur Gewerbe- und Industrieausstellung im Jahr 1893 steuert die Firma Schmidt ein beeindruckendes Ausstellungsstück bei. Man hatte das Kriegerdenkmal vom Döbelner Schloßberg, das an die Gefallenen des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 erinnerte, in Originalgröße aus Seife hergestellt. Das riesige Seifendenkmal wird prämiert.
  • Hermann Otto Schmidt hat zwei Söhne und zwei Töchter. Der älteste Sohn, Eduard Hans Schmidt (1874-1894), verunglückt zwanzigjährig tödlich im väterlichen Betrieb. Schwer beladen, soll er in der Siederei ausgerutscht und in einen kochenden Siedekessel gefallen sein. Auf seinem jüngeren Bruder Otto Fritz Schmidt (1878-1937) lastet seitdem das Wissen, dass er später den väterlichen Betrieb allein wird übernehmen und führen müssen. Vorab erwirbt er im In- und Ausland Wissen über moderne, industriell geprägte Seifenproduktion und über kaufmännische Grundlagen.
  • Ein schweres Hochwasser im Jahr 1897 flutet die Produktionsräume am Niedermarkt, sorgt für monatelangen Produktionsausfall und große Verluste. Der Firmengründer lässt sich nicht entmutigen und die Firma erholt sich schnell wieder.
Werbeanzeige aus dem Jahr 1914
  • In den Jahren 1902/03 kann man endlich eine modern ausgestattete Fabrik an der Rößchengrundstraße errichten. Man berücksichtigt hier die neuesten Erkenntnisse der Chemie und schafft die Voraussetzungen für eine industrielle Seifenproduktion.
  • 1903 beschäftigt die Firma 25, 1910 schon 40 Mitarbeiter. Im selben Jahr wird Otto Fritz Schmidt Teilhaber des väterlichen Betriebs, 1921 deren alleiniger Inhaber. Der Firmengründer unterstützt seinen Sohn bis ins hohe Alter mit täglichen Kontrollgängen in der Firma.
  • Otto Fritz Schmidt heiratet die zwölf Jahre jüngere Fanny Müller. Mit ihr hat er zwei Söhne, Hermann Hans (geb. 1914) und Otto Werner (geb. 1918).
  • Der Erste Weltkrieg hat negative Folgen für die Seifenfabrik. Die männlichen Arbeiter müssen zum Militär. Mit weiblichen Hilfskräften kann ein Teil der Produktion aufrechterhalten werden.
Annonce zum 50-jährigen Firmenjubiläum 1925
  • Nach dem Krieg normalisiert sich das Geschäft, die Firma wächst wieder.
  • 1926 wird das 50. Firmenjubiläum gefeiert. Fritz Schmidt entwickelt die Firma zu einem Konsumseifenproduzenten, der alle für den Alltag notwenigen und nützlichen Seifenerzeugnisse herstellt. Waschpulver, Schmierseife gehören genauso dazu wie Haushalt- und Toilettenseifen.
  • Am 26. Oktober 1927 kommt es zu einem großen Brand, der Pack-, Press- und Pilierräume der Fabrik zerstört. Mehrere Feuerwehren bekämpfen gleichzeitig das nächtliche Feuer. Personen kommen nicht zu Schaden.
  • Im Laboratorium der Fabrik werden immer neue Ideen entwickelt. So möchte man Wäsche in künstlichem Regenwasser, d.h. mit weichem Wasser und reinen Seifen, waschen. Beliebte Produkte sind in den 1920er Jahren: Döbelner weiße Terpentin-Schmierseife, Döbelner Kernseife, Döbelner Benzin- und Terpentinseife, Waschpulver, Wasserenthärtungsmittel, Toilettenseife lose und in Geschenkkartons (z.B. Edeltanneseife und Muldenblümchen-Seife). Schutzmarke der Artikel ist der Ambos.
Fabrikgelände der Döbelner Seifenfabrik an der Rößchengrundstraße (20er Jahre)
  • Am 05. Dezember 1927 stirbt Firmengründer Hermann Otto Schmidt kurz vor seinem 80. Geburtstag. Neben seiner geschäftlichen Tätigkeit war er viele Jahre Stadtverordneter, Mitglied des Kirchenvorstands und Kassierer des Gustav-Adolf-Zweigvereins.

