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VEB TEWA / VEB MKB

Die Broschüre erschien 1956 aus Anlaß des 10. Jahrestages Volkseigener Betriebe.
  • Nach der Enteignung und der Überführung des Betriebes in "Volkseigentum" erhält das Unternehmen den Namen VEB TEWA (=Technische Eisenwaren), Fabrik für Möbel- und Autobeschläge. Später firmiert es unter VEB Metall- und Kunststoffbeschläge (MKB). Jahrelang dient ein großer Teil der Produktion als Wiedergutmachung für Kriegsschäden in der Sowjetunion.
  • Trotz der zweimaligen Demontage nimmt der Betrieb1946 in bescheidenem Umfang wieder die Herstellung von Eßbestecken, Bügeleisen, zahnärztlichen Instrumenten und Bedarfsartikeln auf.
  • Am 30. Juni 1946 stimmen 13 462 Bürger (79,6%) Döbelns für die Enteignung der Familie Tümmler. Damit wird die schon 1945 erfolgte Defacto-Enteignung nachträglich legitimiert.

Walter Ulbricht spricht am 07. Juni 1946 auf dem Ernst-Thälmann-Platz (heute Niedermarkt) in Döbeln und wirbt für die Enteignung per Volksentscheid.

  • Trotz der Demontagen arbeiten am 11. April 1948 wieder 400 Mitarbeiter im Betrieb. Der besitzt 300 Maschinen. Teilweise wurden diese aus Chemnitzer Firmen, deren Gebäude im Krieg zerstört wurden, nach Döbeln transportiert und hier wieder einsatzfähig gemacht.
  • Am 29. November 1948 wird E. Valentin der erste Aktivist Döbelns. Er erreicht in einer "Hennecke-Schicht" eine Übererfüllung der Norm von 116%.

VEB Döbelner Beschläge- und Metallwerk (DBM)

Der VEB Döbelner Beschläge- und Metallwerk (DBM) entsteht 1956 aus dem Zusammenschluss von drei Betrieben.

vor 1945 vormals Metallwarenfabrik Robert Tümmler vormals Metall- und Lackwarenfabrik Johannes Großfuß vormals Metallwarenfabrik H.W. Schmidt
Standort Schillerstraße Grimmaische Straße Burgstraße
 
1945/46-1956 VEB TEWA (TEWA = Technische Eisenwaren), später VEB Metall- und Kunststoffbeschläge (MKB) VEB MEBA (MEBA = Metallbau) VEB MEWA (MEWA = Metallwaren)
seit 1956 VEB DBM, Fertigungsbereich 1 VEB DBM, Fertigungsbereich 2 VEB DBM, Fertigungsbereich 3
Produkte Schlösser und Beschläge für die Kraftfahrzeugindustrie der DDR, Vorhängeschlösser, später Sicherheitsgurte Haushaltsmaschinen, Kinderfahrzeuge (z.B. Dreiräder, Roller), später Teile der russischen AK-47 (bekannt als Kalaschnikow) Haushaltsgeschirrbeschläge, Ofenrohre, Aschekästen, Gießkannen, Backbleche

DBM Werk 1 - Schillerstraße um 1993 - Kurz darauf wurden die Fabrikgebäude abgerissen und die Kaufland KG baute eine Filiale auf dem Areal.
© Stadtmuseum Döbeln, Fotograf: Harry Heidl

