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Metallwarenfabrik Robert Tümmler

  • 1856 wird Robert Tümmler in Leipzig geboren und hat in Altenburg Graveur gelernt.
  • 1874 kommt er als Handwerksgeselle eher zufällig nach Döbeln und arbeitet bei der Fa. Lange.
  • 1878 macht er sich mit einer Werkstatt in der Bahnhofstraße 63 selbstständig. Seine "Gravir-Anstalt" zur "Anfertigung aller Gravir-, Modellier- und Cisellirarbeiten" verlegt er später erst ins Haus Nr. 16 am Niedermarkt, dann in Räumlichkeiten der Pianofortefabrik Werner, Niedermarkt 19.
  • 1887 beschließt der Rat der Stadt Döbeln, Tümmler ein Areal in der Zimmerstraße (heute Schillerstr.) für den Bau einer Fabrik zu überlassen. Dafür muss er die offene Schleuse in eine Rohrschleuse umwandeln.
  • 1888 entstehen in der Zimmerstraße erste Fabrikgebäude, 1891 erfolge größere Erweiterungen. Zwei hohe Fabrikschornsteine prägen das Stadtbild.
  • Im Jahr 1906 ist es Tümmler durch den Rückkauf eines Areals an der Brücke Königstraße (heute Straße des Friedens) möglich, einen Fabrikneubau an der Muldenseite zu errichten.
  • 1907 wird Robert Tümmler Kommerzienrat.
  • Das Reiterstandbild des sächsischen Königs Georg, das 1911 auf dem Niedermarkt errichtet wird, ist eine Gemeinschaftsinitiative von Bezirkskommandeur Oberstleutnant Göhler, Bürgermeister Müller und Kommerzienrat Tümmler.
  • Durch eine Stiftung Robert Tümmlers entstand 1915 auf dem Döbelner Parkfriedhof des Niederfriedhofs das Brunnendenkmal "Der gute Hirte". Das Konzept für die Anlage erstellte Stadtbaumeister Richter, das Denkmal gestaltete Prof. Johannes Hartmann aus Leipzig.
  • 1917 stirbt Robert Tümmler im Alter von 61 Jahren. Die Erben stiften der Stadt Döbeln 100 000 Mark. Die Hälfte der Stiftung ist für Beamte und Arbeiter der Fa. Tümmler vorgesehen.
  • Nach dem Tod des Firmengründers wird die Fa. Robert Tümmler in die Firmen Robert Tümmler und Gebr. Tümmler geteilt.
  • In der Tümmlerschen Firma streiken vom 11.-15. März 1919 136 Arbeiter.
  • Wegen höherer Lohnforderungen wegen der Inflation kommt es am 06. August 1923 zu Arbeitsniederlegungen. Es wird ein Stundenlohn von 49 000 Mark und eine einmalige Wirtschaftsbeihilfe von 400 000 Mark ausgehandelt.
  • 1926 stirbt Ingenieur Adolf Tümmler. Er war Inhaber einer Lampenfabrik, Teilhaber der Maschinenfabrik Gebr. Tümmler und technischer Leiter der Firma Robert Tümmler.
  • 1931 wird die Straße vom Bürgerheim zur Leipziger Straße in "Robert-Tümmler-Straße" benannt.
  • 1939 ist Robert Erhardt Tümmler 25 Jahre Inhaber und Betriebsleiter. Die Belegschaft übergibt ihm anlässlich des Jubiläums eine von Otto Rost geschaffene Bronzegruppe, die spielende Kinder und Tiere zeigt und als Wasserspender im Zierteich des Betriebsgartens fungiert.
  • Im selben Jahr errichtet man ein neues Produktionsgebäude in der Muldenstraße.
  • Die Firma wird 1945 als bedeutender Rüstungsproduzent enteignet. Ehrhard Tümmler wird von der sowjektischen Besatzungsmacht verhaftet und kam im Lager Mühlberg ums Leben.
Werbeanzeige aus dem Jahr 1911
Werbeanzeige aus dem Jahr 1911. 1898 nahm eine Maschinenbau-Abteilung - ab 1917 selbstständig unter der Firmenbezeichnung "Gebr. Tümmler" - die Arbeit auf. Dafür wurde am Standort ein eigenes Fabrikgebäude errichtet. Hier entwickelte man neue Maschinen und Werkzeuge für eine effektivere Produktion in der Metallfabrik. In der Ausgründung waren ca. 100 Mitarbeiter beschäftigt.
Werbeanzeige aus dem Jahr 1938

Robert Tümmler

Robert Tümmler

Königl. Sächs. Kommerzienrat Robert Tümmler
* 01.08.1856 | † 20.04.1917

Ehrenbürger Döbelns

Verantwortung für die Gesellschaft

Robert Tümmler ruft Stiftungen für Belegschaft und Niederfriedhof ins Leben

Eigentum verpflichtet. So steht es heute im Grundgesetz. Dieser Grundsatz unternehmerischen Handelns war aber auch vor rund 100 Jahren nicht allen fremd. Als Robert Tümmler am 20. April 1917 starb, konnte er in dieser Hinsicht auf ein beachtliches Lebenswerk zurückblicken.

1874 als frisch gebackener Handwerksgeselle auf der Walz nach Döbeln gekommen, machte er sich 1878 mit einem Graveurbetrieb selbstständig. Mit der Produktion von Schlössern und Beschlägen sowie später Werkzeugen und Maschinen für die Metallbearbeitung wurde er nach Einschätzung von Prof. Dr. Unger, dem vormaligen Direktor des Sächsischen Staatsarchivs in Leipzig, zu einem Industriepionier im sächsischen Raum.