Fotos vom Arbeitsalltag in der Döbelner Seifenfabrik in den 1920er und 1930er Jahren (Quelle: http://www.döbeln.de)

Briefkopf der Seifen- und Glycerinfabrik Hermann Otto Schmidt 1935
Werbeanzeige aus dem Jahr 1938
  • 1929 baut das Unternehmen neue Fabrikgebäude (u.a. mit einem Kühlkeller, Versand- und Büroräumen, einem Laboratorium und einem Packlager) und nimmt die Herstellung von Fein- und Spezialseifen auf. Drei firmeneigene Lastwagen beliefern die Kunden, auch weit über die Grenzen Sachsen hinaus.
  • 1937 stirbt Firmenchef Fritz Schmidt. Seine Frau Fanny und die Söhne Hans und Werner führen das Unternehmen weiter.
  • Am 07. April 1938 kommt es zu einer folgenschweren Explosion eines 3000 Liter-Autoklaven (gasdicht verschließbarer Druckbehälter zur thermischen Behandlung von Stoffen im Überdruckbereich) mit flüssiger Fettmasse. Das Siedehaus stürzt zusammen.
Der "Döbelner Anzeiger" vom 08.04.1938 berichtete:

"Im großen Siedehaus kam anscheinend ein etwa 3 000 Ltr. fassender, mit flüssiger Fettmasse gefüllter Behälter, der unter sechs Atmosphären Druck stand, zur Explosion. Die Folgen waren furchtbar. Ein Großteil der über dem Behälter entlanglaufenden massiven Galerie, auf der sich außerdem noch schwere Behälter befanden, stürzt auf den Boden des Siedehauses und die dort befindlichen Kessel, Behälter und Maschinen hinab. Diesem Zusammenbruch war die Kellerdecke nicht gewachsen und alles brach in den mehrere Meter tiefen Siedekeller hinab, ein einziges, unentwirrbares Chaos von verbogenen Eisenträgem, Kesseln, Röhren und Maschinenteilen bildend In den Kellerräumen befanden sich mehrere Männer und Frauen an ihren Arbeitsplätzen. Sie wurden von den herabstürzenden Massen begraben. Die Bergungsarbeiten wurden durch die auslaufende Lauge erschwert, die bald fußhoch im Kellergeschoss stand Sie zerfraß Schuhe und Stiefel und fügte den opferbereiten Helfern schmerzhafte Verätzungen zu. Großer Schaden entstand auch an den angrenzenden Gebäudeteilen. Tiefes Mitgefühl für die Hinterbliebenen der Opfer und die Verletzten wurde zum Ausdruck gebracht, es war wohl das schwerste Unglück seit langen Zeiten in unserer Heimatstadt."

Fotos, die die Folgen der Explosion am 07.04.1938 zeigen. (Quelle: http://www.döbeln.de)