Zahlreiche Produkte des VEB DBM wurden unter dem Markennamen "doblina" verkauft.
  • 1957 wird "Doblina" zum Warenzeichen des VEB DBM. 1957/58 verlassen erste elektrische Universal-Küchengeräte das Werk 2 des Betriebs. Die Küchenmaschine "Imme" wiegt noch mehrere Kilo und ist mit Kinderkrankheiten behaftet, weshalb der Absatz schon bald bröckelt. Nach 1500 produzierten Geräten ist Schluss. Die Nachfolger sind kleiner, leichter und handlicher. Vom Haushaltsgerät "Mixette" werden bis 1959 36 000, von der Vielzweckhaushaltsmaschine "Libelle" 15 000 Stück produziert. Möglich werden diese Produktionszahlen durch die Einführung des Fließbandsystems und durch technische Neuerungen, die die Produktion optimieren. Eine "Mixette" kann dadurch in nur 3,25 Minuten hergestellt werden.
  • Am 01. März 1957 eröffnet der VEB DBM eine Technische Berufsschule zur Erwachsenenqualifizierung.
1959 führt Werner Strauch vom VEB DBM Walter Ulbricht und Nikita Chruschtschow im Handelshof der Leipziger Messe Haushaltsgeräte aus Döbeln vor. (Quelle: Archiv Stadt Döbeln)
  • 1958 gliedert man den VEB Eisengießerei und Metallwerke in der Schlachthofstraße 2 (vormals Fa. Paul Schädlich, Fa. Otto Müller, vormals Julius Müller Spritzenfabrik) als Fertigungsbereich 4 dem DBM an.
  • Seit 1958 produziert der VEB DBM als Zulieferbetrieb von Autobeschlägen für die Automobilwerke Zwickau.
  • Auch die Produktion von Kinderfahrzeugen im Werk 2 (ehemals Großfuß) entwickelt sich gut.1959 wird die Herstellung von 59 600 Dreirädern und 48 000 Rollern ausgewiesen. Die luftbereiften Straßenroller werden z.T. nach Holland, in die CSR, nach Österreich, Dänemark und Island exportiert.
  • Der VEB DBM produziert auch für den Export. In 40 Länder wird geliefert. Das bringt auch heiß begehrte Devisen.
Gebrauchsanweisung Libelle, 1960 Foto: Staatliche Museen zu Berlin, Museum Europäischer Kulturen /CC BY-NC-SA 4.0 Gebrauchsanweisung Mixette, 1960 Foto: Staatliche Museen zu Berlin, Museum Europäischer Kulturen /CC BY-NC-SA 4.0
  • 1960 wird der Betrieb mit einer "Speziellen Produktion" beauftragt (Teilefertigung für das Sturmgewehr AK-47, bekannt als Kalaschnikow: Magazin für 31 Patronen aus Blech ab 1960, Laufaufnahme mit Mantel und Gehäuse, Magazin aus Plast ab 1980, Bajonett mit Scheide, Nachtsichtvisier). Zudem werden ab 1970 Hand- und Fußfesseln und ab 1980 Minensuch- und Entsorgungsgeräte hergestellt.
  • 1960 wird die Jugendbrigade "Roter Oktober" mit dem Ehrentitel "Hervorragende Jugendbrigade" ausgezeichnet. In Vorbereitung des 10. Jahrestages der DDR 1959 hätte sie den Plan mit 105,2% erfüllt und damit einen ökonomischen Nutzen von 30.074 Mark erarbeitet.
  • Der Betrieb ruft zu einem DDR-weiten Wettbewerb um das "Goldene Steckenpferd" auf. Durch diese Initiative wären die ökonomischen Aufgaben im Jahr 1961 schneller lösbar.
  • 1962 stellt der Betrieb auf der Frühjahrsmesse in Leipzig sein neues PKW-Einheitsschloss vor.
  • 1964 entwickelt der VEB DBM zusammen mit wissenschaftlichen Instituten einen PKW-Sicherheitsgurt.
  • Das ehemalige Helbigsche Gut, einst von Erhardt Tümmler erworben, nunmehr zum Werk 1 des VEB DBM gehörend und mit einem Speisesaal ausgestattet, wird 1964 teilweise abgerissen, weil es zu weit in die Schillerstraße ragt. Der Verkehrsfluss verbessert sich durch den Wegfall der Straßenverengung.
  • Am 23. August 1964 verlassen nach erfolgreicher Lehr- und Lernzeit 28 Schüler der ersten Klasse "Werkzeugmacher mit Abitur" des VEB DBM ihre Ausbildungsstätte in der Straße der Befreiung (heute Bahnhofstraße).
  • 1965 wird das Hauptgebäude der Silberwarenfabrik Gebr. Köberlin (Bahnhofstraße 43) zur Betriebsschule des DBM umgebaut (Berufsaus- und -weiterbildung, polytechnischer Unterricht, Erwachsenenqualifizierung, Lehrlingswohnheim).
  • 1965 wird in der Otto-Johnsen-Straße ein betriebseigener Kindergarten eingerichtet. In der Schillerstraße betreibt man einen Kinderhort. Der Betrieb bietet seinen Mitarbeitern Urlaubsquartiere in der DDR (6 Wohnwagen in Glowe auf der Insel Rügen, 3 Bungalows in Schildau am Neumühlenteich, 15 Bungalows in Kallinchen am Motzensee im Kreis Zossen) und im sozialistischen Ausland an (2 Objekte in der CSSR, je ein Objekt in der VR Polen und der VR Ungarn). In Schildau betreibt der VEB DBM ein Ferienlager für die Kinder der Mitarbeiter.
  • Im Juli 1968 wird das VEB Kombinat Schlösser und Beschläge Döbeln gebildet. Der VEB Döbelner Beschläge und Metallwerk (DBM) ist der Stammbetrieb. Zum Kombinat gehören weiterhin: Zylinderschlösser Potsdam, Beschläge Luckenwalde, Sächsische Schloßfabrik Pegau, Metallwaren Schmerbach, Baubeschlag Elsterwerda, Schloß- und Metallwarenfabrik Brandenburg. 1970 werden dem Kombinat noch vier weitere Betriebe angeschlossen, das dann fast 5000 Mitarbeiter hat.
  • Am 23. Oktober 1972 erfolgt an der Ecke Belojannisstraße (heute Burgstraße)/Reichensteinstraße durch Kombinatsdirektor Willi Schirrschmidt der erste Spatenstich für ein neues Produktionsgebäude.

