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Arno Schönfelds Marzipanfabrik

  • Am 21. März 1911 nimmt die Firma Arno Schönfeld in der Schillerstraße 46 ihre Tätigkeit auf. Im Handelsregister ist sie in der Rubrik Handel mit Bäckerei- und Konditoreiwaren eingetragen.
  • Schon bald firmiert das Unternehmen unter "Arno Schönfeld - Zuckerwaren-, Marzipan- und Mandelpräparate-Fabrik". Sie ist noch 1925 in der Schillerstraße 45 ansässig. Die Schönfelds wohnen privat gleich im Nachbarhaus, der Schillerstraße 46.

(1) Historische Aufnahme der Schillerstraße, Blick Richtung Körnerplatz. Links sieht man noch das Haus Schillerstr. 45. Es ist deutlich niedriger als die Nachbarhäuser und beherbergt anfangs die Produktion der Firma.
(2) Das Haus Schillerstraße 45 wurde abgerissen. Heute klafft hier eine Baulücke. Erhalten ist das Haus Nr. 46, in dem die Schönfelds wohnten. (Foto 2023)

(3) Gesamtansicht der Schillerstraße im entsprechenden Bereich (Foto 2023)

Belegschaft der Firma um 1920, damals noch in der Schillerstraße. Nach dem Umzug in die Feldstraße wächst die Zahl der Mitarbeiter.
  • Für eine Erweiterung der Produktion ist der Standort in der Schillerstraße nicht geeignet. 1929 verlegt man die Firma in die Döbelner Feldstraße 17. Hier hatte die Faßfabrik Haupt ihren Geschäftsbetrieb aufgegeben. Auch ihren privaten Wohnsitz verlegen die Schönfelds in die Feldstraße.
Briefkopf der Firma aus dem Jahr 1927
  • Die Firma stellt aus verschiedenen Rohmassen wie Marzipan und Fondant Zuckerwaren her. Die Geschäftsidee besteht darin, Süßigkeiten zu produzieren, ohne dafür allzu viel teure Schokolade zu verwenden.
  • Fondants werden aus Wasser und Saccharose sowie Glucosesirup, Invertzuckercreme und/oder Zuckeralkoholen (z. B. Sorbit oder Mannit) hergestellt. Die Masse wird gekocht und dann durch starkes Kneten und schnelle Abkühlung zu einer weichen Paste verarbeitet. Anschließend werden Aromen hinzugefügt, häufig auch Lebensmittelfarbe.
  • 1972 wird das Unternehmen zwangsverstaatlicht. Schönfelds Idee, Süßigkeiten aus Fondant herzustellen, wird vom VEB Süßwarenfabrik Döbeln aufgegriffen, der 1984 den Betrieb an der Industriestraße (ehemals VEB Zigarrenfabrik Döbeln) aufnimmt.

VEB Süßwarenfabrik Döbeln

In den 1980er Jahren wird aus der Zigarren- eine Süßwarenfabrik. (Foto: 2023)
  • 1981 wird das Areal der Döbelner Zigarrenfabrik in der Industriestraße dem VEB Süßwarenkombinat Halle zur Verfügung gestellt.
  • 1984 beginnt der neu gebildete VEB Süßwarenfabrik Döbeln mit der Produktion. Keimzelle hierfür ist die Firma Arno Schönfeld, die in der Feldstraße u.a. Marzipan herstellte. Produziert werden vor allem sog. Fondants (weiche Zuckermasse, oft mit Schokoladenüberzug), z.B. Marzipanbrote, Steuselkugeln, Rumkugeln, Kokosriegel, Marzipanersatz (aus speziell gezüchteten Erbsen) und Weihnachts- bzw. Osterpräsente. Mit den neuen Produkten konnte man ohne großen Einsatz von Schokolade Süßigkeiten herstellen.
"Naschkätzchen"-Palinen aus Döbeln waren in der ganzen DDR bekannt. Auch hier fand sich eine preiswerte Füllung unter einer dünnen Schokoladenschicht.
  • 1987 stellt der Betrieb allein für den Döbelner Weihnachtsmarkt 100 Tonnen von figürlichen Fondants her. 4,5 Tonnen Riegel laufen in 27 Sorten pro Tag vom Band. Einer von ihnen war der "Märchenriegel".
  • Nach der Wende wird aus dem VEB die Süßwaren GmbH Döbeln.
  • Weil die Dannemann Cigarrenfabrik Rückübertragungsanspruche auf die Immobilie in der Industriestaße stellt, wird die GmbH 1992 liquidiert.
  • Die Götz Gebäck GmbH Darmstadt gründet eine Niederlassung und betreibt eine Hohlfigurenanlage und eine Schokoladenhohlfigurenschminkstrecke.

Döbelner Süßwarenmanufaktur GmbH

  • Als Götz 1996 in Konkurs geht, wird die Niederlassung 1997 zu einem selbstständigen Betrieb, der Döbelner Süßwarenmanufaktur GmbH.
  • Jährlich verarbeitet man 300 000 kg Schokolade zu 2 000 000 Stück Hohlkörpern. Der Umsatz beträgt 1998/99 8,6 Mio. DM.
  • 1998 zieht die Produktion von der Industrie- in die Burgstraße. Es werden Maschinen und Markennamen der Firma Götz aufgekauft und eine zusätzliche Keksproduktion eröffnet. Die Firma beschäftigt 72 Mitarbeiter und 80 Saisonkräfte.
  • 2004 wird die Produktion in Döbeln eingestellt. Die Firma geht in die Insolvenz, den verbliebenen 50 Mitarbeitern kündigt man.

Die Döbelner Süßwarenmanufaktur GmbH war der letzte Nutzer des Werks V (Druckgußgebäude), das einst für den VEB DBM gebaut wurde. (2023)

© Michael Höhme, "Traditions- und Förderverein Lessing-Gymnasium Döbeln" e.V.

Quellen:
Pressausschuss für das Heimatfest (Hg.): Aus der Heimat. Festschrift zum Heimatfest. Döbeln 20.-22. Juni 1914, S. 96
Materialsammlung Karlheinz Enzmann (nicht veröffentlicht)

Bildnachweis:
Belegschaftsfotos Arno Schönfeld – Stadtarchiv Döbeln
Alle Abbildungen/Fotos ohne Vermerk stammen aus der „Sammlung Döbeln“ von Michael Höhme.