  • Bei dem Unfall kommen vier Menschen ums Leben, von den sechs Schwerverletzten sterben noch zwei. Zu Ehren der tödlich Verunglückten findet am 09. April 1938 auf dem Hindenburgplatz (heute Obermarkt) eine Gedenkkundgebung statt. Die Trauerfeier findet in der Exerzierhalle (heute Turnhalle Burgstraße) unter großer Anteilnahme der Belegschaft und der Bevölkerung statt. Die Werksführung, Oberbürgermeister Dr. Gottschalk sowie weitere Vertreter aus Politik und Wirtschaft halten Trauerreden. Der Werkschar-Musikzug der Firma Tümmler spielt Chopins Trauermarsch. Kondolenzbesucher aus dem ganzen Land legen Kränze und Blumengebinde nieder. Ein langer Trauerzug setzt sich von der Burgstraße Richtung Niederfriedhof in Bewegung. Eine Gedenktafel erinnert hier an die sechs Opfer des Unfalls.
  • Noch 1938 beginnt der Wiederaufbau der zerstörten Fabrikteile. Er dauert bis 1943.
Gedenktafel für die Opfer der Explosion in der Seifenfabrik am 07. April 1938 auf dem Döbelner Niederfriedhof
  • 1938 wird "Decenta Döbeln" für die Feinseifen" als geschützter Name eintragen.
  • Im Zweiten Weltkrieg werden beide Söhne eingezogen. Mutter Fanny versucht, den Betrieb aufrechtzuerhalten. Notverordnungen und Materialknappheit prägen die Produktion während des Krieges. Hergestellt werden z.B. Tonseife (17% Fettsäure statt 80%) und das Läusemittel "Suculex".
  • Im März 1945 erhält die Familie die Nachricht, dass Hans an der Ostfront vermisst wird. Seitdem gibt es von ihm kein Lebenszeichen mehr.
  • Nach Kriegsende stellt die Firma vor allem chemisch-technische Produkte wie das Läusemittel "Suculex" her. Weil es nach dem Krieg ständig Stromabschaltungen gibt, und Petroleum und Kerzen rationiert sind, gilt "Suculex" bald als Wundermittel. Es ist brennbar und eignet sich für den Notbetrieb von Petroleumlampen. Bald hatte man auch eine Lösung für die stark rußende Flamme - etwas Kochsalz in die Lösung und eine geschickte Dochtregulierung erzeugten eine brauchbare Flamme.
  • Nach dem Krieg wird Fanny Schmidt von kommunistischen Funktionären drangsaliert und erniedrigt. Im Mai 1945 wird ihr der Zutritt zu ihrer eigenen Firma verwehrt, sie musste den Marktplatz kehren und wird anderweitig "dienstverpflichtet". Da ohne sie als Geschäftsführerin die Abläufe in der Seifenfabrik nicht mehr funktionieren, darf sie Anfang Juni 1945 mit dem Auftrag, für Ordnung zu sorgen, den Betrieb wieder betreten.
  • Als sie von der Belegschaft freudig mit Blumen empfangen wird, verhaftet man sie. Ohne Verhandlung und Verurteilung bringt man sie als politischer Häftling ins Zuchthaus Bautzen, später ins berüchtigte sowjetische Speziallager Mühlberg/Elbe.
  • Im September 1945 kehrt Werner Schmidt aus der Kriegsgefangenschaft nach Hause zurück. Vom Betriebsrat wird ihm der Zutritt zu seinem Unternehmen verwehrt.
  • Am 30. Juni 1946 wird das Unternehmen durch einen Volksentscheid enteignet. Es geht in das Eigentum des Landes Sachsen über. Unerwartet erhalten die Mitinhaber Hans und Werner Schmidt im Oktober 1946 ihre Geschäftsanteile vom Land Sachsen zurück.
  • Ab 01. Dezember 1946 darf Werner Schmidt wieder in der Abteilung Absatz arbeiten. Er hat vor dem Krieg eine kaufmännische Ausbildung absolviert.
  • 1948 werden die Geschäftsanteile der beiden Brüder dann jedoch durch einen Verwaltungsbescheid im Grundbuch und Handelsregister widerrechtlich gelöscht. Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Werner Schmidt wird vom Inhaber wird zum Angestellten.
  • Fanny Schmidt wird am 15. Juli 1948 aus dem Internierungslager Mühlberg entlassen. Die Haft hat ihr stark zugesetzt, ihre Gesundheit ist angeschlagen. 1949 wird sie rehabilitiert. Sie starb 1956 im Alter von 66 Jahren.
Grabstelle der Familie Schmidt auf dem Döbelner Niederfriedhof