Schon 1974 wird auf dem Areal an der äußeren Burgstraße Baufreiheit geschaffen. Der Neubau des Werks V läßt noch ein paar Jahre auf sich warten.

  • Am 01. Januar 1979 wird der VEB DBM ein Betrieb des VEB IFA-Kombinat Personenkraftwagen Karl-Marx-Stadt. Das Unternehmen stellte Schlösser für die gesamte Fahrzeugpalette der DDR her. Später wurden hier auch die Doblina-Sicherheitsgurte produziert, die man in allen PKWs der Marken Trabant und Wartburg verbaute.
  • Am 01. Oktober 1979 wird das neue Druckgußgebäude an der Belojannisstraße (heute Burgstraße) übergeben. Es fällt durch seine plastbeschichtete verzinkte Stahlblechfassade auf und wird im Volksmund als "Blaues Wunder" bezeichnet. Am Eingang befindet sich ein Wandrelief des Dresdner Bildhauers und Grafikers Michael Stephan.

(1) Das Druckgußgebäude mit der markanten blauen Fassade wird das Werk V des VEB DBM (Foto 1978). (2) Zuletzt ist die "Döbelner Süßwarenmanufaktur in dem Gebäude angesiedelt. Die Fassade wurde auf der Vorderseite grau gestrichen. (3) Aus DBM-Zeiten ist noch das Relief Michael Stephans erhalten. (4) An der Rückseite erkennt man noch heute, warum das Gebäude früher als "blaues Wunder" bezeichnet wurde. (Fotos 2-4: 2023)

  • 1982 erhalten 52 kubanische Arbeiter im VEB DBM und im VEB Stoßdämpferwerk Hartha ihre Facharbeiterausbildung. Sie wohnen in einem Heim in der Straße der Befreiung (heute Bahnhofstraße) auf dem DBM-Gelände.
  • Am 01. März 1985 wird im Werk 1 (Schillerstraße) der 1 000 000 Pkw-Automatik-Sicherheitsgurt produziert.
  • 1986 wird die ehemalige Fa. Zwanziger aus Radeberg dem Unternehmen als Fertigungsbereich 6 zugewiesen.

Döbelner Beschläge- und Metallwerke GmbH

  • Der VEB DBM versuchte als Döbelner Beschläge- und Metallwerke GmbH auf dem gesamtdeutschen Markt Fuß zu fassen. Dies gelang nicht. Die Treuhand stufte den Betrieb in die Kategorie 6 ein. Das bedeutete die Liquidation.

Werbe- und Informationstafeln aus der Nachwendezeit © Stadtmuseum Döbeln, Fotograf: Harry Heidl

  • Viele Gründe führten zum Ende des VEB DBM. Die Automobilindustrie war durchweg im Westen angesiedelt. Zulieferer von Sicherheitsgurten gab es hier zuhauf. Zudem hatte der Betrieb ein großes Produktivitätsproblem. Die Treuhand schätzte ein, dass im DBM fünfmal soviele Mitarbeiter beschäftigt werden, als eigentlich nötig. Die Produktionsflächen waren überdimensioniert und die Maschinen veraltet. Die beste Substanz hatte der militärtechnische Bereich der Firma. Tragisch für den VEB DBM, dass in den Zwei-plus-Vier-Verträgen festgelegt wurde, dass es im Osten keine Rüstungsindustrie geben soll. Schulden, ökologische Altlasten und Rückforderungsansprüche gaben der Firma den Rest.
  • Am 29. Juni 1990 wird allen 130 vietnamesischen Arbeitern des Noch-VEB-DBM gekündigt. Die kubanischen Arbeiter sind schon in ihre Heimat zurückgekehrt.
  • Am 18. Januar 1991 arbeiten noch 1700 Mitarbeiter in der DBM GmbH. 800 von ihnen müssen in hundertprozentige Kurzarbeit. Ein weiterer Arbeitsplatzabbau steht an, da am 30. Juni die Produktion des Pkw "Wartburg" in Eisenach eingestellt wird.
  • Von den ursprünglichen 2300 Mitarbeitern sind noch 700 in Beschäftigung. Im Verlauf des Jahres 1991 wird die Produktion ganz eingestellt.
  • 1992 zerfällt der Großbetrieb in die Firmen SAQ-Zweigstelle, Bau Tec, Hülsbeck & Fürst, Autoliv GmbH und Lunke & Sohn.
  • Am 14. Dezember 1992 beschließt der Stadtrat einen Bebauungsplan für das DBM-Gelände in der Schillerstraße aufzustellen. Da das Areal nicht in städtischem Besitz ist, gestaltet sich die Neuerschließung schwierig.
  • 1995 wird auf dem ehemaligen DBM-Gelände an der Schillerstraße ein 30 Meter hoher Schornstein gesprengt.
  • Am 16./17. Dezember 1995 wird der DBM-Nachfolger SKM Doblina aufgelöst. Die letzten 60 Mitarbeiter werden in die Arbeitslosigkeit entlassen. Der Betrieb hatte schon vor einem Jahr die Gesamtvollstreckung angemeldet.
  • Am 19. März 1996 wird der 42 Meter hohe Schornstein des Fertigungsbereichs 3 des DBM-Werkes gesprengt. Einen Monat später werden alle Gebäude des Werks abgerissen.
  • 2002 werden ehemalige DBM-Gebäude des früheren Werks 2 an der Grimmaischen Straße und des Werks 4 an der Schlachthofstraße abgerissen.
  • 2004 wird die Tümmlersche Villa in der Schillerstraße abgerissen. Sie wurde in der DDR als Kindergarten genutzt.
  • 2005 kauft die Kauflandstiftung & Co. KG das frühere DBM-Gelände an der Schillerstraße.
  • 2007/08 werden die restlichen Gebäude des emaligen DBM-Werke an der Schillerstraße abgerissen. Ab Februar 2008 wird eine Kaufland-Filiale errichtet.

