Sie sind hier: Startseite » Alte Ansichten

Landmaschinenfabrik Franz Richter

  • Der Schmied Carl Grieben eröffnet in der Großen Kirchgasse eine kleine Schlosser- und Schmiedewerkstatt. Er baut Brücken-, Vieh- und Stangenwagen.
  • Das Geschäft läuft gut. Grieben sucht für seine Werkstatt größere Räumlichkeiten und findet diese im Nebengebäude einer Spinnerei auf dem Oberwerder.
  • Um die Expansion finanzieren zu können, sucht er sich einen Partner und findet diesen in Richard Wagner aus Altenburg.
  • Grieben und Wagner kaufen ein Grundstück an der Roßweiner Straße und errichten hier 1866 zwei Fabrikgebäude.
  • Infolge Krankheit scheidet Wagner 1870 aus der Firma aus. Neuer Partner Griebens wird der Kaufmann Franz Richter, der in der Döbelner Johannisstraße ein Geschäft betreibt.
  • Die Fa. "C. Grieben & Richter" baute weitere Fabrikgebäude und eine Eisengießerei.
  • 1874 trennen sich die Partner, weil Grieben wegen Grundstücksspekulationen in Schwierigkeiten ist. Franz Richter führt die Firma allein weiter und fokussiert die Produktion auf landwirtschaftliche Maschinen.
  • 1886 brennt das Fabrikgebäude ab, in dem sich auch die Kontorräume befinden. Trotzdem eröffnet man eine Vertriebsfiliale in Breslau.
  • Am 23. Und 24.05.1892 streiken die Arbeiter der Fabrik, weil ihnen der Lohn gekürzt wurden. An der Eisenbahnhaltestelle kommt es zu Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und den Streikenden, weil diese den Zuzug von Streikbrechern verhindern wollen.
  • 1894 gründet man eine zweiten Filiale in Bentschen, die 1897 nach Frankfurt a.O. verlegt wird.
  • Franz Richter ist Mitbegründer des „Vereins der Fabrikanten landwirtschaftlicher Maschinen und Geräte“ im Jahre 1897.
  • 1900 wird das Unternehmen in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt. Die Leitung der Fabrik liegt in den Händen der Söhne Georg und Alfred Richter. Kommanditisten sind die drei Töchter Franz Richters.
  • Der Ankauf des benachbarten Dampfsägewerks und weitere Feldankäufe ermöglichen 1904 eine bedeutende Erweiterung der Fabrikanlagen. In der Firma sind ca. 600 Beamte und Arbeiter beschäftigt. Kommerzienrat Franz Richter zieht sich nach 34jähriger Tätigkeit als Unternehmer ins Privatleben zurück.
  • Das Unternehmen besitzt eine Beamten-Pensionskasse und eine für Alters- und Invalidenempfänger sowie eine Stiftung für unschuldig in Not geratene Arbeiter. Alle Arbeiter, die über 6 Jahre in der Fabrik beschäftigt sind, erhalten Urlaub mit Lohnentschädigung.
  • 1926 werden Hans Richter (Sohn von Georg Richter) sowie Rudolf Thieme (Schwiegersohn von Alfred Richter) Teilhaber des Unternehmens, das zu diesem Zeitpunkt 650 Beschäftigte hatte.
  • Georg Richter stirbt 1928 im Eisenbahnzug von Radeberg nach Dresden 58-jährig an einem Herzschlag. Er war Mitinhaber und techn. Leiter der Firma. Im Jahr 1919 war er zum Vorsitzenden des Arbeitgeberverbandes Döbeln gewählt worden. Von 1908 bis 1919 war er Stadtverordneter bzw. Stadtrat und 1926 wieder Stadtverordneter.
  • So wie schon im Ersten Weltkrieg steht auch ab 1939 die Rüstungsproduktion im Vordergrund der Geschäftstätigkeit. Die Geschäftsführung hatte nun Hans Richter.
  • Nach Kriegsende kommt es zu einer weitgehenden Demontage der Maschinen und Ausrüstungen.
  • 1946 erfolgt die Enteignung und Überführung in Volkseigentum. Ab 1947 werden wieder Landmaschinen produziert.
  • 1948 erhält das Unternehmen den Namen VEB Landmaschinenbau "Rotes Banner" Döbeln. Die Franz-Richter-Straße in Industriestraße umbenannt.
Werbeanzeige aus dem Jahr 1911
Werbeanzeige 1927

Franz Richter

Franz Richter

Königl. Sächs. Kommerzienrat Franz Richter
* 23.03.1849 | † 04.02.1924

Ehrenbürgerschaft Döbelns verliehen am 02.06.1911

Grab auf dem Niederfriedhof

Wohl nicht mehr zu retten - die völlig verfallene Villa des Firmengründers in der Roßweiner Straße (Foto von 2023).