VEB Decenta Döbeln

Feine Decenta-Seife (80er Jahre)
  • Das Unternehmen nennt sich anfangs VVB Sapotex, seit 1948 VEB Decenta Döbeln. Den Namen Decenta hat sich die Firma H. O. Schmidt 1933 als Schutznamen für Feinseifen gesichert.
  • Sapotex stellt in der Nachkriegszeit neben Seifen (z.B. AntiX und DEO-Seife) auch andere chemisch-technische (Suculex-Läusemittel, Desinfektionsmittel, Arbeitsschutzsalben, Scheuerblitz, Einweichmittel, Handwaschpaste) und kosmetische Produkte (Parfüm, Kölnisch-, Rasier- Gesichts- und Haarwasser, Haut- und Rasiercreme) her.
  • Immer mehr konzentriert man sich auf die Seifenherstellung. Bereits 1950 werden 1500 Tonnen Feinseife produziert.
  • Seit 1964 modernisiert man die Produktionsanlagen. Automatische Seifenpressen und Verpackungsautomaten aus DDR-Produktion werden gekauft.
  • 1978, nach einer weiteren Modernisierung der Produktion, benötigt man für die Herstellung von 50 000 Stück Seife nur noch 5-6 Arbeitskräfte. Insgesamt arbeiten 150 Mitarbeiter im Betrieb.

Werbeplakate das VEB Decenta Döbeln aus den 1950er und 1960er Jahren.

VEB Florena Waldheim-Döbeln

  • 1981 wird der VEB Florena Waldheim (ehem. Rosodont) und der VEB Decenta Döbeln zur VEB Florena Waldheim-Döbeln zusammengelegt und dem VEB Kosmetikkombinat Berlin - Chemisches Werk Miltitz - Betriebsteil Florena Waldheim-Döbeln unterstellt. Zusammen mit Betriebsteilen in Geringswalde und Colditz sowie einem Großlager in Riesa-Mergendorf beschäftigt das Unternehmen insgesamt 700 Mitarbeiter und ist der größte Kosmetikhersteller der DDR.
  • Der Sitz der Verwaltung des Betriebsteiles Florena Waldheim-Döbeln wird in der Rößchengrundstraße 2-4 angesiedelt, auch die Entwicklungsabteilung für Seifen verbleibt hier. In Döbeln werden vorrangig Fein- und Toilettenseifen sowie Rasierseifen produziert.
  • 1988 beginnt man in Waldheim mit dem Aufbau einer Lizenz-Niveau-Produktionsanlage. Seit Oktober 1989 produziert man hier Niveau-Creme für den deutschen Markt.
  • 1991 haben die Alteigentümern nach dem Einigungsvertrag das Vorkaufsrecht an ihrer alten Firma. Werner Schmidt nimmt es nicht in Anspruch, weil der Kaufpreis zu hoch und die Altlasten nicht abzuschätzen wären.

Liebevoll aufgearbeitet wurde die Geschichte der Döbelner Seifenfabrik auf der Webseite "DDR-Duftmuseum 1949-1989". Ein Besuch lohnt sich.

Florena Cosmetic GmbH

  • 1990 wird der Antrag auf Fortführung des Unternehmens unter marktwirtschaftlichen Bedingungen in der DDR als VEB Florena Waldheim/Döbeln von der Treuhand genehmigt. Im Juni 1990 wird aus dem VEB Florena Waldheim/Döbeln die Florena Cosmetic GmbH. Einer der drei Gesellschafter ist der ehemalige Kombinatsleiters Heiner Hellfrietzsch. Zum 1. Januar 1992 erfolgte die Unterzeichnung des Gesellschaftervertrag mit der Treuhand und rückwirkende Wirksamkeit ohne Beteiligung der früheren Gründerfamilie. Rund 530 Mitarbeiter verlieren Anfang der 1990er Jahre ihren Arbeitsplatz bei Florena , 170 Mitarbeiter können weiterbeschäftigt werden.
  • Am 7. Dezember 1992 wird zu Ehren von Hermann Otto Schmidt im Gewerbegebiet Döbeln Ost eine Straße nach ihm benannt.
  • Zwei der drei Döbelner Betriebsgebäude werden verkauft, die Seifensiederei eingestellt. Die benötigten Seifenspäne werden eingekauft. In Döbeln werden noch 30 Mitarbeiter beschäftigt.
  • Im April 1998 übernimmt die Firma im Gewerbegebiet Döbeln Ost das Areal des ehemaligen Verwaltungs- und Logistikzentrums der Fa. SÜGRO. Hier wird fortan das gesamte Exportgeschäft abgewickelt. Im Jahr 2000 beschäftigt Florena 224 Mitarbeiter.
  • 2002 verkaufen die drei Gesellschafter die Florena Cosmetic GmbH an die Beiersdorf AG. Der Umsatz in diesem Jahr beläuft sich auf 50,4 Millionen Euro. 2006 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 88,8 Millionen Euro und hat 350 Beschäftigte.
  • Am 17. März 2006 schließt die Firma ihr Döbelner Werk, weil die Produktion fester Seifen nicht mehr fortgesetzt werden soll. Nach 130 Jahren endet damit eine lange Tradition der kosmetischen Industrie in Döbeln.
  • Das Stammwerk Waldheim mit rund 250 Mitarbeitern wird 2022 geschlossen. Die Beiersdorf AG setzt ganz auf ein in Seehausen bei Leipzig neu gebautes Werk für Aerosole.