Abriss der ehemaligen Fabrik Robert Tümmlers, später VEB DBM in der Döbelner Schillerstraße (Fotos: Matthias Müller, 2008)

  • Am 26. November 2008, 16 Jahre nach der Beschlussfassung, wird der neue Markt eingeweiht. Für Robert Tümmler, der hier einst seine Fabrik hatte, wird ein Denkmal errichtet. Die Fußgängerbrücke zur Innenstadt wird Robert-Tümmler-Steg genannt.

Autoliv Sicherheitstechnik GmbH Döbeln

Foto aus guten Tagen - Autoliv in Döbeln
  • Am 01. Juli 1991 übernimmt der schwedische Konzern an der Eichbergstraße 10-13 das Gebäude Plastspritzerei der DBM GmbH unter dem Namen Autoliv Sicherheitstechnik GmbH Döbeln. 27 Mitarbeiter stellen Sicherheitsgurte für den Golf III her.
  • 1993 wird der Standort ausgebaut, indem man die ehemalige DBM-Immobilie (Wareneingangskontrolle, Rationalisierungsmittelbau) als Gebäude 2 übernimmt.
  • 1995 beginnt man mit der Produktion von Höhenverstellern und Schlössern.
  • 1996 und 1998 wird der Betrieb erneut erweitert. 1996 kommt die Härterei des ehemaligen VEB DBM als Gebäude 3 dazu, 1998 der ehemalige Teilbereich Spritzdruckguss als Gebäude 4. 1998 beginnt man mit der Herstellung pyrotechnischer Schlossstrammer.
  • Schon 1998/99 werden besonders arbeitsintensive Tätigkeiten wie das Nähen der Gurte nach Osteuropa auszulagern. In Rumänien (Brasov) arbeiten 120 Beschäftigte, in Polen (Jelcz-Laskowice) 110 Beschäftigte für Autoliv. In Döbeln sind 1999 196 Mitarbeiter beschäftigt, die für die Autoindustrie Gurte, Gurthöhenversteller sowie Schlossstraffer herstellen.
  • 2002 wird der Betrieb durch die Übernahme eines weiteren Teils der Spritzdruckgussabteilung des ehemaligen VEB DBM als Gebäude 5 erneut erweitert (495 Beschäftigte, 124 Mio. € Umsatz, tägliche Produktion: 20 000 Gurte, 51 000 Höhenversteller, 30 000 Schlösser und pyrotechnische Gurtstraffer). Autoliv ist der größte Arbeitgeber Döbelns.
  • 2003 wird der an der Ecke Grimmaische Straße/Eichbergstraße befindliche Turmkuppelbau saniert. Es ist das letzte Überbleibsel der Großfuß-Werke, die später zum Werk 2 des VEB DBM wurden. Das Gebäude samt 6000 Quadratmeter Fläche gehen von der Stadt Döbeln in den Besitz der Firma Autoliv über, die hier ein Schulungszentrum (Gebäude 6) betreiben will.
  • Am 01. März 2004 wird eine neue Laborhalle zur Prüfung für Gurte, Höhenversteller und Gurtstraffersysteme eingeweiht.
  • 2013 informiert der schwedische Konzern über Pläne, den Standort Döbeln bis 2014 schließen zu wollen und mit der Produktion nach Rumänien umzuziehen. So geschieht es.