Sein unternehmerischer Erfolg veranlasste ihn zu vielfältigen Schenkungen. Er rief die Bertha-Auguste- und Robert-Tümmler-Stiftung für langjährig Beschäftigte der Tümmlerwerke ins Leben. Gemeinsam mit Carl Schlegel beteiligte er sich an der Inneneinrichtung des neuen Rathauses, und dank seiner Hilfe entstand das König-Georg-Denkmal auf dem Niedermarkt. Robert Tümmler spendete aber auch für seine Kirchgemeinde St. Nicolai. Er stellte die finanziellen Mittel bereit, damit der südliche Teil des Niedergottesackers, heute Niederfriedhof genannt, angekauft werden konnte.

Grabanlage auf dem Niederfriedhof

Wie er selbst sagte, wollte er keinen „Soldatenfriedhof" schaffen, sondern einen Friedhof mit Park- und Erholungscharakter. Er ist deshalb extra gemeinsam mit dem Stadtbaudirektor Richter nach Hamburg-Ohlsdorf gereist, um die dort gerade eingerichtete erste Anlage eines Parkfriedhofes in Deutschland zu besichtigen. Richter hat dann nach diesen Eindrücken den Bauplan für den neuen Parkfriedhof in Fortsetzung des Niederfriedhofs erstellt, der die Zustimmung der Stadträte, der Kirchgemeinde St. Nicolai und des Stifters gefunden hat. Er trug auch anfangs den Namen Parkfriedhof, bis er später mit dem „alten“ Niederfriedhof auch in der Benennung verschmolzen wurde.

Es handelt sich um den Teil des Niederfriedhofs, der fünf Meter von der Friedhofskapelle in südwärtiger Richtung entfernt beginnt und sich bis zur oberen Grenze Richtung Krematorium erstreckt. Tümmler übernahm die gesamten Kosten für den Zukauf in Höhe von 30.000 Goldmark. Darin inbegriffen war die Errichtung einer Brunnenanlage auf dem Friedhof, die der Leipziger Bildhauer und Maler Johannes Hartmann schuf. „Jesus. Der gute Hirte“, nannte er sein Werk. Für die riesige Schenkung wurde die Rechtsform einer weiteren Stiftung gewählt, die den Namen Robert-Tümmler-Stiftung trug.

Die damit einhergehende Vereinbarung legte Rechte und Pflichten von Robert Tümmler sowie der Kirchgemeinde fest. So musste die Kirchgemeinde beispielsweise eine Wasserzufuhr für den Brunnen installieren. Es wurden Zeiten festgelegt, zu denen der Brunnen in der warmen Jahreszeit betrieben werden sollte. Robert Tümmler wünschte die Einstellung von zwei Gartenarbeitern, die die gesamte Anlage des neuen Parkfriedhofs in Ordnung halten und ihm damit seinen Charakter als Parkanlage garantieren sollten.

Die Kirchgemeinde verpflichtete sich zum Erhalt und zur Pflege des Grabmals, das Tümmler 1910 an zentraler Stelle des Parkfriedhofs errichten durfte. In ihm beerdigte er als Erstes seine Ehefrau Bertha Auguste, die bereits am 1. November 1905 gestorben war. Sie war von ihm mit Zustimmung der Kirchgemeinde in einer aufgelassenen Gruft bis dahin „geparkt“ worden. Diese Gruft hatte Tümmler gekauft und übereignete sie nun nach der Umbettung zusätzlich der Kirchgemeinde.

Nach seinem Tod gab es eine weitere Robert-Tümmler-Stiftung zu Gunsten der Kirchgemeine St. Nicolai und ihres Parkfriedhofs. Seine vier verbliebenen Kinder (Sohn Camillo, Landwirt in Weinböhla, war im Alter von 21 Jahren 1914 wegen Liebeskummers freiwillig aus dem Leben geschieden) stellten diesmal den stattlichen Betrag von 10.000 Mark zur „Verbesserung des Friedhofsgesangs“ zur Verfügung. Die Spende wurde in fünf Prozent Deutscher Reichsanleihe mit Zinsscheinen ab dem 1. Juli 1917 ausgereicht, damit „dieses Kapital ungeschmälert erhalten bleibt und seine jährlichen Zinserträge lediglich zur Pflege des Gesanges bei Begräbnissen Verwendung finden.“ Beabsichtigt war seitens Adolf und Erhardt Tümmler sowie Hildegard Stockmann und Paula Rebentisch, beide geborene Tümmler, die „Wirkung des Grabgesanges durch Zuführung neuer geeigneter Kräfte zu erhöhen.“

Die Kirchgemeinde nahm diese Stiftung dankend entgegen. Als Erstes konnte Kantor Schubert fest angestellt werden. Der Chor hatte bei seiner Gründung im Jahr 1905 zwölf Schüler und vier Adjutanten gezählt. Kantor Schubert wünschte sich nun „zur Fülle und Sicherheit“ eine Verstärkung um drei Knaben- und zwei Männerstimmen. Bei etwa 200 Begräbnissen pro Jahr würde sich dadurch der Aufwand um 900 Mark erhöhen. In der Kirchenvorstandssitzung am 13. Juni 1918 unter Leitung von Pfarrer Bruno Keller waren 18 Mitglieder anwesend. Unter ihnen ein Herr Bühnert, der zu bedenken gab, dass der Vorschlag des Kantors nicht den Willen der Stifter treffen würde. Er schlug vor, auf ein Zeitungsangebot einzugehen und ein bestehendes Doppelquartett zu engagieren, das aus den Zinsen der Stiftung vergütet wird. So geschah es dann auch.

Wie lange das Kapital jedoch bestand und ausreichte, um den Willen der Stifter zu erfüllen, geht aus den Unterlagen der Kirchgemeinde St. Nicolai leider nicht hervor.

Döbelner Allgemeine Zeitung
Andreas Tümmler, 16.09.2009