Die Gebäude von Florena stehen leer. Beyersdorf hat sich erst aus Döbeln, dann auch aus Waldheim zurückgezogen. Von der langen Tradition der Seifen- und Kosmetikherstellung ist in Döbeln nichts geblieben. Der Schillerspruch "Aus der Kräfte schön vereintem Streben / erhebt sich wirkend erst das wahre Leben.", den Firmengründer Hermann Otto Schmidt an der Fassade seiner Fabrik anbringen ließ, ist auch heute noch gut zu lesen. Inmitten des Niedergangs in einem der wichtigsten Industrieviertel Döbelns wirkt er dann doch etwas zu pathetisch.

Fotos: 2023

© Michael Höhme, "Traditions- und Förderverein Lessing-Gymnasium Döbeln" e.V.

Quellen:
Pressausschuss für das Heimatfest (Hg.): Aus der Heimat. Festschrift zum Heimatfest. Döbeln 20.-22. Juni 1914, S. 92f.
Stockmann, Gottfried: Die Stadt Döbeln als Standort der Industrie. Borna Leipzig 1928, S. 131ff.
Materialsammlung Karlheinz Enzmann (nicht veröffentlicht)
"Döbelner Anzeiger" vom 08.04.1938
Rösler, Sieglinde: Seifenfabrik Hermann Otto Schmidt – seit 125 Jahren in Döbeln. In: STIEFEL Das Stadt-MAGAZIN für Döbeln. Heft 9 Sept. 2001, S. 10-11 (Teil 1) und In: STIEFEL Das Stadt-MAGAZIN für Döbeln. Heft 10 Okt. 2001, S. 10 (Teil 2)
Rösler, Sieglinde, Enzmann, Karlheinz: Von der Seifenfabrik Hermann Otto Schmidt bis zur Florena Cosmetic GmbH, Waldheim Betriebsteil Döbeln. In: Sächsische Heimatblätter 4/5 2002 Dresden 2002, S. 307-313
"Osterland" G.m.b.H. (Hg.): ddr-Duftmuseum. URL: https://www.ddr-duftmuseum-1949-1989.de/osterland-gera (01.01.2023)
Florena Cosmetic GmbH (Hg.): 150 Jahre Pflegekompetenz 1852-2002 – Eine Waldheimer Erfolgsgeschichte. Mainburg 2001

Bildnachweis:
Porträt Hermann Otto Schmidt – Stadtarchiv Döbeln
Erstes Geschäftshaus am Niedermarkt und Abb. Der Fabrik in der Rößchengrundstraße in den Anfangsjahren - Rösler, Sieglinde: Seifenfabrik Hermann Otto Schmidt – seit 125 Jahren in Döbeln. In: STIEFEL Das Stadt-MAGAZIN für Döbeln. Heft 9 Sept. 2001, S. 10-11 (Teil 1)
Werbeanzeige 1914 - Pressausschuss für das Heimatfest (Hg.): Aus der Heimat. Festschrift zum Heimatfest. Döbeln 20.-22. Juni 1914
Werbeanzeigen 1925 – Rat der Bezirksstadt Döbeln (Hg.): Döbeln. Berlin 1925
Fabrikgelände der Döbelner Seifenfabrik an der Rößchengrundstraße (20er Jahre) - Rösler, Sieglinde privat
Alle Abbildungen/Fotos ohne Vermerk stammen aus der „Sammlung Döbeln“ von Michael Höhme.